Elektronen besitzen einen Eigendrehimpuls, den Spin, der sie zu winzigen Magneten macht. In der Quanteninformationsverarbeitung kann dieser als Quantenbit (Qubit) dienen. Das Problem: mögliche Wechselwirkungen.
Die KIT-Forscher nutzen die Spitze eines Rastertunnelmikroskops, um die Spin-Eigenschaften von molekularen Komplexe zu verbessern.
Anders als klassische Bits erlaubt ein Qubit nicht nur die Zustände 0 und 1, sondern auch Überlagerungen daraus, was die Informationsdichte und Systemkomplexität deutlich erhöht. Spin-Qubits gelten daher als vielversprechende Bausteine für künftige Quantentechnologien.
Doch das Design und die Kontrolle von Spin-Strukturen auf atomarer Ebene sind herausfordernd, insbesondere das zerstörungsfreie Auslesen der Informationen. In der Zeitschrift „ Nature Communications“ stellen Forschende des KIT eine Strategie vor, die die Lebensdauer und Steuerung molekularer Spin-Qubits erheblich verbessert.
Das Problem
Der Schutz einzelner Qubits vor Wechselwirkungen mit der Umgebung ist eine der größten Herausforderungen für die Quanteninformationsverarbeitung. Für verschiedene Quantenarchitekturen wurde eine Fülle von Designstrategien entwickelt, die die Eigenschaften des Systems so verändern, dass es gegen verschiedene Wechselwirkungen resistent ist.
Ein bekanntes Beispiel ist die Entwicklung supraleitender Qubits, die sich von verrauschten Ladungsqubits zu Transmonenqubits entwickelt haben, wobei letztere eine robustere Energieniveaulandschaft aufweisen. Auch für Spin-basierte Quantenarchitekturen wurde eine Vielzahl von Designs verwendet, darunter Taktübergänge, Singulett-Triplett-Qubits in Halbleiter-Quantenpunkten oder chiralitätsbasierte Quantenzustände. Insbesondere für molekulare Spin-Qubits wurden noch größere wechselwirkende Systeme vorgeschlagen und realisiert. Üblicherweise wurden diese Spin-Systeme durch chemische Synthese ermöglicht.
Eine alternative Bottom-up-Methode zur Schaffung interagierender Spin-Strukturen ist die Synthese auf der Oberfläche, die mit Hilfe der Rastertunnelmikroskopie (STM) überwacht und unterstützt wird. Dazu gehören verschiedene interagierende magnetische Spin-Systeme, die nachweislich komplexe Spin-Strukturen bilden.
Es ist: schwierig
Dennoch: Die Untersuchung der intrinsischen Spin-Eigenschaften bleibt eine Herausforderung und wird bisher meist indirekt über die Wechselwirkung mit den Leitungselektronen des Substrats, das heißt: den Kondo-Effekt, untersucht. Eine praktikable Lösung für dieses Problem besteht darin, die molekularen Spins über dünne Isolatoren vom metallischen Substrat zu entkoppeln. Dies stellt jedoch eine Herausforderung für oberflächenchemische Methoden dar.
Ein direkter Weg zur Untersuchung von Spin-Eigenschaften und zur Erlangung von Einblicken in ihre Spin-Dynamik ist die Nutzung der Elektronenspinresonanz in einem Rastertunnelmikroskop (ESR-STM). Damit lassen sich verschiedene Spin-Systeme untersuchen, zum Beispiel Übergangsmetallatome, Alkaliatome, Seltenerdelemente, sowie Molekül-Spins. Außerdem lässt sich der Spin im Zeitbereich kohärent kontrollieren.
Allerdings stellt die kurze Lebensdauer der Spins in den meisten Spin-Systemen eine große Herausforderung dar (< 300 ns), wodurch auch die Phasenkohärenzzeit ≤ 1 begrenzt ist. Bei T1-Zeiten bleibt die Hauptbegrenzung die Streuung mit nahegelegenen Tunnelelektronen, die aus den Elektronenbädern der Spitze und des Substrats stammen.
Praktikabel
Eine praktikable Strategie besteht daher darin, zu dickeren Schichten des darunter liegenden Isolators Magnesiumoxid (MgO) überzugehen oder andere Methoden wie die Rasterkraftmikroskopie anzuwenden. Eine andere Strategie besteht darin, die Spin-Systeme an sich robuster gegen Rauschquellen und Relaxation zu machen, indem man ihre magnetischen Wechselwirkungen verbessert.
In der veröffentlichen Arbeit der KIT-Forscher wird gezeigt, wie eine spitzenunterstützte Montage eines molekularen Komplexes zu einem Spin-System mit verbesserten dynamischen Spin-Eigenschaften im Vergleich zu den Bestandteilen führt. Mit anderen Worten: Für die Herstellung verwendeten die Forschenden die feine Spitze eines Rastertunnelmikroskops. In Zukunft könnten die Baukastenmoleküle die Grundlage für stabilere Einheiten für die Quantentechnologien bilden.
Der Komplex besteht aus einem Eisenphthalocyanin (FePc)-Molekül und einem zusätzlichen Fe-Atom. Letzteres bildet zusammen mit einem Teil des FePc-Liganden einen organometallischen Halbsandwich-Komplex.
Sandwiches und Lego
Das resultierende Spin-System stellt so einen Heisenberg-Quantenferromagneten mit gemischten Spins (1/2,1) dar. Der Ferrimagnet hat eine verbesserte Spin-Lebensdauer im Vergleich zu konventionellen On-Surface-Spin ½-Systemen, bis zu T1= 1,6 µs. Dieser Anstieg wird durch die Verwendung von Spin-Transportberechnungen rationalisiert, die zeigen, dass die begrenzenden inelastischen Streukanäle durch die Korrelationen im Quanten-Ferrimagneten unterdrückt werden.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel IT-Medien GmbH, Max-Josef-Metzger-Straße 21, 86157 Augsburg, einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von Newslettern und Werbung nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung.
Spin-Kopplung in einem Dimer von Ferrimagnet-Komplexen.
(Bild: KIT/ Nature Communications)
Darüber hinaus zeigen die Forscher, dass mehrere Komplexe effizient entweder ferromagnetisch oder antiferromagnetisch gekoppelt werden können, je nach ihrer relativen Ausrichtung. Professor Philip Willke vom Physikalischen Institut des KIT, übersetzt das einmal: „Zum Schutz der Quanteninformationen stellen wir eine Doppelmagnetstruktur mit zwei Eisenatomen her, die sich in einem Molekül befinden.“
Er erläutert: „Ein Eisenatom ist fest in ein Molekül eingebettet, das andere wird gezielt daran angedockt. ähnlich wie bei Lego-Bausteinen. Diese Kombination erlaubt es, nur mit einem Teil des Systems zu interagieren, während der andere Teil abgeschirmt bleibt. Dadurch wird der restliche Teil geschützt und die Lebensdauer des Spins verlängerte sich in unserem Experiment um das Fünffache.“
Und technischer: Dieser Anstieg lässt sich mit Hilfe von Spin-Transportrechnungen erklären, die zeigen, dass die begrenzenden inelastischen Streukanäle durch die Korrelationen im Quantenferromagneten unterdrückt werden. Darüber hinaus zeigt sich, dass mehrere Komplexe je nach ihrer relativen Ausrichtung effizient entweder ferromagnetisch oder antiferromagnetisch gekoppelt werden können.