Interview mit dem Ancotel-Aufkäufer über Standortschwäche und das EEG

Co-Location: "Nicht der (Strom-)Preis entscheidet"

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Fragen an Eric Schwartz

Eric Schwartz: "Rechenzentrumsstandorte unterscheiden sich nach Kapazität und Verfügbarkeit, Regularien und Gesetzen - beispielsweise für den Datenschutz und zum Schutz des geistigen Eigentums -, Steuern, Energie-Märkte und Stromkosten."
Eric Schwartz: "Rechenzentrumsstandorte unterscheiden sich nach Kapazität und Verfügbarkeit, Regularien und Gesetzen - beispielsweise für den Datenschutz und zum Schutz des geistigen Eigentums -, Steuern, Energie-Märkte und Stromkosten."
(Bild: Equinix)

Der Strompreis in Deutschland steigt kräftig. Die RZ-Betreiber hierzulande sehen darin eine starke Gefährdung des Standorts Deutschland. Sie fürchten die verteureung könnte Kunden und Investoren ins Ausland locken. Lohnt sich der Aufkauf von Ancotel nach wie vor?

Eric Schwartz: Ja, ganz klar. Das war und ist eine sehr gute Idee. Schließlich muss jeder Betreiber für diese Ressource gleichermaßen bezahlen. Das stellt eine gewisse Gleichheit her. Und für die Kunden ist der Preis nur ein, wenngleich bedeutsames Kriterium. Doch das, was noch stärker ins Gewicht fällt ist die „Community“.

Was meinen Sie damit?

Eric Schwartz: Wir investieren auch in Amsterdam und Paris, wo der Strom tatsächlich günstiger zu haben ist. Aber wenn das der einzige Grund wäre, würden die Kunden schnell wechseln wollten und sich nicht auf Jahre durch langfristige Verträge an einen Standort binden.

Was zählt, ist zählt beispielsweise die Anbindung an die Netze; es müssen Zugänge zu möglichst vielen Netzbetreibern und große großer Kapazitäten vorhanden sein. Es gilt: Dort wo die Netze sind, entstehen Rechenzentren und: dort, wo Rechenzentren sind, werden Netze gebaut.

Außerdem ist den Kunden die Nachbarschaft wichtig, in Frankfurt gibt es nun einmal die Banken und den großen Internet-Knoten DeCix. Die Mitarbeiter sollen schnell zu der ausgelagerten IT gelangen können.

Im Prinzip ist es wie bei den Steuern. Nur weil sie zu zahlen sind, wandert nicht jeder und jedes Unternehmen ins Ausland ab.

Sie bieten unter anderem zahlreichen Cloud-Providern eine IT-Heimat. Wäre es für Equinix eine Option, selbst IT-Dienste anzubieten?

Eric Schwartz: Co-Location ist ein leicht abzugrenzter Markt. Schnell ist jedem klar, was wir machen. Das ist im Cloud-Computing anders. Es gibt zu viele Abstufungen und ein sehr komplexes Kriteriengeflecht. Das macht es schwer, erfolgreich zu sein.

Es gibt aber auch Bestrebungen bei den Kunden, auf Verfügbarkeitsmechanismen, wie die Redundanz sämtliche Komponenten – vom Server bis zur Stromversorgung- zu verzichten und Verfügbarkeit durch neue Software-Architekturen herzustellen.

Eric Schwartz: Ja. Es gibt einige, die keine Redundanz haben wollen. Aber es gibt ganz viele, die niemals darauf verzichten würden und deswegen zu Equinix kommen.

Microsoft etwa gehört zu den Firmen, die fast so viel in den Ausbau ihrer Rechenzentrumskapazität stecken wie wir und zunehmend beispielsweise auf doppelte Absicherung in der Kühlung verzichten. Das ist auch möglich, weil Microsoft sich die Rechner aussuchen kann, die im Rechenzentrum aufgestellt werden. Wir aber bringen nicht nur Computer unter, die hohe Temperaturen und Luftfeuchtigkeit aushalten.

Außerdem gibt es in einem Microsoft-Rechenzentrum vielleicht 2, 3 Netzzugänge. In einem typischen Rechenzentrum von uns, bieten rund 200 Provider ihre Netze an.

Was halten Sie von der Idee, Rechenzentren möglichst nahe an die Stromquellen zu bauen, unter Umständen auch kleiner, direkt an Biokraftwerke?

Eric Schwartz: Das können wir nicht bewerkstelligen. Allerdings – in London befindet sich gegenüber dem Rechenzentrum, auf der anderen Straßenseite ein Umspannwerk und in Amsterdam kühlen wir unser Rechenzentrum, das auf Stelzen steht, mit Nordseewasser.

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