Wie schätzen die Betreiber ihre eigenen Rechenzentren ein? Für eine Studie wurden sie befragt. Ergebnis: Entweder messen sie sich an sehr hohen Ansprüchen, oder ihre Data Center arbeiten noch weniger als suboptimal.
(Bild: Techconsult)
Die Effizienz eines Rechenzentrums, egal ob im eigenen Hause oder beim Managed Service Provider oder im Colocation-Betrieb, trägt maßgeblich zum Erfolg eines Unternehmens bei. Diesem Faktor sollte also höchster Stellenwert eingeräumt sein. Die Wirklichkeit schein anders auszusehen, befindet Techconsult-Analyst Marco Becker nach Auswertung der Studie „Optimized Data Center“: „Der durchschnittliche Rechenzentrums-Betreiber kann sich mit seiner eigenen Leistung definitiv nicht zufrieden geben.“
Ein detailreicher Fragekatalog
Techconsult hatte zusammen mit IT-Firmen wie Microsoft, Schneider Electric, Comarch, FNT, Nutanix, Paragon Raritan, Schleifenbauer, Paessler und proRZ einen Fragekatalog mit 150 Aspekten entwickelt. Die waren gegliedert in die vier Haupt- und weitere Unterbereiche. Dabei ging es im Kern um RZ-Betrieb, physische und virtuelle IT-Infrastruktur bis hin zu Gebäudeinfrastruktur und externe Anbindung. Zu jedem Detailaspekt konnten die Befragten bis zu 100 Punkte erreichen.
Das Gesamtergebnis war ernüchternd. Nur fünf Prozent kamen auf 90 und mehr Punkte. Der Durchschnitt aller Befragten betrug 59 Indexpunkte. Die Mehrheit der Befragten, rund 60 Prozent, landete bei 45 bis 75 Punkten. Ein Viertel der Teilnehmer erreichte nicht mehr als 50 Punkte. Diese letzte Gruppe „gibt sich damit selbst die gelbe Karte“, so Analyst Becker.
Hohe Ansprüche nicht erfüllt
Die Techconsult-Pressemitteilung merkt an: „Dieser Wert resultiert nicht aus einem grundsätzlich geringen Anspruch, sondern aus hohen Ansprüchen, die aktuell im eigenen Data Center aber nicht erfüllt werden.“ Diese Formulierung lässt allerdings offen, ob die Ansprüche selbst gestellt sind, niedrige Werte also Selbstkritik zum Ausdruck bringen, oder ob hier die Maßstäbe der von den Fragestellern gesetzten Anforderungen schlicht nicht erfüllt wurden.
Am besten schneiden die Rechenzentren von Unternehmen mit 500 bis 999 Mitarbeitern ab. Sie kommen im Schnitt auf 64 Punkte. Mit zunehmender Größe sinkt der Durchschnittswert leicht auf 60 Punkte. Techconsult erklärt dazu: „Größere Rechenzentren liegen leicht unter diesem Wert, zum einen weil Data Center mit steigender Größe grundsätzlich auch vor größeren Herausforderungen im Betrieb stehen, zum anderen aber auch weil Betreiber großer Data Center grundsätzlich kritischer in der Selbstbetrachtung sind.“
Mittelgroße Unternehmen schneiden am besten ab
Mit der Größe sinkt die Effizienz rapide. Unternehmen mit weniger als 249 Mitarbeitern erreichen im Durchschnitt nur noch Indexwerte von 38 Punkten. Techconsult: „Auch diese Unternehmen messen vielen Prozessen eine angemessene Relevanz zu, empfinden aber deutliche Defizite bei der adäquaten Umsetzung.“
Den besten Effizienzindex nach Branchen erreichen die Banken und Versicherungen mit 62 Indexpunkten. Mit 61 Punkten knapp darauf folgen die Unternehmen aus den Branchen Handel und Industrie.
Besser unter eigener Kontrolle?
Es hat fast den Anschein, als sei es effizienzfördernd, wenn der Chef jeden Moment um die Ecke kommen kann. Hauseigene Rechenzentren kommen auf 59 Punkte. Die Zusammenarbeit mit Managed Service Providern erreicht 56 Punkte. Der Betrieb bei einem Colocation Provider fällt dagegen deutlich ab: 46 Punkte. Allerdings macht Techconsult hier keine Angaben zur Korrelation mit der Unternehmensgröße.
Nun gelten gerade viele selbstbetriebene Rechenzentren als veraltet. Als ihr „Lifecycle“ gelten zwölf bis 15 Jahre. Doch siehe da: Einen überdurchschnittlichen Effizienzwert von 65 Punkten erreichen Rechenzentren, die vor dem Jahr 2000 in Betrieb gingen. Erst ganz junge, nach 2011 eingerichtete Rechenzentren schaffen es mit 60 Punkten über den Durchschnitt.
Führt Evolution zu Ineffizienz?
Techconsult-Analyst Becker bemüht sich mit gedrechselten Sätzen um tröstende Worte: „Das Gebilde Data Center wächst seit Jahren in Sachen Funktionsumfang, Komplexität und Leistung an. Einen Überblick über alle relevanten Bereiche und Prozesse zu behalten fällt damit zunehmend schwerer, vor allem bei denjenigen Rechenzentren, bei denen dieses Wachstum schleichend, Stück für Stück stattfand und kaum bewusst wahrgenommen wurde. Dass am Ende ein komplexes Data Center entstehen würde, war vielen von vornherein sicherlich nicht bewusst und dementsprechend mögen viele jetzt mit der Situation überfordert sein – auch in Abhängigkeit von budgetbedingten, fehlendem IT-Personal und zu wenig Zeit, sich neben dem alltäglichen IT- und Rechenzentrumsbetrieb mit den Problemen auseinander zu setzen.“
Stand: 08.12.2025
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