Nach den Co-Location-Verträgen gefragt - ein Nachhaken AWS: „Business as usual“ beim Ausbau von Rechenzentren

Von Dr. Dietmar Müller 3 min Lesedauer

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Ein Analystenbericht von Wells Fargo ließ aufhorchen: AWS soll vor allem 'Overseas' einige seine Co-Location-Verträge einstampfen. Doch der weltweite Rechenzentrums-Chef von AWS Kevin Miller gibt gegenüber DataCenter-Insider Entwarnung: Außer den üblichen Anpassungen an den Bedarf gebe es keine Pläne, Kapazitäten nicht auszubauen oder gar zu reduzieren.

Auf der Veranstaltung „AWS Summit“ ,kürzlich in Hamburg, hat sich Autor Dr. Dietmar Müller AWS-Datacenter-Chef Kevin Miller geschnappt und nachgehakt, wie es denn nun tatsächlich mit den Co-Location- und Ausbauplänen des Hyperscaler steht. (Bild:  hardvicore - stock.adobe.com / KI-generiert)
Auf der Veranstaltung „AWS Summit“ ,kürzlich in Hamburg, hat sich Autor Dr. Dietmar Müller AWS-Datacenter-Chef Kevin Miller geschnappt und nachgehakt, wie es denn nun tatsächlich mit den Co-Location- und Ausbauplänen des Hyperscaler steht.
(Bild: hardvicore - stock.adobe.com / KI-generiert)

Miller war kürzlich in Hamburg, auf dem „AWS Summit 2025“. Dort traf ich ihn, gerade als er seine Keynote absolviert hatte. Darin plauderte er über die jüngsten Erfolge beim Rechenzentrumsausbau, so habe man beispielsweise seit 2024 die Anzahl der Backbone-Verbindungen um 80 Prozent erweitern können. Magnet für die Kunden seien nicht zuletzt der von AWS selbst entwickelte „Inferentia“-Chip, der in „Amazon EC2“ für Inferenzanwendungen von Deep Learning (DL) und generative KI eingesetzt werde.

Der „Inferentia2“-Chip biete nochmal einen bis zu 4-mal höheren Durchsatz und eine bis zu 10-mal niedrigere Latenzzeit als der Inferentia der ersten Generation. Inferentia2-basierte „Amazon-EC2-Inf2-Instances“ seien ebenfalls für die skalierbare Bereitstellung zunehmend komplexer Modelle wie große Sprachmodelle (LLM) und latenter Diffusionsmodelle optimiert.

Solche Instances seien zudem in der Lage, die skalierbare verteilte Inferenzen mit „Ultra-Hochgeschwindigkeitskonnektivität“ zwischen Chips zu unterstützen. Zu den Kunden zähle unter anderem auch die Deutsche Telekom, die gerade Inf2-Instances für ihre DL- und generativen KI-Anwendungen einführe.

Dunkle Wolken über Hamburg

Doch der Verweis auf jüngste Erfolge in Sachen KI konnte die dunklen Wolken über Hamburg nicht vertreiben, die kürzlich ein Bericht von „NBC News“ mit Berufung auf Analysten von Wells Fargo mit sich gebracht hatte. Darin hieß es unter anderem, dass AWS einen Teil seiner Leasing-Gespräche im Bereich Co-Location (insbesondere international) pausiert habe. Auch wolle das Unternehmen seine Zusagen für einige Co-Location-Einrichtungen nicht mehr einhalten.

Miller will davon im Gespräch mit Datacenter-Insider nichts wissen: „Eines ist klar: Wir bauen unsere Kapazitäten weltweit weiter aus“, erklärte Miller. „Wir versuchen jedoch nie, alles auf eine Karte zu setzen und nur an einem einzigen Ort zu expandieren. Es kann ja sein, dass wir ein Stück Land zur Verfügung stehen hätten, das wir nicht mit Strom versorgen können, oder dass wir zwar den Strom haben, aber nicht das richtige Stück Land dafür.“

Für den globalen Datacenter-Verantwortlichen ist klar, dass beim Bau eines neuen Rechenzentrums drei Dinge von höchster Bedeutung seien: „Man braucht Strom, Genehmigungen und ein Grundstück. Alle drei müssen also an der richtigen Stelle zusammenkommen, um ein Rechenzentrum zu bauen. Wir prüfen immer mehrere Optionen, und entscheiden dann, wo wir expandieren werden. Das stellt sicher, dass wir uns alle Möglichkeiten offenhalten. Funktioniert eine davon nicht, können wir auf einen Ausweichplan zurückgreifen.“

Miller weiter: „Nehmen wir an, wir haben drei Optionen - und stellen dann fest, dass eine davon perfekt ist. Dann müssen wir zu den anderen beiden gehen und sagen, dass wir das jetzt nicht brauchen, vielleicht aber später. Oft geht es bei unseren Gesprächen darum, dass wir nicht zu diesem Zeitpunkt, aber möglicherweise in ein paar Jahren expandieren wollen - und dass wir erst dann weiter diskutieren oder an der langfristigen Entwicklung eines bestimmten Bereichs arbeiten sollten.“

Business as usual

AWS richte sich beim Rechenzentrumsausbau ständig nach der Kundennachfrage – und alle globalen Aktivitäten in Sachen Rechenzentrumsbau betrachtet, werde man nicht langsamer. Es herrsche vielmehr „Business as usual“.

Seiner Meinung nach haben die Marktbeobachter von Wells Fargo etwas missinterpretiert: „Ich vermute, dass einige Analysten genau diese Standardaktivitäten beobachtet haben, bei denen wir uns bestimmte Bereiche angesehen und gesagt haben, wir benötigen aktuell nicht so viel Kapazität beziehungsweise wir sind ausreichend eingedeckt und brauchen keine weitere Option.“

Es sei alltäglich und ganz normal, viele Optionen zu prüfen, um Kapazitäten zu erweitern: „Wir haben für alle Regionen ein reges Team und im Moment wahrscheinlich 200 verschiedene Optionen, die wir prüfen. Grundsätzlich passen wir uns ständig an das Marktgeschehen an.“

Wahr sei aber auch, „dass es Fälle gab, in denen wir eine Option identifiziert hatten und sagten, dass wir diese Kapazität im Moment nicht brauchen.“ Manchmal sei die Marktlage eben so, sie könne sich aber in zwei oder drei Jahren ändern, „und dann haben wir das Timing sozusagen gemanagt, weil es natürlich sehr teuer ist, Kapazitäten zu haben, die man nicht nutzt.“

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