Die eigenen Geschäftsprozesse mit denen anderer Unternehmen intelligent zu verzahnen, ist speziell für KMUs in einem zunehmend digitalisierten und globalisierten Marktumfeld zentral wichtig, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Doch wie nur?
Im besten Fall läuft alles wie bei Zahnrädern, die ineinander greifen. Doch gerade im Mittelstand droht Sand das Getriebe aus B2B-Prozessen schnell zu zerlegen.
(Bild: Freepik)
Kleine und mittelständische Unternehmen haben oftmals deutlich schlankere Kostenstrukturen als Großunternehmen. Diesen Vorteil können sie aber nur dann ausspielen, wenn sie zugleich die Erwartungen ihrer Kunden an schnelle, transparente und flexible Prozesse erfüllen. Besonders in der Lieferkette spielen Echtzeitdaten und schnelle Reaktion auf Kundenanforderungen eine entscheidende Rolle.
An diesem Punkt kommt B2B-Integration beziehungsweise der digitale Informationsaustausch zwischen Unternehmen ins Spiel. Er ist der Schlüsselfaktor für eine reibungslose Zusammenarbeit zwischen Geschäftspartnern und damit für Effizienzsteigerung, Kostensenkung und Wettbewerbsfähigkeit. Der Artikel beleuchtet sowohl die organisatorischen als auch die technischen Aspekte für eine erfolgreiche B2B-Integration.
Organisatorische Aspekte der B2B-Integration
Ein wesentlicher Bestandteil der B2B-Integration ist die organisatorische Vorbereitung. Unternehmen müssen sicherstellen, dass ihre internen Prozesse auf den externen Austausch mit Geschäftspartnern abgestimmt sind. Zu den wichtigsten organisatorischen Aspekten gehören:
Strategische Planung - Die Integration von Geschäftspartnern erfordert eine klare strategische Planung. Unternehmen müssen sich darüber im Klaren sein, welche Ziele sie durch die B2B-Integration verfolgen, sei es Kostensenkung, schnellere Lieferzeiten oder verbesserte Transparenz in der Lieferkette. Eine klare Strategie legt den Grundstein für alle nachfolgenden Schritte, wie die Auswahl von Partnern, die Definition von Integrationsprozessen und die Entscheidung über die benötigten Technologien.
Partnerschafts-Management - Eine erfolgreiche B2B-Integration erfordert ein stabiles Partnerschafts-Management. Dabei geht es nicht nur um die technische Anbindung, sondern auch um die Pflege der Beziehungen der Geschäftspartner untereinander. Das Einhalten von Vereinbarungen stellt dabei nur den Pflichtteil dar.
Regelmäßige Kommunikation, beispielsweise in Form von zyklischen Business Review Meetings, sind indes ein Teil der Kür. Gegenstand dieser Gespräche ist regelmäßig der Rückblick auf den letzten Zyklus. Was lief gut? Was darf noch besser werden? Auch ein Ausblick auf Markttrends und die flexible Anpassung an Veränderungen im Wettbewerbsumfeld können hier diskutiert und entsprechende Maßnahmen geplant werden.
Neben dieser rein sachlichen Auseinandersetzung mit der Geschäftsbeziehung kommt noch ein ganz menschlicher Aspekt zum Tragen: Der Aufbau von Vertrauen und die Sicherstellung, dass beide Seiten von der Zusammenarbeit profitieren. Sie sind Schlüsselkomponenten dieses Prozesses.
Compliance und rechtliche Aspekte
Gleichwohl bedeutet Partner-Management auch, die Partnerschaft auf eine solide und rechtssichere vertragliche Grundlage zu stellen, um den Umgang mit Risiken, die aus der Zusammenarbeit entstehen können, verbindlich zu regeln. Unternehmen, die B2B-Integration betreiben, müssen sicherstellen, dass sie alle rechtlichen und regulatorischen Anforderungen erfüllen.
Dies umfasst stärker denn je auch den Datenschutz, insbesondere in Bezug auf die DSGVO in Europa, sowie branchenspezifische Regularien zum Informationsaustausch (NIS/NIS2, TISAX, PCI DSS oder BAIT / VAIT). Verträge über den Austausch von Daten, die Verantwortung für die Informationssicherheit und erforderlichenfalls auch Regellungen zum geistigen Eigentum sind ebenfalls essenzielle Bestandteile.
Schulung und Change Management
Die Einführung oder Intensivierung einer Geschäftspartnerschaft kann erhebliche Veränderungen in der Organisation mit sich bringen. Mitarbeiter müssen geschult werden, um die neuen Abläufe zu verstehen und effizient nutzen zu können.
Darüber hinaus ist ein effektives Change Management notwendig, um Widerstände zu überwinden und eine reibungslose Umstellung auf die neuen Prozesse zu gewährleisten. Nur wenn alle Beteiligten im Unternehmen die Vorteile und die ganz konkrete Handhabung der Partnerschaft verstehen, kann diese langfristig erfolgreich sein.
Stand: 08.12.2025
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Auch gilt es, Gefahren vorzubeugen, die gerade in der Anfangsphase der Zusammenarbeit lauern. So nutzen beispielsweise Cyber-Kriminelle, die aus den (sozialen) Medien von angekündigten Business-Partnerschaften erfahren, verstärkt und sehr gezielt die Unwissenheit von Mitarbeitern aus, um mit fingierten E-Mails des neuen Business-Partners an wertvolle Informationen oder gar Zugangsdaten zu gelangen.
Technische Aspekte der B2B-Integration
Neben den organisatorischen Herausforderungen ist die technische Umsetzung der B2B-Integration ein zentrales Thema. Der Erfolg hängt maßgeblich von der Auswahl geeigneter Technologien und Standards ab, die den Datenaustausch und die Automatisierung zwischen den beteiligten Unternehmen ermöglichen.
Integrationstechniken
Die B2B-Integration kann über verschiedene Techniken realisiert werden. Die bekanntesten sind:
Electronic Data Interchange (EDI): EDI ist eine traditionelle Technologie, die den Austausch von standardisierten Geschäftsdaten wie Bestellungen, Rechnungen und Lieferscheinen in elektronischer Form ermöglicht. Unternehmen verwenden häufig branchenspezifische Standards wie EDIFACT oder ANSI X12, um sicherzustellen, dass Daten korrekt interpretiert werden.
API-Integration: Im Gegensatz zu EDI ermöglicht die API (Application Programming Interface)-Integration einen Echtzeitzugriff auf Geschäftsdaten. APIs bieten eine flexiblere und schnellere Möglichkeit, verschiedene Systeme zu verbinden und dynamische Datenströme zu verwalten. Sie sind besonders in modernen Cloud-Umgebungen verbreitet und bieten durch ihre Standardisierung eine schnelle und sichere Anbindung.
Datenformate und Standards
Für die erfolgreiche B2B-Integration ist es entscheidend, dass beide Geschäftspartner einheitliche Datenformate verwenden. Neben EDI-Standards setzen moderne Systeme zunehmend auf XML (Extensible Markup Language) oder JSON (JavaScript Object Notation) für den Datenaustausch. Diese Formate bieten Flexibilität und sind besonders in Web-basierten Anwendungen weit verbreitet.
Einheitliche Datenstandards wie OASIS oder RosettaNet helfen dabei, die Kompatibilität zwischen unterschiedlichen IT-Systemen zu gewährleisten. Die Verwendung solcher Standards vereinfacht die Integration erheblich, da sie sicherstellen, dass beide Parteien Daten auf dieselbe Weise interpretieren.
Um die Komplexität des Datenaustauschs zu reduzieren, setzen viele Unternehmen auf Middleware oder Integrationsplattformen. Diese fungieren als Brücke zwischen den internen IT-Systemen eines Unternehmens und den Systemen der Geschäftspartner. Cloud-basierte Integrationsplattformen wie von Mulesoft, Dell Boomi oder SAP PI (Process Integration) ermöglichen es Unternehmen, mehrere Geschäftspartner und Techniken in eine zentrale Umgebung zu integrieren.
Informationssicherheit
Die Informationssicherheit spielt wie überall auch bei der B2B-Integration eine zentrale Rolle. Unternehmen tauschen sensible Geschäftsdaten aus, die sowohl vor unbefugtem Zugriff als auch vor Manipulation geschützt werden müssen. Standardmaßnahmen wie die Verschlüsselung von Daten während der Übertragung (zum Beispiel durch TLS) und die Authentifizierung von Kommunikationspartnern durch digitale Zertifikate sind essenziell.
Darüber hinaus sind Systeme zur Überwachung von Netzwerken und zur frühzeitigen Erkennung von Sicherheitsvorfällen von großer Bedeutung. Wie bereits oben dargelegt, liegt neben diesen technischen Maßnahmen ein weiterer Sicherheitsfaktor in der Sensibilisierung der Mitarbeiter für die Gefahren, die durch Cyber-Kriminelle entstehen können.
Die technische Infrastruktur für die B2B-Integration sollte skalierbar sein, um zukünftiges Wachstum zu unterstützen. Die Anbindung neuer Partner oder die Integration zusätzlicher Systeme sollten ohne größere Änderungen möglich sein. Cloud-basierte Lösungen bieten hier oft die nötige Flexibilität, um dynamisch auf sich ändernde Anforderungen reagieren zu können. Gleichzeitig sind auch hier wiederum Aspekte der Informationssicherheit und des Datenschutzes zu betrachten.
*Der Autor Sebastian Welke ist Teamlead und Senior Consultant bei der Handz.on GmbH. Er berät Kunden in allen Belangen der Informationssicherheit, des Datenschutzes und des IT-Risiko-Managements. Daneben verfügt der Wirtschaftsjurist über langjährige Erfahrung im Bereich IT Service Management sowie im strategischen und operativen Partner-Management. Er sagt:< Die Zukunft der B2B-Integration wird zunehmend durch cloudbasierte Lösungen und APIs bestimmt, die den Datenaustausch schneller und flexibler gestalten.