Mesosphere hat das Datacenter-Betriebssystem

Virtualisierung war gestern. DCOS taugt besser.

| Autor / Redakteur: Ariane Rüdiger / Ulrike Ostler

„MesOS bekommt nun Funktionen für Stateful-Anwendungen“, so Michael Hausenblas, Developer Evangelist bei Mesosphere.
„MesOS bekommt nun Funktionen für Stateful-Anwendungen“, so Michael Hausenblas, Developer Evangelist bei Mesosphere. (Bild: Mesosphere)

Betriebssyssteme sollen zukünftig ganze Umgebungen oder Rechenzentren automatisieren. Eines ist „DCOS“ von Mesosphere. Es basiert auf Apache MesOS, ist aber für den Unternehmenseinsatz optimiert. Ariane Rüdiger sprach mit Michael Hausenblas, Developer Evangelist bei Mesosphere, über Vor- und Nachteile, Anwendungsfelder und die Weiterentwicklung von DCOS.

Warum braucht man überhaupt Betriebssysteme für das ganze Rechenzentrum?

Michael Hausenblas: Es geht vor allem darum, schneller und flexibler zu werden. Für einen Entwickler sieht eine Umgebung unter DCOS aus wie ein Mainframe. Man muss sich nicht mehr um Netzwerke, Zuweisungen und so weiter kümmern, sondern greift darauf zu wie auf eine lokale Umgebung. Für Entwickler bedeutet das, dass sie sich auf die Business-Logik konzentrieren können statt auf Infrastrukturprozesse.

In welchem Umfeld setzt man so ein System am besten ein?

Michael Hausenblas: DCOS oder MesOS kommen für Startups oder Firmen mit hauptsächlich Cloud-nativen Applikationen in Betracht. Wir haben aber auch Kunden aus der Telekommunikation und dem Finanzbereich, die eine DCOS-Umgebung on premise betreiben.

Der andere Sektor ist Big Data und IoT, also Dinge wie Spark, Cassandra oder Kafka, wo es darum geht, schneller als bisher Daten-Pipelines aufzubauen oder Experimente durchführen zu können. Das dauert bei statischer Allokation der Maschinen zu lange, unter MesOs respektive DCOS ist aber alles dynamisch.

Wie kam es zur Entwicklung von DCOS?

Michael Hausenblas: MesOS wird schon einige Jahre lang von Internet-Startups wie Twitter, AirBNB und anderen eingesetzt. 2013 haben einige der MesOS-Entwickler darüber nachgedacht, auch eine Version als Produkt herauszubringen, und diese Idee dann realisiert.

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08.12.14 - Mesosphere bringt heute mit „DCOS“ eine Plattform und API für Applikationen und Services auf den Markt, die Datacenter behandeln, als ob sie ein einziger Server wären. Geldgeber sehen Chancen. Das Unternehmen konnte jetzt in der dritten Finanzierungsrunde 36 Millionen Dollar einheimsen. Der Kern der Mesosphere-Technologie läuft bereits auf einigen der größten Sites, darunter Twitter, Airbnb und Hubspot. lesen

Wie groß ist Ihr Unternehmen heute und wie verdienen Sie Ihr Geld?

Michael Hausenblas: Mesosphere hat in drei Finanzierungsrunden rund 48 Millionen Dollar Venture-Capital generiert und befindet sich in Privatbesitz. Wir sind rund 150 Mitarbeiter, vor allem im Silicon Valley, aber auch 30 in Hamburg, einige in Berlin und fünf bis zehn in New York. Unser Geld verdienen wir mit der kostenpflichtigen Enterprise-Version von MesOS, eben DCOS.

Es gibt vielleicht zwölf große Unternehmen weltweit, die das benutzen, etwa Verizon USA. Dazu kommen noch viele kleinere Firmen, die mit der kostenlosen Community-Edition in der Cloud arbeiten und zehn bis hundert Knoten betreiben.

Mit wem sehen Sie sich im Wettbewerb? Auch mit Herstellern von so genannter Composable Infrastructure, wie sie etwa HP mit Synergy herausgebracht hat, oder mit hyperkonvergenten Lösungen?

Michael Hausenblas: Zu den Produkten von HP kann ich nichts sagen, weil ich mich darüber nicht informiert habe, wobei wir eng mit dem Hersteller kooperieren. Hyperkonvergente Lösungen habe ich nie als unsere Konkurrenten betrachtet, ich finde, mit ihrem Konzept, alle Infrastrukturkomponenten in eine Hardware zu integrieren, tun sie fast das Gegenteil von DCOS. Am ehesten könnte man noch CentOS mit Tectonic oder auch Docker Inc. hinsichtlich des Umgangs mit Containern mit uns vergleichen, aber im Grunde sind wir einmalig.

Wieso?

Michael Hausenblas: CentOS hat sich auf Kubernetes als Framework oder Service festgelegt, für uns ist Kubernetes nur eines von 40 Frameworks, die wir unterstützen, und es werden immer mehr. Wir arbeiten diesbezüglich mit sehr vielen Partnern zusammen, zum Beispiel mit Cisco, das etwa das Search Framework für MesOS anbietet, oder mit Microsoft.

Auch verteilte Filesysteme oder Big-Data-Anwendungen gibt es als MesOS/DCOS-Framework. Unser System erledigt eigentlich auf Basis des MesOS-Linux-Kernel nur die Ressourcen-Abstraktion und bietet den Frameworks, die für die einzelnen Aufgaben zuständig sind, die nötigen Schnittstellen. Dieses Frameworks werden von uns zertifiziert, so dass sich Anwender auf eine gewisse Qualität verlassen können.

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