Am 31. März 2025 endet die nächste wichtige Datacenter-relevante Frist des Energie-Effizienzgesetzes, abgekürzt: EnEfG. Dieses war im November 2023 in Kraft getreten. Welches Bild ergibt sich bei den Rechenzentrumsbauern und -betreibern, die die darin enthaltenen Regulierungen umsetzen müssen?
„Der Countdown läuft“, mahnt Martin Weber von Prior1. Betreiber von Rechenzentren sollten die Zeit nutzen, um ihr Rechenzentrum EnEfG-fit zu machen.
(Bild: Prior1)
Bis Ende März müssen Rechenzentren ab 500 Kilowatt nicht-redundanter Nennanschlussleistung spätestens ihre Kennzahlen und Verbrauchsdaten für das Jahr 2024 an das Energie-Effizienzregister melden. Die praktische Erfahrung aus über einem Jahr Beratungstätigkeit im Bereich EnEfG zeigt: Bei vielen Rechenzentren besteht noch Handlungsbedarf bei der Umsetzung der gesetzlichen Anforderungen. Dabei bietet das EnEfG auch Chancen, den Rechenzentrumsbetrieb zukunftsfähig und nachhaltig aufzustellen.
Das Energie-Effizienzgesetz stellt deutsche Rechenzentren seit seiner Einführung im November 2023 vor zusätzliche Herausforderungen. Eine Analyse der bisherigen Umsetzungspraxis zeigt: Die technischen und organisatorischen Anforderungen sind erheblich - von der detaillierten Energiedatenerfassung über die Einführung von Umwelt- oder Energie-Management-Systemen bis zur Nutzung erneuerbarer Energien. Insbesondere die Einhaltung der in naher Zukunft vorgeschriebenen Effizienzkennwerte (in Form des PUE-Wertes) erfordern bei vielen Bestandsrechenzentren umfassende Modernisierungsmaßnahmen.
Zentrale Herausforderungen des EnEfG in der Praxis
Die erste Hürde für viele Betreiber liegt bereits in der Feststellung, ob ihr Rechenzentrum überhaupt unter das EnEfG fällt. Entscheidend ist die nicht-redundante elektrische Nennanschlussleistung - ein Kriterium, das in der Praxis oft Interpretationsspielraum lässt. Insbesondere in mischgenutzten Gebäuden, wo Rechenzentren nur einen Teil der Infrastruktur darstellen, gestaltet sich diese Bewertung komplex.
Die Energiedatenerfassung erweist sich als zweite große Herausforderung. Ein gesetzeskonformes Energie-Monitoring erfordert mehrere Komponenten:
Lückenlose Erfassung aller relevanten Verbrauchsdaten - Das bedeutet, dass sämtliche Energieströme im Rechenzentrum kontinuierlich gemessen und dokumentiert werden müssen, von der Gesamtenergie über die IT-Last bis hin zu dem Energiebedarf der Klima- und Kältetechnik. Dies erfordert oft die Installation zusätzlicher Messpunkte und Sensoren.
Korrekte Berechnung der geforderten Kennzahlen - Das setzt voraus, dass die erfassten Rohdaten nach den gesetzlichen Vorgaben ausgewertet werden. Besonders die exakte Bestimmung des PUE-Werts erfordert eine präzise Abgrenzung zwischen IT-Energie und Infrastrukturenergie und in mischgenutzten Gebäuden zusätzlich zu nicht Datacenter-relevanten Verbrauchern.
Systematisches Berichtswesen für die jährliche Meldepflicht - Dieses muss gewährleisten, dass die Daten nicht nur erfasst, sondern auch termingerecht in das vorgeschriebene Format des Effizienzregisters überführt werden können. Dies erfordert oft neue Prozesse und Verantwortlichkeiten.
Energie-Effizienz als Kernherausforderung - Besondere Bedeutung kommt der Energie-Effizienz zu: Die ab 2027 geltenden PUE-Grenzwerte werden von vielen Bestandsrechenzentren derzeit nicht erreicht. Die notwendigen Infrastrukturanpassungen zur Verbesserung der Energie-Effizienz erfordern meist:
Umfangreiche technische Analysen - Eine fundierte Ist-Analyse der bestehenden Infrastruktur bildet die Basis für alle weiteren Maßnahmen. Sie umfasst die detaillierte Erfassung und Bewertung sämtlicher energierelevanter Komponenten. Ein besonderes Augenmerk wird hierbei auf die Klima- und Kältetechnik gelegt, da sie in der Regel den höchsten Energiebedarf in der versorgenden Datacenter-Infrastruktur und damit das größte Potenzial zur Optimierung darstellt.
Detaillierte Modernisierungsplanung - Auf Basis der Analyse-Ergebnisse erfolgt eine systematische Modernisierungsplanung. Diese berücksichtigt verschiedene technische Optionen und deren Wirtschaftlichkeit: von der Optimierung bestehender Anlagen durch den Anforderungen und Best Practices entsprechende Einregulierung bis hin zum vollständigen Austausch von Systemkomponenten. Entscheidend ist dabei die Integration der Maßnahmen in den laufenden Betrieb unter Berücksichtigung der vorgegebenen Verfügbarkeitsanforderungen.
Erhebliche Investitionen in die Infrastruktur - Neben der reinen Anlagentechnik müssen oft auch Monitoring-Systeme und teilweise auch die bauliche Infrastruktur angepasst werden.
Unterm Strich
Die Erfahrung zeigt:
Kein bisher begleitetes Rechenzentrum erfüllt bereits alle Anforderungen des EnEfG vollständig.
Dies betrifft Betreiber quer durch alle Branchen. Besonders die Energie-Effizienz der Anlagen sowie die technische Infrastruktur für das geforderte Energie-Monitoring und die organisatorischen Strukturen für ein systematisches Energie-Management weisen häufig noch Lücken auf.
Stand: 08.12.2025
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Drängende Fristen erfordern zeitnahes Handeln
Das EnEfG definiert einen klaren Zeitplan für die Transformation der deutschen Rechenzentrumslandschaft. Die gesetzlichen Stichtage setzen Betreiber dabei unter erheblichen Zeitdruck, da parallel mehrere Anforderungen erfüllt werden müssen: Von der Einführung eines Energie-Management-Systems über die Umstellung auf erneuerbare Energien bis hin zur Einhaltung strenger Effizienzwerte. Die nächsten wichtigen Fristen müssen bereits in wenigen Wochen erfüllt werden, während andere Vorgaben einen Transformationspfad bis 2030 haben. Hier ein systematischer Überblick über die wichtigsten Termine:
Energiedatenmeldung 2024:
Große Rechenzentren ab 500 kW nicht-redundanter elektrischer Nennanschlussleistung müssen ihre vollständigen Kennzahlen und Verbrauchsdaten für das Berichtsjahr 2024 bis zum 31. März 2025 an das Rechenzentrumsregister übermitteln
Für Rechenzentren zwischen 300 und 500 kW endet die Meldefrist für die Daten des vergangenen Kalenderjahres am 1. Juli 2025.
Energie-Management und erneuerbare Energien:
Seit Januar 2024 müssen mindestens 50 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien stammen.
Bis Mitte 2025 ist ein zertifiziertes Energie-Management-System nach ISO 50001 oder ein EU-konformes Umwelt-Management-System zu implementieren.
Die externe Zertifizierung beziehungsweise Validierung eines vorgenannten Management-Systems für öffentliche oder größere Rechenzentren muss bis 1. Januar 2026 erfolgen.
Ab Januar 2027 ist die vollständige Versorgung aller Rechenzentren mit elektrischer Energie aus erneuerbaren Quellen vorgeschrieben.
Effizienzanforderungen Für Bestandsrechenzentren (in Betrieb vor 1. Juli 2026):
Ab Juli 2027: Nachweis eines PUE-Werts von maximal 1,5
Ab Juli 2030: Verschärfung auf einen PUE-Wert von maximal 1,3
Für neue Rechenzentren (Inbetriebnahme ab 1. Juli 2026): PUE-Wert von maximal 1,2, der spätestens zwei Jahre nach Inbetriebnahme erreicht werden muss
Diese Termine setzen vor allem jene Betreiber unter Druck, die noch keine ausreichende Infrastruktur für ein detailliertes Energie-Monitoring nutzen. Die Planung, Beschaffung, Installation und Inbetriebnahme der erforderlichen Messtechnik, die Implementierung von Erfassungssystemen sowie die Etablierung der notwendigen Prozesse benötigen erfahrungsgemäß mehrere Monate Vorlaufzeit. Zudem folgt daraufhin zunächst der notwendige Messzeitraum, bis die entsprechenden Jahreskennzahlen gebildet werden können.
Darüber hinaus macht die Erfüllung der PUE-Grenzwerte bei vielen Bestandsrechenzentren umfangreiche Modernisierungsmaßnahmen notwendig, die ebenfalls frühzeitig geplant werden müssen.
Strukturiertes Vorgehen ist der Schlüssel zum Erfolg
Die Umsetzung der EnEfG-Anforderungen erfordert ein systematisches Vorgehen. Auf Basis der Prior1 Beratungserfahrung hat sich ein mehrstufiger Ansatz bewährt:
1. Status-Quo ermitteln
Für eine erfolgreiche Umsetzung der EnEfG-Anforderungen ist zunächst eine gründliche Bestandsaufnahme notwendig. Sie umfasst die Untersuchung der vorhandenen technischen Infrastruktur, der bestehenden Energiemesstechnik mit ihren Erfassungsmöglichkeiten sowie der bereits implementierten Management- und Dokumentationssysteme.
Auch bereits umgesetzte Energie-Effizienzmaßnahmen sollten in dieser Phase erfasst werden. Eine anschließende Gap-Analyse macht deutlich, in welchen Bereichen konkrete Anpassungen erforderlich sind, um die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen.
2. Maßnahmen priorisieren
Im zweiten Schritt gilt es, die identifizierten Handlungsfelder in einen konkreten Umsetzungsplan zu überführen. Die Priorisierung muss dabei die gesetzlichen Fristen und deren zeitliche Staffelung ebenso berücksichtigen wie die technischen Abhängigkeiten zwischen den einzelnen Maßnahmen. Auch die verfügbaren Ressourcen, Budgets und betrieblichen Rahmenbedingungen fließen in diese Planung ein.
Besonders wichtig ist die Berücksichtigung der notwendigen Vorlaufzeiten: Die Erfahrung zeigt, dass vor allem die Implementierung von Energie-Management-Systemen und größere infrastrukturelle Anpassungen einige Monate an Planungs- und Umsetzungszeit benötigen.
Nachhaltige Optimierung rechnet sich
Die Investitionen in Energie-Effizienz können sich durchaus rechnen: Ein typisches mittelgroßes Rechenzentrum mit 500 Quadratmetern IT-Fläche verursacht Stromkosten von etwa 1,3 Millionen Euro pro Jahr. Hier bieten Effizienzmaßnahmen erhebliche Einsparpotenziale, die angesichts steigender Energiekosten zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Diese Optimierungspotenziale betreffen einen wachsenden Kreis von Branchen. Während traditionell IT und Telekommunikation den Rechenzentrumsmarkt dominieren, gewinnen Sektoren wie Banken, Finanzdienstleistungen und Versicherungen (BFSI), Gesundheitswesen und E-Commerce zunehmend an Bedeutung. Diese Branchen, die oft besonders hohe Anforderungen an Verfügbarkeit und Leistung stellen, stehen nun vor der zusätzlichen Herausforderung, ihre digitale Infrastruktur EnEfG-konform weiterzuentwickeln.
Herausforderungen als Chance
Das EnEfG stellt Rechenzentrumsbetreiber vor komplexe Herausforderungen. Die Praxis zeigt jedoch: Mit einem strukturierten Vorgehen sind diese beherrschbar. Die Transformation zu einem Energie-effizienten Rechenzentrum ist dabei nicht nur eine gesetzliche Notwendigkeit, sondern auch eine strategische Chance. Wer jetzt handelt, kann den Umstellungsprozess aktiv gestalten und die eigene Infrastruktur zukunftssicher aufstellen.
Entscheidend ist, zeitnah mit der Umsetzung zu beginnen. Die nächsten wichtigen Fristen enden bereits in wenigen Wochen und Monaten, und die Erfahrung zeigt, dass die notwendigen technischen und organisatorischen Anpassungen Vorlaufzeit benötigen. Besonders die Installation zusätzlicher Messtechnik, die Implementierung von Energie-Management-Systemen und die Optimierung der PUE-Werte erfordern eine sorgfältige Planung.
Die Investitionen in mehr Energie-Effizienz zahlen sich dabei mehrfach aus: durch niedrigere Betriebskosten, bessere Compliance und nicht zuletzt durch einen nachhaltigeren Rechenzentrumsbetrieb. Der Countdown läuft. Betreiber von Rechenzentren sollten die Zeit nutzen, um ihr Rechenzentrum fit für die Zukunft zu machen.
*Der Autor Martin Weber ist Berater bei Prior1. Das 80 MitarbeiterInnen starke, inhabergeführte Unternehmen mit Hauptsitz in Sankt Augustin sowie weiteren Niederlassungen in Berlin, Karlsruhe, München und Weitefeld hat sich nicht nur auf die Planung, den Bau, die Wartung und die Ausstattung von Rechenzentren und Serverräumen spezialisiert. Vielmehr hilft es auch, wenn es um Betriebsoptimierungen und Strategien bezüglich Outsourcing und Co-Location geht. Netzwerkplanungen und -verkabelung, Zertifizierungen wie Blauer Engel oder verschiedene Workshops zu Energie-Effizienzanalysen oder umfassender Datacenter-Check gehören ebenso in das Aufgabengebiet.