Mehr als 70 Großprojekte Deutschlands Rechenzentrumsmarkt im Expansionsmodus

Von Monika Grass und Ralph Hintemann* 3 min Lesedauer

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Der deutsche Rechenzentrumsmarkt boomt –auch für die Zukunft sind die Weichen auf Wachstum gestellt. Gemäß einer aktuellen Auswertung von Borderstep und Grass Consulting gibt es mehr als 70 angekündigte Großprojekte für neue Rechenzentren in Deutschland. Zusammengenommen haben diese Vorhaben ein Volumen von fast 5.500 Megawatt.

Von 70 geplanten, im Bau befindlichen Rechenzentren übersteigen 27 Projekte 50 Megawatt. (Bild:  Borderstep/Grass Consulting, September 2025)
Von 70 geplanten, im Bau befindlichen Rechenzentren übersteigen 27 Projekte 50 Megawatt.
(Bild: Borderstep/Grass Consulting, September 2025)

Der Wachstumstrend verstärkte sich in letzten Jahren kontinuierlich. 2025 erreichten die Kapazitäten aller Rechenzentren in Deutschland – vom kleinen IT-Raum bis zum Hyperscale-Rechenzentrum – in Summe eine IT-Anschlussleistung von fast 3.000 Megawatt (MW). Besonders dynamisch entwickelte sich das Segment der Co-Location-Rechenzentren; es wuchs allein 2025 um 17,5 Prozent. Verantwortlich dafür ist vor allem die hohe Nachfrage nach Colocation-Flächen durch internationale IT-Dienstleister/Hyperscaler, die ihre Standorte in Deutschland deutlich ausbauen.

Wächst der Markt wie erwartet weiter, werden die Rechenzentrumskapazitäten in Deutschland im Jahr 2030 etwa 5.000 MW erreichen. Getrieben wird die Entwicklung durch die Erwartungen und Fantasien im Segment der KI-Anwendungen. Aber auch für den Ausbau „klassischer“ Cloud-Angebote werden immer mehr Rechenzentren benötigt.

Parallel zu den Großrechenzentren werden voraussichtlich auch die Kapazitäten von Edge-Rechenzentren in den kommenden Jahren zunehmen, insbesondere aufgrund latenzkritischer und datenintensiver KI-Anwendungen. Damit ergänzt sich das Bild aus zentralen Großstandorten und stärker verteilten Edge-Strukturen: Während Hyperscale- und Co-Location-Kapazitäten weiter zulegen, entstehen zusätzliche Nachfrageimpulse für regionale, anwendungsnahe Infrastrukturen.

Auch im europäischen Vergleich steht der Rechenzentrumsmarkt in Deutschland gut dar. Laut Statusbericht der European Data Centre Association (EUDCA) verfügt Deutschland bei Co-Location-Rechenzentren über die höchsten Kapazitäten in Europa – seit 2025 sogar über größere Kapazitäten als Großbritannien. Gleichzeitig weist der deutsche Co-Location-Markt im aktuellen Jahrzehnt mit durchschnittlich 15 Prozent auch eine höhere Wachstumsdynamik auf als die übrigen europäischen Top-Standorte. Zwar fallen die Wachstumsraten in den skandinavischen Ländern sowie in Südeuropa teilweise noch stärker aus, allerdings ist das Ausgangsniveau dort deutlich geringer, so dass die absoluten Kapazitäten weiterhin spürbar hinter Deutschland zurückbleiben.

Die EUDCA-Prognose erwartet, dass Deutschland auch im Jahr 2030 seine führende Position innerhalb Europas klar behaupten wird. Hierzulande werden 2030 mehr Colocation-Kapazitäten verfügbar sein als in ganz Südeuropa zusammen und sogar rund 50 Prozent mehr als in Skandinavien. Damit bleibt Deutschland der zentrale europäische Ankerpunkt des Rechenzentrumsmarkts.

Im globalen Vergleich der Märkte ist jedoch festzustellen, dass Europa insgesamt deutlich hinter den USA und China zurückliegt. Dort sorgen massive Investitionen in KI-Rechenzentren für ein besonders hohes Wachstumstempo: In den Top-Standorten der USA stiegen die Rechenzentrumskapazitäten im vergangenen Jahr um über 40 Prozent.

Neue Hubs

Parallel zur quantitativen Expansion ist in Deutschland auch eine Veränderung der räumlichen Marktstruktur zu beobachten. Neben dem Top-Standort Frankfurt/Rhein-Main bildet sich in der Region Berlin/Brandenburg ein zweiter größerer Rechenzentrums-Cluster heraus. Zugleich werden für bestimmte Rechenzentren weitere Standorte attraktiv, wenn dort Entwicklungsperspektiven und geeignete Rahmenbedingungen zusammentreffen. Beispiele sind das Microsoft-Engagement im Rheinischen Revier oder die KI-Initiativen in Bayern und Baden-Württemberg.

Auch Engpässe bei Flächenverfügbarkeit und in den Stromnetzkapazitäten führen zu einer Veränderung der räumlichen Struktur der Rechenzentren in Deutschland. So weitet sich die Rechenzentrums-Region Frankfurt-Rhein/Main räumlich zunehmend aus und reicht mittlerweile deutlich in den Bundesländer Rheinland-Pfalz und Bayern hinein.

Die Vielzahl der öffentlich angekündigten Großprojekte belegt die Stärke des Booms und die Expansionsbereitschaft des Marktes. Ob und in welchem Zeitrahmen alle angekündigten Vorhaben tatsächlich realisiert werden, ist jedoch nicht sicher.

Der Erwartungen der Investoren in das Marktwachstum sind oft sehr spekulativ.

Monika Grass und Ralph Hintemann

Außerdem kann in der Praxis die mangelnde Verfügbarkeit von Stromanschlusskapazitäten des Stromnetzes die Umsetzung einzelner Vorhaben erschweren; ebenso können regulatorische Unsicherheiten sowie langwierige Planungs- und Genehmigungsverfahren die gesteckten Zeitpläne beeinflussen.

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Das Autorenduo*

Bildquelle: Grass Consulting

Monika Graß ist Inhaberin von Grass Consulting. Einer ihrer Beratungsschwerpunkte ist das Datacenter Information Management sowie die Zusammenarbeit von Facility, Betrieb und IT. Ihr Credo: „Denn nur gemeinsam können Ziele wie Effizienz und Nachhaltigkeit ganzheitlich erzielen.“

Bildquelle: Borderstep Institut


Dr. rer. pol. Ralph Hintemann ist Gesellschafter und Senior Researcher am Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit. Sein wissenschaftliches Interesse gilt insbesondere den Nachhaltigkeitspotenzialen der Digitalisierung. Im Mittelpunkt seiner Forschungstätigkeit stehen Innovationsstrategien, neue Geschäftsmodelle für Nachhaltigkeitsinnovationen und die Erfolgsfaktoren für die Diffusion neuer Produkte und Technologien.

Das Fazit des Autorengespanns lautet: Auch wenn das konkrete Ausmaß des künftigen Wachstums schwer abzuschätzen ist, die Richtung ist ganz klar: Wir werden immer mehr und immer größere Rechenzentren benötigen, um die weitere Digitalisierung von Wirtschaft und Verwaltung voranzubringen.

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