100 Hektar großer Datacenter-Campus bei Paris Data4 eröffnet weltweit größtes biozirkuläres Rechenzentrum

Von Paula Breukel 2 min Lesedauer

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Ein Rechenzentrum, das CO₂ bindet? Aus Serverhitze wird Biomasse: Data4 startet in Frankreich ein biozirkuläres Rechenzentrum und zeigt, wie Digitalisierung und Klimaschutz zusammengehen. In Marcoussis bei Paris betreibt Data4 einen Campus mit 30 Rechenzentren.

Das Bestreben des Rechenzentrumsbetreibers Data4 liegt darin, die Abwärme effizient zu nutzen. Dank der Algen auf dem Dach des neuen Data4-Rechentrums lassen sich die Ziele einhalten.(Bild:  Paula Breukel)
Das Bestreben des Rechenzentrumsbetreibers Data4 liegt darin, die Abwärme effizient zu nutzen. Dank der Algen auf dem Dach des neuen Data4-Rechentrums lassen sich die Ziele einhalten.
(Bild: Paula Breukel)

Der europäische Rechenzentrumsbetreiber Data4 hat in Marcoussis bei Paris das weltweit sein erstes biozirkuläres Rechenzentrum offiziell in Betrieb genommen. Das Pilotprojekt nutzt die Abwärme von Serverräumen zur Zucht von Mikro-Algen. Mit diesem Projekt setzt der Betreiber neue Maßstäbe in Sachen nachhaltige Rechenzentrumsarchitektur.

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Auf dem Dach des Rechenzentrums wandelt ein Wärmerückgewinnungssystem warmes Wasser aus dem IT-Betrieb in optimale Wachstumsbedingungen für einzellige Algen um. Diese Mikroorganismen sind bis zu 20-mal effizienter als Bäume bei der Absorption von CO2. Die gewonnene Biomasse kann in der Agrar-, Lebensmittel- oder Pharma-Industrie weiter verwertet werden. Pro Jahr sollen so bis zu 13 Tonnen CO2 pro Standort eingespart werden. Laut Data4 wäre das bei einer flächendeckenden Einführung in Frankreich rund 3.900 Tonnen.

Bei der Eröffnung des biozirkulären Datacenter hat Linda Lescuyer, Head of Innovation bei Data4, gesagt: „In unseren französischen Rechenzentren stehen insgesamt rund 18 Terawattstunden Abwärme zur Verfügung – ein riesiges Potenzial, das bislang weitgehend ungenutzt bleibt.“ Daher sei das Ziel des Pilotprjekts, diese Energie nicht nur ökologisch sinnvoll zu verwerten, sondern daraus auch neue wirtschaftliche Wertschöpfung in der Region zu schaffen.

Machbarkeitsstudie mit Blue Planet und Universität Paris-Saclay

Das biozirkuläre Modul ist das Ergebnis einer engen Kooperation zwischen Data4, der Universität Paris-Saclay, dem österreichischen Start-up Blue Planet Ecosystems sowie lokalen und staatlichen Partnern. Herzstück ist ein geschlossenes, automatisiertes Algenproduktionssystem, das über Sensorik, Steuerungssoftware und eine eigene CO2-Zufuhr verfügt. Es handelt sich hierbei um industriell rückgewonnenem CO2. Die Produktion ist modular aufgebaut und das Ziel ist es, dieses zu replizieren.

Cécile Reguer, Innovationsleiterin des Projekts betonte: „Wir denken hier nicht nur an ein einzelnes Dachmodul, sondern an eine skalierbare Infrastruktur.“ In einer zweiten Ausbaustufe sollen vertikale Algenmodule an den Gebäudefassaden installiert werden. Mit dem Ziel eine tägliche CO2-Absorption von bis zu 36 Kilogramm und eine Produktion von 20 Kilogramm Biomasse zu erzielen.

Vom Rechenzentrum zum urbanen Ökosystem

Die Pilotanlage in Marcoussis soll als Exemplar für ein Rechenzentrum als aktiver Teil des lokalen Ökosystems dienen. Neben der Nutzung ungenutzter Abwärme entstehen Synergien mit der lokalen Industrie, etwa durch CO2-Lieferverträge oder die Nutzung der Biomasse in pharmazeutischen Anwendungen. Da der Campus eine zu große Distanz zu bewohnten Flächen hat, wurde dieses Projekt entwickelt, um die entstehende Abwärme nicht verpuffen zu lassen.

Auch infrastrukturell ist der Campus weit entwickelt: Er umfasst derzeit 30 Rechenzentren auf 110 Hektar, bietet bis zu 250 MW Leistung und ist vollständig mit erneuerbaren Energien betrieben. Der Standort ist zudem mit sechs unabhängigen Stromfeldern ausgestattet. Bis zu 48 Stunden können diese bei Bedarf Strom liefern und den Campus vor Ausfällen schützen.

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Ein Folgeprojekt mit der Groupe ADP zur Errichtung des ersten biozirkulären Flughafens ist bereits in Planung – mit derselben Technologie, die in Marcoussis als Proof-of-Concept (PoC) dient.

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