Datenschutz-Debakel trifft Milliardenversprechen TikTok baut Vertrauen aus Beton: Ein europäisches Datacenter in Finnland

Von Paula Breukel 2 min Lesedauer

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Auf eine Rekordbuße und politische Verbote reagiert TikTok mit einem PR-Programm namens „Clover“ und jetzt einem Rechenzentrum in Finnland. Ziel ist es, die eigene Datenschutzbilanz in Europa zu verbessern.

TikTok zählt zu den beliebtesten sozialen Medien und die Frage nach dem Datenschutz steht seit jeher im Raum. Jetzt baut der Anbieter fleißig Rechenzentren in Europa. (Bild:  nordskovmedia.dk / Flickr)
TikTok zählt zu den beliebtesten sozialen Medien und die Frage nach dem Datenschutz steht seit jeher im Raum. Jetzt baut der Anbieter fleißig Rechenzentren in Europa.
(Bild: nordskovmedia.dk / Flickr)

Der Kurzvideodienst TikTok plant den Bau seines ersten Rechenzentrums in Finnland und will dafür nach Reuters -Angaben rund 1 Milliarde Euro investieren. Ein Unternehmenssprecher bestätigte am Mittwoch die Pläne, machte aber keine Angaben zum genauen Standort oder Zeitplan.

Warum baut TikTok Rechenzentren in Europa?

TikTok, eine Tochtergesellschaft des chinesischen Konzerns Bytedance, steht in Europa seit Längerem im Fokus von Datenschutz- und Sicherheitsdebatten. 2023 startete das Unternehmen das sogenannte „Project Clover“.

Hierbei handelt es sich um ein zwölf Milliarden Euro schweres Datensicherheitsprogramm, mit dem TikTok die Speicherung und Verarbeitung europäischer Nutzerdaten vollständig in eine „europäische Daten-Enklave“ verlagern will. Bisher liegen diese Rechenzentren in Norwegen, Irland und den USA. Als Teil von Project Clover ging das erste norwegische Zentrum in Hamar Anfang April 2025 in Betrieb.

Warum jetzt Finnland?

Als Standort für Großrechneranlagen sind die nordischen Länder besonders gefragt, weil das kühle Klima den Energiebedarf für Kühlung senkt und zudem große Mengen CO2-freier Strom zur Verfügung steht. Der Microsoft-Präsident Brad Smith nannte Finnland in Brüssel jüngst einen „idealen Standort“ für Dateninfrastruktur in Europa, und zwar wegen der Kombination aus erneuerbarer Energie und guter Netzanbindung.

Wo werden in Europa die Daten gespeichert?

  • Norwegen: Erstes Project-Clover-Datacenter, drei Gebäude sind in Betrieb, 200 Arbeitsplätze vor Ort, unabhängige Überwachung durch die NCC Group.
  • Irland: Bisheriger Hauptstandort für TikTok-Daten, Teil der „europäischen Daten-Enklave“.
  • USA: Weiterhin genutzte Backup-Kapazitäten; diese sollen langfristig durch EU-Standorte ersetzt werden.
  • Geplanter Neubau in Finnland: 1-Milliarde-Investition, soll der weiteren Regionalisierung dienen.

Vor welchen Hürden steht TikTok?

Mehrere EU-Institutionen und nationale Regierungen haben Verbote erlassen, TikTok auf Geräten von Behörden zu verwenden. Sie äußerten Sorge, Peking könnte Zugriff auf europäische Nutzerdaten erhalten. Die irische Datenschutzkommission (DPC) hat Anfang Mai 2025 bekanntgegeben, TikTok wegen unzureichender Garantien beim Datentransfer in die Volksrepublik China und fehlender Nutzertransparenz mit einer Strafe von 530 Millionen Euro zu belegen. TikTok wurde zudem verpflichtet, seine Datenverarbeitung innerhalb von sechs Monaten mit der DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung) in Einklang zu bringen, andernfalls droht die Aussetzung der Datentransfers nach China.

TikTok verfasste hierzu eine Stellungsnahme. Darin kündigte die Plattform an, die DPC-Entscheidung anzufechten und verwies auf umfassende technische und vertragliche Schutzmaßnahmen, wie Standardvertragsklauseln und unabhängige Audits.

Das Bestreben von TikTok liegt nach eigenen Angaben darin, in den kommenden Jahren mehrere Datacenter zu errichten, um die Speicherung europäischer Kundendaten auf europäischen Boden zu verlagern und so die regulatorischen Risiken zu minimieren. In Finnland könnte der Bau bereits 2026 beginnen; eine offizielle Bestätigung aus Seiten Helsinki steht noch aus.

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