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Geschützt und gefangen Was ist ein Vendor Lock-in?

Von Manuel Masiero 2 min Lesedauer

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Sind Unternehmen für ihre technischen Anforderungen ganz oder zum großen Teil von einem bestimmten Anbieter abhängig geworden, spricht man von einem Vendor Lock-in. Sich aus dieser Abhängigkeit zu befreien, ist mitunter nicht einfach.

Open-Source-Technik und der Einsatz modularer Systeme sind Strategien, mit denen sich Unternehmen aus der Abhängigkeit eines Anbieters lösen können. (Bild:  frei lizenziert: Alexas_Fotos /  Pixabay)
Open-Source-Technik und der Einsatz modularer Systeme sind Strategien, mit denen sich Unternehmen aus der Abhängigkeit eines Anbieters lösen können.
(Bild: frei lizenziert: Alexas_Fotos / Pixabay)

Ein Vendor Lock-in bezeichnet die Situation, bei der ein Kunde stark von den Produkten oder Dienstleistungen eines Anbieters abhängig ist. Damit entsteht der unangenehme Effekt, sich beim Anbieter „wie eingesperrt“ zu fühlen. Ein Vendor Lock-in macht es in der Folge schwierig und/oder kostspielig, zu einem anderen Anbieter zu wechseln.

Ein Vendor Lock-in entsteht, wenn die (Software-)Produkte eines Anbieters gut beim Kunden funktionieren und dieser sie um Produkte vom gleichen Anbieter ergänzt, die optimal mit den Ausgangsprodukten harmonieren und damit zusätzliche Arbeitserleichterungen mit sich bringen.

Gründe für den Lock-in

Von Seiten des Herstellers wird der Vendor-Lock-in-Effekt häufig durch den Einsatz proprietärer Technologien erreicht, etwa durch eigene Formate, Schnittstellen oder Protokolle. Diese funktionieren innerhalb des Hersteller-eigenen IT-Ökosystems hervorragend, sind aber nicht oder nur in geringem Umfang kompatibel mit den Produkten der Konkurrenz. Scheuen sie den Wechselaufwand, bleibt den Kunden fast nichts anderes mehr übrig, als weiterhin auf die Produkte dieses Herstellers zu setzen. Auch beim Cloud Computing kann es zu einem Vendor Lock-in kommen, der dann folgerichtig als Cloud Lock-in bezeichnet wird.

Ein bekannter Anbieter, der mit seinen Produkten einen Vendor Lock-in-Effekt erzielt, ist Apple. Durch die enge Verzahnung von Hardware, Apps, Cloud-Diensten sowie dem hauseigenen Betriebssystem MacOS mitsamt seinen Smartphone- und Tablet-Ablegern „iOS“ beziehungsweise „iPadOS“ erreicht der Hersteller eine starke Kundenbindung. Ganz so dicht ist das Ökosystem-Netz mittlerweile nicht mehr gewebt, denn durch den ab Herbst 2024 von der EU vorgeschriebenen USB-C-Anschluss für Smartphones, Tablets und Kamera musste Apple von seinem proprietären Lightning-Anschluss für Mobilgeräte Abstand nehmen.

Neben dem Einsatz proprietärer Technologien kann ein Vendor Lock-in durch verschiedene andere Faktoren entstehen. So können hohe Wechselkosten gegen einen Umstieg sprechen, etwa weil dafür neue Software gekauft werden muss oder dann eine komplizierte Datenmigration ansteht. Mitunter sind es auch schlichtweg vertragliche Bindungen, die einen Wechsel ausschließen, sei es laufzeitbedingt oder durch spezielle Klauseln.

Vermeide-Strategien

Ein Vendor Lock-in kann sich durch eine Reihe von Maßnahmen vermeiden lassen. Dazu zählen unter anderem die folgenden Punkte:

  • Offene Standards und APIs: Technologien und Plattformen, die auf offenen Standards basieren, können nicht nur eine kostengünstige Alternative darstellen, sondern auch den Wechsel zwischen verschiedenen Anbietern erleichtern.
  • Modulare Systeme: Modulare Systeme ermöglichen es, einzelne Komponenten unabhängig voneinander zu wechseln.
  • Multicloud-Strategie: Verteilen von Anwendungen und Workloads auf mehrere Clouds statt nur eine, um die Abhängigkeit vom Anbieter zu reduzieren.
  • Hohe Portabilität der Anwendungen: Im Idealfall lassen sich Anwendungen leicht von einer Plattform auf eine andere migrieren. Das lässt sich beispielsweise durch den Einsatz von Docker-Containern und Orchestrierungs-Tools wie „Kubernetes“ erreichen.
  • Vertragsprüfung: Verträge sollten auf Klausen überprüft werden, die einen Wechsel erschweren. Sind die Bedingungen für einen Vertragswechsel und Datentransfer ungünstig, sollten bessere ausgehandelt werden.

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