Die Digitalisierung schreitet mit großen Schritten voran und verspricht mehr als nur Effizienzgewinne in Unternehmen. Immer häufiger stellt sich die Frage, ob moderne Technologien auch einen aktiven Beitrag zum Schutz unseres Planeten leisten können. Aber ausgerechnet Blockchain?
Blockchain ist als unersättlicher Energiefresser verschschrien, doch neue dezentrale Kryptomechanismen hebeln den Vorwurf aus und dann ermöglichen sie: Umweltschutz.
Besonders die Blockchain-Technologie hat in den letzten Jahren Aufmerksamkeit erregt – nicht nur als Rückgrat von Kryptowährungen, sondern als potenzieller Schlüssel zu mehr Transparenz und Vertrauen im Umweltschutz: Von der Rückverfolgbarkeit von Emissionen bis hin zur Sicherung von Biodiversität eröffnen sich durch Blockchain neue Möglichkeiten, umweltfreundliche Maßnahmen zu unterstützen.
Viele dieser Ideen sind in einem kürzlich erschienen Forschungspapier festgehalten, das gemeinsam von Forschern von Mysten Labs und anderen Institutionen verfasst wurde. Gleichzeitig stehen solche Technologien vor erheblichen Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt, um ihr volles Potenzial im Bereich der Nachhaltigkeit zu entfalten.
Die Macht der Blockchain
Die Blockchain-Technologie hat sich in den letzten Jahren von einer Nischeninnovation zu einem wichtigen Baustein in zahlreichen Branchen entwickelt, zu denen ständig neue dazustoßen. Während ihre Ursprünge im Finanzsektor liegen, hat sie inzwischen auch im Bereich der Nachhaltigkeit und des Umweltschutzes Einzug gehalten.
Blockchain-basierte Technologien wie beispielsweise Internet-lose Transaktionsmöglichkeiten, die den Zugang zu entlegenen Regionen ermöglichen, E-Voting, DePIN und Lieferketteninfrastrukturen sind nützlich für die Art von Transparenz und länderübergreifender Zusammenarbeit, die für wirksame Nachhaltigkeitsinitiativen unerlässlich ist, aber vor Blockchain komplexer war.
Ihr Potenzial, Transparenz und Unveränderlichkeit von Daten zu gewährleisten, macht sie besonders attraktiv für Anwendungen, bei denen Vertrauen und Nachvollziehbarkeit entscheidend sind, etwa bei der Überwachung von Umweltschutzmaßnahmen oder der Verfolgung von CO2-Emissionen entlang komplexer Lieferketten.
Blockchain als Motor der Nachhaltigkeit
Ein zentraler Aspekt der Blockchain ist ihre Fähigkeit, dezentrale und manipulationssichere Datenbanken zu schaffen, die von allen Beteiligten eingesehen und überprüft werden können. Dies ermöglicht es, genaue und fälschungssichere Informationen über Umweltgüter wie Wälder, Wasserressourcen oder gefährdete Tierarten zu sammeln und zu verwalten. In einem globalen Kontext, in dem Umweltdaten oft fragmentiert und schwer zugänglich sind, bietet die Blockchain einen Weg, diese Daten zuverlässig zu erfassen und international verfügbar zu machen.
Die praktischen Anwendungen der Blockchain-Technologie sind nicht nur Theorie. Weltweit zeigen Projekte und Initiativen, wie Blockchain konkrete Fortschritte in Sachen Nachhaltigkeit ermöglicht.
Ein Beispiel ist die Tokenisierung realer Vermögenswerte (RWA), die ein enormes Potenzial für Umweltinitiativen birgt. In Bereichen wie Energie-Effizienz, CO2-Gutschriftenhandel, Naturschutz und Kreislaufwirtschaft eröffnet die Tokenisierung spannende Perspektiven. So könnte etwa der Einsatz von Blockchain zur Verwaltung und zum Handel von CO2-Gutschriften diese Märkte nicht nur transparenter und effizienter machen, sondern auch das Vertrauen in diese Systeme stärken. Dank der Blockchain bleiben die Transaktionen öffentlich, die Daten unveränderlich, und der Zugang steht allen Beteiligten offen.
Ein weiteres Beispiel für bereits realisierte innovative Blockchain-Projekte im Bereich Nachhaltigkeit ist das Internet of Forests (IoF). Hier verbinden sich Blockchain-Technologie, das Internet der Dinge (IoT) und fortschrittliche Kommunikationstechnologien. Mit dem IoF lassen sich umfassende Datenströme generieren, die zur Walderhaltung, nachhaltigen Forstwirtschaft und zum Schutz der Biodiversität beitragen.
Internet of Forest
Die gesammelten Daten ermöglichen nicht nur eine fundiertere Entscheidungsfindung, sondern fördern auch Innovationen, zum Beispiel bei der Bekämpfung von Umweltverschmutzung oder der Überwachung von Naturkatastrophen. Die Blockchain sorgt hierbei für die notwendige Rückverfolgbarkeit, Sicherheit und Konsistenz der Daten, was Vertrauen und Transparenz schafft.
Man stelle sich vor, jede Reise könnte einen digitalen 'Reisepass' erhalten, der die positiven Einflüsse auf lokale Gemeinschaften und Ökosysteme dokumentiert. Dies könnte nicht nur nachhaltiges Reisen fördern, sondern auch einen Anreiz für umweltbewusstes Verhalten schaffen. Solche Initiativen könnten dazu beitragen, die Reisekultur neu zu gestalten und einen positiven ökologischen Fußabdruck zu hinterlassen.
Proof-of-Work vs. Nachhaltigkeit: Ein Widerspruch?
Trotz dieser vielversprechenden Anwendungsfälle stößt die Blockchain-Technologie auch im Nachhaltigkeitsbereich auf Herausforderungen. Eine der drängendsten Fragen ist der hohe Energieverbrauch, insbesondere bei Blockchains, die auf einem Proof-of-Work-Konsensalgorithmus (PoW) basieren – dem Sicherheitsmechanismus, bei dem Rechenzentren komplexe Aufgaben lösen, um Transaktionen zu validieren und das Netzwerk zu schützen.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel IT-Medien GmbH, Max-Josef-Metzger-Straße 21, 86157 Augsburg, einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von Newslettern und Werbung nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung.
Dieser immense Strombedarf ist kein Zufall, sondern ein integraler Bestandteil des Sicherheitskonzepts von PoW. Schätzungen zufolge könnte das Bitcoin-Netzwerk jährlich bis zu 125 Terawattstunden (TWh) verbrauchen, was mit dem Energieverbrauch kleiner Länder vergleichbar ist. Diese Tatsache hat erhebliche Auswirkungen auf die Nachhaltigkeit, da der CO2-Fußabdruck von PoW-Blockchains oft im Widerspruch zu den Zielen des Umweltschutzes steht.
Proof-of-Stake (PoS) hingegen bietet eine Alternative. PoS ist ein Konsensmechanismus, bei dem Transaktionen durch das Halten und Staken von Kryptowährungen validiert werden, was sich als deutlich Energie-effizienter erwiesen hat. Laut einer Studie der DLT Science Foundation verbrauchen PoS-Blockchains wie Ethereum nach dem 'Merge' nur einen Bruchteil der Energie, die PoW-Systeme benötigen.
Ein Kommunikationsproblem
Mit dieser höheren Energie-Effizienz wird PoS zu einer attraktiven Alternative, insbesondere für nachhaltig orientierte Projekte. Dennoch bleibt die Herausforderung bestehen, die technologischen Unterschiede zwischen PoW und PoS der Öffentlichkeit besser zu vermitteln, um die Akzeptanz von PoS-basierten Systemen zu steigern.
Die technische Komplexität der Blockchain-Technologie und die Unsicherheiten in der Regulierung sind ebenfalls Hindernisse, die ihre Nutzung in Nachhaltigkeitsinitiativen erschweren könnten. Allerdings gibt es Ansätze, um diese Herausforderungen zu meistern.
Die Integration der Blockchain in bestehende Systeme und die Skalierung solcher Lösungen erweisen sich häufig als herausfordernd. Um eben jene Schwierigkeiten zu meistern, sind robuste, skalierbare Plattformen erforderlich, die nicht nur effizient, sondern auch benutzerfreundlich sind. Hier setzen Projekte wie „Sui“ an, die darauf abzielen, Netzwerke zu entwickeln, die speziell auf diese Anforderungen zugeschnitten sind.
Nicht zu vergessen: In vielen Ländern fehlen klare rechtliche Rahmenbedingungen, was Unternehmen davon abhalten könnte, in Blockchain-Technologien zu investieren. Doch durch die Zusammenarbeit von Regierungen, Unternehmen und internationalen Organisationen könnten ausgewogene Regulierungen geschaffen werden, die sowohl Schutz als auch Raum für Innovation bieten.
Und das bedeutet?
Die Blockchain-Technologie zeigt sich als ein vielversprechendes Werkzeug im Kampf gegen den Klimawandel und zur Förderung der Nachhaltigkeit. Von der Rückverfolgbarkeit in Lieferketten über den CO2-Handel bis hin zu innovativen Projekten wie dem Internet of Forests – die Anwendungen sind vielfältig und eröffnen neue Möglichkeiten, umweltfreundliche Maßnahmen effizienter und transparenter zu gestalten. Gleichzeitig stehen wir vor erheblichen Herausforderungen. Der hohe Energieverbrauch von Proof-of-Work-Blockchains wirft berechtigte Fragen zur Umweltverträglichkeit auf, und die technologische Komplexität sowie regulatorische Unsicherheiten erschweren die breite Anwendung.
Doch es gibt Hoffnung: Der Wechsel zu Energie-effizienteren Konsensmechanismen wie Proof-of-Stake und die Entwicklung robuster Plattformen bieten Wege, diese Hürden zu überwinden.
*Der Autor Kostas Chalkias ist Chef-Kryptograph und Co-Founder von Mysten Labs. Er leitet die kryptografische Innovation, Forschung und Entwicklung neuer Produktfunktionen. Bevor er zu Mysten Labs kam, war er leitender Kryptograph in vielen großen Technologieunternehmen, darunter Meta und R3.
Mysten Labs ist ein Team führender Experten für verteilte Systeme, Programmiersprachen und Kryptografie. Die Gründer waren zuvor leitende Angestellte von Novi Research (Meta) und führende Architekten der „Diem“-Blockchain sowie der Programmiersprache „Move“. Mysten Labs hat es sich zur Aufgabe gemacht, eine grundlegende Infrastruktur für Web3 zu schaffen.
Chalkias sagt: Für die Zukunft bleibt es entscheidend, dass Technologie, Wirtschaft und Regulierung Hand in Hand arbeiten. Nur durch diese Zusammenarbeit können wir das volle Potenzial der Blockchain nutzen, um globale Umweltprobleme anzugehen und nachhaltige Lösungen zu fördern. Die Fortschritte, die bereits erzielt wurden, geben Anlass zur Hoffnung, dass Blockchain eine Schlüsselrolle in einer nachhaltigeren Zukunft spielen könnte.