Wasserkühlung und Expansionskurs

Das erste deutsche OVH-Datacenter steht in Limburg

| Autor / Redakteur: DataCenter-Insider / Ulrike Ostler

Jens Zeyer, bei OVH Germany zuständig für Marketing & PR Executive , erläutert die Eigenheiten des Limburger Rechenzentrums.
Jens Zeyer, bei OVH Germany zuständig für Marketing & PR Executive , erläutert die Eigenheiten des Limburger Rechenzentrums. (Bild: OVH)

Anfang Juli 2017 hat OVH sein erstes deutsches Datacenter in Limburg (Nähe Frankfurt) eröffnet. Im Interview mit DataCenter-insider geht Jens Zeyer, Marketing & PR Executive bei OVH Germany, auf die Besonderheiten des Rechenzentrums ein.

Nach der Installation der Elektrik, der Anbindung an das OVH-eigene Glasfasernetz sowie der Installation einer unterbrechungsfreien Stromversorgung (USV) wurde in den letzten Wochen vor der Eröffnung das von OVH selbst entwickelte Kühlsystem in dem Rechenzentrum angebracht. Ende Juni konnten die ersten „Discover“-Angebote vorbestellt werden, diese dienen dazu, den Kunden RZ-Leistungen quasi zum Ausprobieren bereitzustellen, nun werden sukzessive alle Produktwelten von OVH auch in Limburg verfügbar sein.

Die „Discover Offers“ sind exklusive Angebote für den deutschen Markt. So können Unternehmen bereits vor Verfügbarkeit des gesamten OVH Portfolios die Infrastruktur im ersten deutschen OVH Rechenzentrum testen: Dedicated Server mit einem Intel Xeon Prozessor „E3-1245v6“, 32 Gigabyte RAM sowie einer 2x 2 Terabyte SAS Festplatte oder einer 2x 450 Gigabyte NVMe Festplatte, gibt es ab rund 60 Euro im Monat. Bei allen Services ein DDoS-Schutz inklusive.

Warum hat sich OVH für den Standort Deutschland entschieden?

Jens Zeyer: Sowohl von Kunden als auch von Interessenten gab und gibt es eine hohe Nachfrage nach einem deutschen Rechenzentrum. Das hat aus meiner Sicht unter anderem folgende Gründe: Deutschland ist die größte Volkswirtschaft der Europäischen Union. Es gibt weitreichende Datenschutzvorschriften und das Stromnetz funktioniert zuverlässig. Insbesondere die sichere Stromversorgung ist einer der wichtigsten Punkte bei der Planung eines neuen Rechenzentrums.

Somit hat die Eröffnung unseres Rechenzentrums in Limburg eine große Bedeutung in der Expansionsstrategie von OVH: Unser Zielmarkt hier ist der deutsche Mittelstand, aber auch der Enterprise-Markt. Mit Villeroy & Boch konnten wir beispielsweise eines der bekanntesten deutschen Traditionsunternehmen in Konzerngröße als Kunden gewinnen. Darüber hinaus adressieren wir insbesondere auch solche Unternehmen, die auf Basis ihrer digitalen Infrastruktur wie E-Commerce-Plattformen oder Big Data ihr Business betreiben und einen deutschen Server-Standort bevorzugen.

Welche technischen Besonderheiten weist das Rechenzentrum in Limburg auf?

Jens Zeyer: Auf einer Fläche von 4.000 Quadratmeter sollen langfristig bis zu 45.000 Server beherbergt werden. Das Rechenzentrum ist an zwei verschiedene Netzanschlusspunkte in 200 beziehungsweise 800 Metern Entfernung angebunden. Über diese Netzanschlusspunkte erfolgt sowohl die Anbindung an den OVH Backbone als auch an den wichtigen Point of Presence in Frankfurt.

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Limburg ist etwa 100 Kilometer von der Bankenmetropole entfernt - für Daten damit weniger als eine Millisekunde. Dank dem weltweiten Netz von OVH (mit einer Kapazität von 11 terabit pro Sekunde sind die Nutzer ab Frankfurt durch redundante Routen mit den Hauptpunkten des Internets nach Zentral- und Osteuropa verbunden.

Für eine zuverlässige Stromversorgung sorgt nicht nur das nahe Umspannwerk, sondern auch eine unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) mit Batteriebetrieb und Diesel-Aggregat. Diese Kombination erlaubt im Fall eines Stromausfalls einen nahezu unterbrechungsfreien Übergang zwischen Normal- und Notbetrieb. Die gesamte Energie- und Netzwerk-Infrastruktur vor Ort ist damit redundant angelegt. Insgesamt stehen bis zu 4 Megawatt für die Server zur Verfügung.

Was tut OVH für die Energie-Effizienz im deutschen Rechenzentrum?

98 Prozent der Hosting-Säle von OVH funktionieren ohne Klima-Anlagen. Wasserkühlung erlaubt es, bis zu 70Prozent der Abwärme des Prozessors abzuleiten. Per Luftkühlung wird die verbliebenen 30 Prozent ausgeleitet.
98 Prozent der Hosting-Säle von OVH funktionieren ohne Klima-Anlagen. Wasserkühlung erlaubt es, bis zu 70Prozent der Abwärme des Prozessors abzuleiten. Per Luftkühlung wird die verbliebenen 30 Prozent ausgeleitet. (Bild: OVH)

Jens Zeyer: Mit dem OVH Watercooling-System, das ist eine Flüssigkeitskühlung für Server, die auch in allen anderen Rechenzentren eingesetzt wird, sorgen wir für einen Betrieb ohne Energie-intensive Luftkühlung – Klima-Anlagen sind nicht erforderlich.

Unser System, eine Eigenentwicklung, funktioniert folgendermaßen: Die Flüssigkeitskühlung befindet sich im Innern der Server. Sie wird an Wärme-intensiven Komponenten (wie Prozessoren) vorbei geleitet und nimmt dabei etwa 70 Prozent der Hitze auf. Die erwärmte Flüssigkeit, die eine sehr viel höhere Wärmeleitfähigkeit als Luft aufweist, wird anschließend aus den Gehäusen gepumpt und nach außen abgeführt. Installierte Wärmetauscher sorgen dort dafür, dass sie wieder abkühlt. Dafür haben wir viele Kilometer an Schläuchen und Rohren verbaut. Auch dieses System ist komplett redundant konzipiert und nutzt zur Pumpensteuerung abwechselnd mehrere Geräte.

Für unser Kühlsystem sind lediglich geringe Mengen an Energie notwendig. Das Rechenzentrum in Limburg erzielt insgesamt einen PUE-Wert (Indikator für die energetische Wirksamkeit eines Rechenzentrums) von 1 bis 1,2.

Klima-Anlagen sind bei OVH nicht erforderlich; das schlägt sich in der Energie-Effizienz nieder.
Klima-Anlagen sind bei OVH nicht erforderlich; das schlägt sich in der Energie-Effizienz nieder. (Bild: OVH)

Warum hat OVH auf ein bestehendes Gebäude für das Rechenzentrum gesetzt?

Jens Zeyer: OVH hat in der Vergangenheit meistens auf vorhandene Gebäude gesetzt, um diese dann in ein Rechenzentrum umzubauen. Somit besitzt OVH auf dem Gebiet der „Gebäuderevitalisierung“ eine große Expertise. In Kanada wurde beispielsweise eine alte Aluminiumfabrik aufgekauft und zu einem Datacenter umgebaut.

Zudem möchten wir, wenn wir ein Rechenzentrum bauen, dass die Region ebenfalls profitiert – im Falle des deutschen Datacenters ist das die Region Limburg-Weilburg. Mit dieser Philosophie bilden wir im Wettbewerb eine absolute Ausnahme.

Welche weiteren Pläne verfolgt OVH?

Jens Zeyer: Im Herbst 2016 startete OVH seine internationale Expansionsphase mithilfe von 250 Millionen Euro Wachstumskapital der Investoren KKR und Towerbrook. Mit der jüngsten Unterstützung verschiedener Banken in Höhe von 400 Millionen Euro können wir unser weltweites Wachstum fortsetzen (siehe auch: Kasten: Der Fünf-Jahres-Plan von OVH sieht Investitionen in Höhe von insgesamt 1,5 Milliarden Euro vor, darunter die Finanzierung von sieben bis Ende 2017 geplanten Rechenzentren. Die Umsetzung des Plans läuft bereits an und erste Erfolge wurden mit den Eröffnungen von Datacentern in Deutschland, Australien, Singapur und Polen erzielt. Vor wenigen Tagen wurde darüber hinaus unser Rechenzentrum in London eröffnet.

In Deutschland erleben wir eine zunehmend stärkere Nachfrage nach deutschen Rechenzentren, daher sind hier neben dem Datacenter in Limburg zwei weitere Rechenzentren geplant.

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