Datacenter-Betreiber bekommt die Kündigung Die Münchner Equinix-Kunden müssen umziehen

Von Ulrike Ostler 3 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Der Mietvertrag für die Equinix-Rechenzentren in Münchens Innenstadt läuft im Juli 2028 aus. „Nach ausführlichen Gesprächen mit dem Vermieter und einer sorgfältigen Bewertung der Zukunft des Standorts haben wir beschlossen, unseren Mietvertrag nicht zu verlängern“, teilt das Unternehmen mit - auch seinen Kunden.

Die vielen Bilder von aufgeräumten Rechenzentren lassen vergessen, dass ein Umzug jede Menge Arbeit bedeutet. Nicht nur Kabel müssen neu verbunden werden..... (Bild:  Henry Schmitt - stock.adobe.com)
Die vielen Bilder von aufgeräumten Rechenzentren lassen vergessen, dass ein Umzug jede Menge Arbeit bedeutet. Nicht nur Kabel müssen neu verbunden werden.....
(Bild: Henry Schmitt - stock.adobe.com)

Die Kunden wissen es schon seit dem 11. März: Geschlossen werden die Equinix-Rechenzentren „MU1“ und „ MU3„“ in der Seidlstraße 3. MU1 ist die Fläche im 2. Stockwerk in dem Gebäude, MU3 die spätere Erweiterung im 1. Stockwerk.

Ärgerlich dürfe es für die Kunden allemal sein, zumal einer der Internet-Knoten des DE-CIX bislang hier zuhause war. Gerüchte dazu habe es ja bereits seit fast zwei Jahren gegeben, teilt Stefan Hofmeir von der Hofmeir Media GmbH der Redaktion von DataCenter -Insider mit, allerdings sei immer von 2028 die Rede gewesen.

Nun hieß es in der Benachrichtigung an die Equnix-Kunden: „Bis zum 30. Juni 2027 müssen alle Kunden den Betrieb am Standort einstellen und alle Co-Location-Dienste, einschließlich virtueller und/oder digitaler Lösungen, in ein anderes Rechenzentrum verlagern. Wir benötigen dieses Zeitfenster, um die umfangreichen Wiederherstellungsarbeiten durchzuführen, die gemäß unserer Vereinbarung mit dem Vermieter erforderlich sind.“

Die Kunden müssen umziehen

Wie Hofmeir ausführt, gebe es in keinem anderen Münchner Rechenzentrum bisher eine so hohe Konnektivität wie in der Seidlstraße, das um die Jahrtausendwende aus einem ehemaligen Briefverteilzentrum der Deutschen Post entstand. Der ursprüngliche Rechenzentrumsbetreiber KPNquest habe Ende Mai 2002 Insolvenz anmelden müssen. Equinix hat es dann übernommen und ausgebaut.

So sieht die Verteilung der Münchner Rechenzenzentren bislang aus: „MU1“ und „MU3“ in der Seidlstraße und „MU4“ in Aschheim bei München. (Bild:  Equinix)
So sieht die Verteilung der Münchner Rechenzenzentren bislang aus: „MU1“ und „MU3“ in der Seidlstraße und „MU4“ in Aschheim bei München.
(Bild: Equinix)

Equinix empfiehlt seinen Kunden nun, in das unternehmenseigene IBX-Rechenzentrum „MU4“ umzuziehen. Dieses, sich allerdings in Aschheim befindliche Datacenter, verfüge über ein zweckorientiertes Design mit hoher Leistungsdichte und Flüssigkeitskühlungsfunktionen, Equinix: „Dabei stellen wir sicher, dass Sie dort ähnlich umfangreiche Anbindungsmöglichkeiten vorfinden, wie derzeit in MU1/MU3.“

Für Hofmeir ist das keine Alternative: „Das Rechenzentrum in der Seidlstraße ist bisher quasi der Hauptknoten des Münchner Internet“, sagt er, „so eine Konnektivität, also Menge an Carriern, gibt es bisher in kaum einem anderen Rechenzentrum in München.“ Er setzt hinzu: „Der von Equinix empfohlene Umzug in das neue MU4 ist für uns keine pauschale Alternative, da es sich zum Beispiel zu nah an zwei anderen von uns genutzten Rechenzentren befindet, etwa das von Colt in der Wamslerstraße.“ Der mit manchen Kunden garantierte Mindestabstand für Data-Recovery - und Backup-Strategien könnte dann nicht mehr eingehalten werden.

Das dürfte unter Umständen EMC Home of Data gerne vernehmen. Der Co-Location-Betreiber hat gerade erst den Connectivity- und Cloud-Hub „MuconX“ auf seinem Campus „MUC II“ eröffnet; siehe: „Der DE-CIX in München findet einen neuen Partner; Internet-Knoten „Mucon-X“ bietet Ökosystem für Cloud- und Carrier-Dienste an“.

Hofmeir kündigt jedenfalls an: „Wir, die Hofmeir Media GmbH, sind in mehreren Münchner Rechenzentren mit eigenen Flächen aktiv und nehmen die Schließung von MU1 zum Anlass unser Münchner City-Backbone noch dichter auszubauen und weitere Münchner Rechenzentren daran anzuschließen, damit unsere Netzwerk- Hosting- und IPTV-Kunden weiterhin die größtmögliche Konnektivität haben.“

Bei Equinix herrscht offenbar ebenfalls Bedauern über die Kündigung und den Auszug: In dem Kundenanschreiben heißt es: „Wir sind uns bewusst, dass dieser Übergang Auswirkungen auf Ihre Betriebsabläufe haben kann, und möchten gemeinsam mit Ihnen den besten Umzugsplan für Ihr Unternehmen erarbeiten.“ Und schließlich: „Wir schätzen Sie als Kunden und möchten uns für Ihre Treue bedanken.“

(ID:50366509)

Jetzt Newsletter abonnieren

Täglich die wichtigsten Infos zu RZ- und Server-Technik

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung