Der Beitrag von VZM-Sicherheitsberater Christoph Riedel „Frischluft in Rechenzentren – muss das sein?“ hat eine große Zahl der DataCenter-Insider-Leser veranlasst, Kommentare auf unsere Community-Plattform zu stellen. Die Leserbeiträge thematisieren eine Vielzahl von Aspekten. Im Folgenden findet sich eine Zusammenfassung der Diskussion.
Die Community diskutiert.
(Bild: Daniel Stricker_pixelio)
Christoph Riedel erörterte in dem Artikel die Frage, ob ein Rechenzentrum durch Gesetzes- oder normative Vorgaben eine automatisierte Zu- und Abfuhr von frischer Luft benötigt, oder technisch ausgedrückt: muss in einem Rechenzentrum eine raumlufttechnische Anlage (RLT) installiert werden? Nach Analyse verschiedener nationaler und internationaler Industrienormen und Vorgaben zur Mitarbeiter-Gesundheit und Sicherheit der Arbeitsstätte kommt er zu dem Schluss, dass – um es etwas salopp auszudrücken - Frischluft nicht sein muss, sondern allenfalls gesundheitlich zuträgliche Atemluft.
Grund dafür sei, dass ein Rechenzentrum nicht als Ort gelten könne, an dem ständige Arbeitsplätze vorhanden sind. Freilich müsse der Betreiber aber vor Inbetriebnahme eine Gefährdungsbeurteilung erstellen (§3 ArbStättV), aus der ersichtlich wird, ob die Beschäftigten Gefährdungen […] ausgesetzt seien oder ausgesetzt sein könnten.
Die menschliche Seite: Objektive und subjektive Aspekte
Die Argumentation des Autors ist gespickt mit Zitaten aus der DIN EN 16798-3 („Lüftung von Nicht-Wohngebäuden“), VDI 2054 („Raumlufttechnik – Datenverarbeitung“),DIN EN 50600 („Informationstechnik – Einrichtungen und Infrastrukturen von Rechenzentren – Teil 2-3: Regelung der Umgebungsbedingungen“) sowie Arbeitsstättenverordnung und „Technische Regel für Arbeitsstätten“, die die Schlussfolgerungen des Autors untermauern. Ein Kommentar zu dem Artikel lautet denn auch „Sehr guter Bericht - tolle Aufklärungsarbeit“. Ein anderer bestätigt den Aufklärungsaspekt des Artikels indirekt, indem er postet: „Ich dachte immer, RLT-Anlagen würden genutzt, um eine direkte freie Kühlung im Rechenzentrum umzusetzen, nicht weil man Frischluft haben möchte“.
Ein weiterer Beitrag bringt den subjektiven Aspekt zur Geltung: „Jeder, der mal den Genuss hatte, in einem Datacenter mit Sauerstoffreduktion zu arbeiten und den dortigen Gerüchen von Schweiß, Kunststoffausdünstungen etc. ausgesetzt zu sein, weiß wie wichtig eine Belüftung der Räume ist.“ Dem Kommentator behagt die vorsichtige analytische Betrachtungsweise des Autors überhaupt nicht und er meint: „Sollte ein Bauherr wirklich auf die Idee kommen; keine Lüftungsanlage für den hygienischen Luftwechsel einzubauen, kann ich nur jedem Planer und Ausführenden raten, eine Bedenkenanmeldung zu schreiben, um sich rechtlich abzusichern“. Des Weiteren stellt das Community-Mitglied in seinem Beitrag die rechtliche und faktische Bindungswirkung der im Artikel angeführten Industrienormen und organisatorischen Vorgaben in Frage.
Dem widerspricht ein anderer Kommentator: „Die Anwendung von Normen wird verbindlich, wenn entweder der Gesetzgeber dies vorschreibt oder (und das dürfte i.d.R. der Fall sein) die Vertragsgestaltung und das LV konkret und detailliert beschreiben, welche Norm(en), gegebenenfalls. mit welchen Ausführungsvarianten, in einem Projekt anzuwenden sind“.
Die technische Seite
Ein anderer Kommentator sieht die ganze Sache eher pragmatisch: „Gerade bei kleineren Serverräumen denke ich, dass ein regelmäßiges Öffnen der Türen zu einem hinreichenden Austausch an Luft führen kann. Die „OxyReduct“-Lösung [also der Serverraum mit Sauerstoff-Reduktion zur Minderung der Brandgefahr, wie er oben erwähnt wird], verursacht ja nun auch jede Menge Betriebskosten. Wer die Lüftungsanlage einspart, spart nicht nur die Investitions-, sondern auch die Instandhaltungskosten“.
Mit der letztgenannten Äußerung gehen wir weg von der Gefährdungslage für die Mitarbeiter und kommen zu eher technischen Fragen bezüglich einer RLT-Anlage. So moniert ein Community-Mitglied: „Der Artikel berücksichtigt nicht die ganzheitlichen Anforderungen an die Verfügbarkeit eines Rechenzentrums. Man benötigt nämlich Außenluft, um einen Überdruck zu erzeugen. Die rauchdichten Türen haben eine zugelassene Leckrate und brauchen den Überdruck im Rechenzentrum, um Rauch fernzuhalten. Und es gibt noch weitere Gründe für die Forderung Zuluft größer Abluft“.
Dem entgegnet ein anderer Leser, dass die Erzeugung von Überdruck „doch eher ein Nebeneffekt einer RLT-Anlage sei und nicht ihr Hauptzweck. Über letzteren sinniert der Kommentator dann ausgiebig. Ein anderes Community-Mitglied greift die Überlegungen in puncto Überdruck auf und erörtert sie im Einzelnen (Details hier).
Stand: 08.12.2025
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(Bild: Vogel IT-Medien GmbH)
In dieser sachlichen Breite der Diskussion muss man keinesfalls eine Verzettelung sehen, sondern durchaus eine Bereicherung. Autor Riedel verspricht denn auch in seinem Beitrag zur Community-Diskussion, in dem er einige der hier dargestellten Diskussionspunkte aufgreift und kommentiert, weitere Artikel zum Thema.