Prozess-Konfigurator

SOA im weltweiten Automobil-Vertrieb

Seite: 5/5

Anbieter zum Thema

Lokal implementieren, global profitieren

Inzwischen ist die Systemeinführung in Brasilien abgeschlossen. Der Absatz hat sich im Jahr 2008 wie geplant auf 600.000 Fahrzeuge erhöht. Das allein hätte man zwar auch mit anderen Technologien als SOA erreichen können – sogar durch COBOL-Anwendungen (COBOL = Common Business Oriented Language). SOA bietet aber anders als die anderen Methoden die Chance, durch Veränderung von Regeln Geschäftsprozesse auch kurzfristig sinnvoller zu steuern.

Beispielsweise sind nun die Fahrzeuge in der Bestellungs-Pipeline ebenfalls einsehbar. Deshalb müssen Händler weniger Fahrzeuge ordern, um sie bei Bedarf auf Lager zu haben, was ihre Kapitalbindung verringert. Über die Regeln kann der Hersteller nun aber kurzfristig bestimmen, ob zu einem bestimmten Zeitpunkt ein mehr oder weniger großer Bereich der Produktionspipeline sichtbar ist und welche Rechte ein Händler zugeordnet bekommt. Solche Veränderungen zu implementieren, wäre mit anderen, weniger flexiblen Technologien extrem aufwändig.

Zwar war der anfängliche Aufwand für dieses Projekt groß: Ein zentrales Team aus 100 internationalen Spezialisten programmierte acht Monate lang. Noch heute ist ein zehnköpfiges Team mit der Pflege des Systems beschäftigt. Veränderungen gehen aber heute viel schneller als früher: Change-Requests, die ein- bis zweimal jährlich einlaufen, etwa, weil sich rechtlich oder kaufmännisch relevante Bestimmungen geändert haben, sind meist innerhalb weniger Wochen abgewickelt – früher dauerte das Monate.

Inzwischen hat auch die australische Landesgesellschaft die SOA-Lösung übernommen. Den Transfer schaffte ein dreiköpfiges Team in einem Vierteljahr. Es musste am Quellcode der vorhandenen Services nur minimale Erweiterungen durchführen. Das Regelvolumen ist in Australien auf 500 Regeln angewachsen, aber neue Regeln lassen sich schnell implementieren. Weitere Länder folgen. Vorteil: Werden dort neue Services implementiert, können auch Brasilien und Australien sie kurzfristig implementieren. So wird sich die SOA-Lösung Schritt für Schritt über alle Ländergesellschaften des Unternehmens verbreiten und helfen, knappe Personal- und Finanzressourcen sinnvoller einzusetzen – getrieben vom Erfolg in Brasilien, der zur Nachahmung motiviert.

Die Autoren

Der Beitrag ist eine Gemeinschaftsproduktion von Peter Van der Linden, Certified System Master Architect bei HP, Rüdiger Ernst, verantwortet das SOA-Consulting bei HP Deutschland und Hermann Sauer, Automotive SOA Consultant bei HP.

(ID:38658040)