Das Ende des Greenwashing Datacenter müssen die Nach­haltig­keits­ziele ihrer Kunden stützen

Ein Gastbeitrag von Chris Pennington* 5 min Lesedauer

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Von „nice-to-have“ zu einer „must-have“ Kundenanforderung: In den vergangenen zehn Jahren haben sich die Erwartungen an die Verpflichtung zu Nachhaltigkeit und Transparenz von Dienstleistern gewandelt. Zahlen belegen das: Laut Accenture haben sich 37 Prozent der Unternehmen Netto-Null-Ziele gesetzt.

Am 1. August war der weltweite Overshoot Day, der Tag an dem die Ressourcen der Erde für dieses Jahr erschöpft waren. seither leben wir alle über unsere Verhältnisse. Bezogen auf die einzelnen Länder, war dieser Tag in Deutschland schon am 2. Mai erreicht. (Bild:  Global Footprint Network 2024, www.overshootday.org)
Am 1. August war der weltweite Overshoot Day, der Tag an dem die Ressourcen der Erde für dieses Jahr erschöpft waren. seither leben wir alle über unsere Verhältnisse. Bezogen auf die einzelnen Länder, war dieser Tag in Deutschland schon am 2. Mai erreicht.
(Bild: Global Footprint Network 2024, www.overshootday.org)

Über 23.000 Unternehmen legen ihre Emissionen über Non-Profit-Organisationen wie das Carbon Disclosure Project (CDP) offen oder arbeiten mit Initiativen wie den Science-Based Targets an der Reduktion ihrer Emissionen. Unternehmen wollen also eine klare Verantwortung für ihre Umweltauswirkungen übernehmen. Gleichzeitig werden sie durch Gesetze, wie beispielsweise der Corporate Sustainability Reporting Directive der EU, zu einer Berichterstattung verpflichtet. Und sie erkennen, dass auch ausgelagerte IT-Tätigkeiten und Rechenzentren aller Art zum CO2-Fußabdruck ihres Geschäfts beitragen – sei es ein dediziertes Colocation-Rechenzentrum bzw. Server-Housing, IaaS, PaaS oder SaaS.

Trotz des zunehmenden Kundenfokus auf ihre Umweltziele werden Begriffe wie „klimaneutral“, „grün“ und „erneuerbar betreiben“ auch von Dienstleistern noch häufig zweideutig verwendet, um die Nachhaltigkeitsleistungen zu definieren. Hier ist die Branche der Rechnungszentrumsbetreiber gefragt: Um Transparenz zu schaffen ist eine präzise Sprache und konsistente Berichterstattung nötig.

Wir müssen wir unsere Nachhaltigkeitsterminologie verfeinern und maßgeschneiderte, verifizierte Berichte über den Energieverbrauch für Kunden erstellen. Außerdem müssen wir unsere Metriken angleichen, um doppelte Anrechnung von erneuerbaren Energien zu vermeiden.

Rechenzentren sind Schlüsselakteure in der Energielieferkette

In unserer digitalisierten Welt spielen Rechenzentren eine entscheidende Rolle in der Energielieferkette von Unternehmen: Den Strom, den wir als Anbieter beziehen, läuft mittelbar in den Nachhaltigkeitsbericht unserer Kunden ein. Daher haben wir die Möglichkeit, Kunden im Übergang zu sauberer Energie zu unterstützen und Alternativen zu bieten.

Wenn Unternehmen ihre Emissionen in Scope-1-, Scope-2- bzw. Scope-3-Emissionen offenlegen, benötigen sie detaillierte Einblicke in die von Rechenzentren genutzte Energie. Hier ist nicht nur in die Menge der Kilowattstunden, sondern auch in die Quellen und Ursprünge dieser Energie von Bedeutung.

Was sind Scope-1-, Scope-2- und Scope-3-Emissionen?
  • Scope 1: Direkte Treibhausgasemissionen des Unternehmens
  • Scope 2: Indirekte Emissionen aus eingekaufter Energie
  • Scope 3: Indirekte Emissionen aus vor- und nachgelagerter Wertschöpfungskette

Nur diese Transparenz ermöglicht es Betrieben, ihren digitalen Fußabdruck klar an Stakeholder und Regulierungsbehörden kommunizieren zu können. Vor allem Großkunden sind hier bereits Vorreiter, da sie aktiv Informationen über die Quellen und die Zusammensetzung des an Rechenzentren gelieferten Stroms suchen. Für Betreiber von Rechenzentrum bestätigt dieser Umbruch ihr Engagement zur CO2-Reduktion und -Überwachung sowie ihre Investitionen in den Aufbau eines CO2-freien Versorgungsportfolios.

Klarheit im Reporting von Scope-2-Emissionen nötig

Vor allem im Bereich der allgemeinen Scope-2-Stromberichterstattung herrscht keine vollständige Klarheit in Bezug auf die Klassifizierung von Emissionen, was Herausforderungen bei der GHG-Bilanzierung (Greenhouse Gas Protocol) mit sich bringt. Für die GHG-Bilanzierung besonders relevant ist es, eine Doppelzählung von Emissionen zu vermeiden.

Allerdings empfiehlt das GHG-Protokoll zwei Methoden für die Klassifizierung: Die „finanzielle Kontrolle“ basierend auf der Strombeschaffung und die „operationelle Kontrolle“, die die Nutzungskontrolle widerspiegelt.

Scope-2-Stromberichterstattung

Es gibt zwei Methoden der Klassifizierung:

  • 1. „Finanzielle Kontrolle“: Basierend auf der Strombeschaffung – Wer kauft der Strom?
  • 2. „Operationelle Kontrolle“: Spiegelt die Nutzungskontrolle wider – Wer kontrolliert die Nutzung?

Dies ist insofern problematisch, da Rechenzentren zwar die Energie für ihren Betrieb beschaffen, ihre Kunden allerdings deren Nutzung bestimmen. Konkret führt das dazu, dass manche Betreiber über die IT-Last als Scope-2-Emissionen berichten, da sie den Strom gekauft haben, während andere sie als Scope-3-Emissionen ausweisen, da die Kunden deren Nutzung kontrollieren.

Diese Diskrepanz führte wahrscheinlich zu einer doppelten Berichterstattung auf der CDP-Plattform trug zu aufgeblähten Scope-2-Zahlen bei. Die größten Cloud-Service-Anbieter sind sich der Situation bewusst und ergreifen Maßnahmen, indem sie den Weg der „operationelle Kontrolle“ einschlagen. Auch wir bei Iron Mountain verwenden diese Methode, um ein doppeltes Reporting der Emissionen zu vermeiden.

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Für die Dekarbonisierung ist ein diversifizierter Energiemix nötig

Besonders mit Blick auf generative Künstliche Intelligenz (GenAI) und ihrem erheblichen Energiebedarf ist in der Branche ein Umdenken in Bezug auf einen sinnvollen Energiemix erkennbar. Um ein vollständig dekarbonisiertes Netz zu erreichen, wir das alleinige Verlassen auf Wind- und Solarenergie nicht ausreichen. Microsoft betont die Notwendigkeit eines diversifizierten Ansatzes, der eine Reihe von CO2-freien Technologien wie Wind, Solar, Geothermie, sauberen Wasserstoff, nachhaltige Biomasse, Kernenergie, Fusion, Energieeffizienz und CO2-Abschneidung und -speicherung umfasst.

Für die Betreiber von Rechenzentren ist es unerlässlich, diese Komplexität zum Vorteil der Kunden zu entschlüsseln und nutzen: Ein diversifizierter Energiemix ist entscheidend. Jede Anlage benötigt zudem eine klare Definition und transparente Berichterstattung, um zum Scope-2-Reporting der Kunden beizutragen. Die maßgebliche Kennzahl in dieser Berichterstattung muss der tatsächliche CO2-Emissionswert sein und Fortschritte in Richtung Netto-Null-Treibhausgasemissionen detailliert betonen.

Nachhaltigkeit und Transparenz sind wichtige Wettbewerbsfaktoren

Die Nachhaltigkeit von Rechenzentren entwickelt sich zu einem integralen, kundenorientierten Angebot. Daher ist eine Verschiebung hin zu strengeren und standardisierten Metriken und Terminologien, die Greenwashing durch präzise und detaillierte Berichterstattung verdrängen, erwartbar.

Traditionelle Metriken der Rechnungszentrumsanbieter
  • PUE (power usage effectiveness): Verbrauchte Gesamtenergie des Rechenzentrums im Vergleich zur benötigten Energie zum Betrieben der Computerausrüstung/ Maschinen
  • CUE (carbon usage effectiveness): Ausstoß der Menge an Kohlendioxid pro verbrauchter Energie-Einheit
  • WUE (water usage effecitveness): Benötigte Wassermenge pro verbrauchter Energie-Einheit

Nachhaltigkeit wird zunehmend zu einer Compliance-Anforderung, die in Ausschreibungen festgelegt und auf die gleiche Weise bewertet und berichtet wird. Rechenzentrumsanbieter müssen über traditionelle Metriken wie PUE (power usage effectiveness), WUE (water usage effecitveness) und CUE (carbon usage effectiveness) hinausblicken und erkennen, dass sie nicht nur, physische und logische (Ausfall-) Sicherheit, Konnektivität mit geringer Latenz und Compliance anbieten müssen, sondern auch transparente Nachhaltigkeit auf dem Weg zur vollständigen Dekarbonisierung.

*Der Autor
Chris Pennington ist Director Environmental Sustainability bei Iron Mountain Data Centers. Zu seinen Aufgaben gehören die Entwicklung und Umsetzung des globalen Nachhaltigkeitsprogramms von Iron Mountain sowie die Identifizierung von Innovationsmöglichkeiten für eine nachhaltigere digitale Zukunft. Er erhielt 2021 vom Center for Resource Solutions die Auszeichnung „Green Power Leader of the Year“ und setzte sich im selben Jahr für das öffentliche Engagement von Iron Mountain für rund um die Uhr CO2-freien Energie ein. Chris beteiligt sich aktiv an der Clean Energy Buyers Alliance als Dozent für deren Energiekäufer-Unterstützungsprogramme sowie am rund um die Uhr CO2-freien Energie-Hub von Eurelectric.

Bildquelle: Iron Mountain Data Centers

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