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Unvollendet, fertig, überarbeitet und neu erdacht
Während die Abschnitte 2.1 und 2.2 im ersten Quartal 2014 final abgestimmt wurden, geschah dies mit dem Bereich 2.3 (Umgebung) erst Ende 2014. Inzwischen befindet sich dieser Teil, wie oben erwähnt, schon wieder in Revision. 2.5 (Verkabelung) wurde im ersten Quartal 2015 fertiggestellt, Sicherheit soll Anfang 2016 folgen. Außerdem wird nicht jedes Detail vorgeschrieben, sondern es handelt sich um relativ generische Vorgaben, es besteht also Spielraum für situationsangepasste Detaillösungen.

Bei der Stromversorgung gibt die Norm verschiedene generische Designs für die unterschiedlichen Verfügbarkeitsklassen vor und legt fest, dass die Systeme so auszulegen sind, dass sie einen Energie-effizienten Betrieb ermöglichen. Der Aufbau muss also etwa die Implementierung von Messeinrichtungen, wie sie die geplante Granularität vorsieht, gestatten.
Hinsichtlich der Klima/Kältetechnik wird kein Kühlmittel vorgeschrieben, sondern die Norm beschreibt verschiedene mögliche Einrichtungen generisch, auch hier mit Varianten für die unterschiedlichen Verfügbarkeiten und Effizienzmessungs-Granularitätsniveaus. Für Elektro-, Kühl- und Klimaeinrichtungen schreibt die Norm Schutzklasse 3 vor.
Dieses bleibt und jenes ändert sich
Der Teil 2.4 befasst sich nur mit der Verkabelung des Rechenzentrums, nicht mit der internen IT-Verkabelung im Rack und gibt auch hier Empfehlungen für die Verfügbarkeitsklassen. So schlägt die Norm bei den beiden höheren Verfügbarkeitsklassen hochwertige Kabeltrassen vor.
Für den Brandschutz müssen immer Brandmelder und Löscheinrichtungen vorhanden sein. In der höchsten Schutzklasse darf durchs Feuer der Betrieb des RZ nicht unterbrochen werden.
Wartung und Betrieb werden im Normabschnitt 3 geregelt. Derzeit besteht er nur aus einem Element (3.1). Es ist aber in der Diskussion, ihn in drei Bereiche aufzugliedern, nämlich in Teil 3.1 (Überblick), Teil 3.2 (Management) und Teil 3.3. (Betrieb). Rütimann: „Da sich die Konzepte für Betrieb und Management derzeit schnell weiterentwickeln, würde das ausreichende Flexibilität garantieren. Man könnte dann den Bereich 3.1 mehr oder weniger stabil halten, während die Teile 3.2 und 3.3 laufend der Technologie-Entwicklung angepasst würden.“
Überholt und in Arbeit
Derzeit soll jedoch der heutige Bereich 3, der auch die genannten Unterbereiche umfasst, zunächst erst einmal im Frühjahr 2016 verabschiedet werden. Wann die angedachten Unterbereiche von Normabschnitt 3 entstehen, steht derzeit noch nicht fest. Die einzelnen Management-/Betriebsfunktionen orientierten sich an den bewährten Vorgaben von ITIL (IT Information Library) Version 3. Sie umfassen auch Verfügbarkeits-, Ressourcen- und Energie-Management mit der Ermittlung geeigneter Kennzahlen, die wiederum an die von The Green Grid erarbeiteten Parameter angelehnt sind.
Derzeit bereits in Arbeit befinden sich die Teile der Norm, die sich explizit mit Effizienz und Nachhaltigkeit befassen. Dies sind 4.1 (Überblick), 4.2 Power Usage Effectiveness (PUE) und 4.3 Renewable Energy Factor (REF), also der Anteil erneuerbarer an der gesamten verbrauchten Energie.
Teil 5 der Norm enthält Regeln für die stetige Optimierung des Rechenzentrumsbetriebs und legt dafür unter der Bezeichnung Teil 99-1 (TR) den European Code of Conduct for Datacentres zugrunde. TR steht hier für Technische Regel. Alle Regeln und Best Practises des Code of Conducts wurden übernommen.
Für die Teile 4 und 5 rechnet Rütimann mit einer Fertigstellung im Frühjahr 2017 – dem Zeitpunkt, an dem unter Umständen bereits wieder mit einer Durchsicht der allgemeinen Konzepte aus Teil 1 begonnen wird. Vorausgesetzt, die RZ-Technologie entwickelt sich so rasant weiter wie bisher, ist davon auszugehen, dass die Standardisierer der Norm EN 50060 dann wieder jede Menge zu tun bekommen.
* Ariane Rüdiger ist freie Journalistin aus München.
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