Ulrich Terrahes Rechenzentrums-Blog Grundlagen für den Neubau eines Rechenzentrums (Teil 3)

Redakteur: Rainer Graefen

Den zweiten Teil dieses Beitrags widmete ich der Ermittlung des tatsächlichen Leistungsbedarfs innerhalb von Rechenzentren. Im dritten Teil geht es um die Kostenexplosion durch die Anhebung der Verfügbarkeit.

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In der Regel ist damit auch ein höherer Energieverbrauch durch eine schlechtere Auslastung der Versorgungsanlagen verbunden. Eine Leistungserhöhung von 1000 W/m² auf 2000 W/m² bedeutet 60 bis 80 Prozent mehr Investitionskosten.

Eine genauso dramatische Auswirkung hat das unüberlegte Spiel mit der Verfügbarkeit. Zwischen einem Stufe (Tier) 1 Rechenzentrum und einem Stufe (Tier) 4 Rechenzentrum nach Uptime liegen die 3-fachen Kosten.

Höchste Ansprüche, höchste Kosten

Werden jetzt noch hohe Verfügbarkeits- mit hohen Leistungsanforderungen gekoppelt, dann explodieren die Kosten und 20.000 Euro/m² RZ-Fläche können erreicht werden. Aus diesem Grund empfiehlt es sich ebenfalls sehr genau mit den Verfügbarkeitsanforderungen des eigene Unternehmens auseinanderzusetzten und es von Anfang an mit den finanziellen Möglichkeiten abzugleichen.

Insbesondere im Kollokationsbereich (Mieten von Rechenzentrumsflächen) wünschen sehr viele Unternehmen eine Verfügbarkeit nach Tier 4. Angesichts des Kostenniveaus, lassen fast alle Unternehmen den Wunsch danach schnell fallen.

Meines Erachtens ist der Ansatz zunächst über festgeschriebenen Verfügbarkeitsstufen verschiedener Institute eigene Qualitätsansprüche zu definieren nicht richtig. Vielmehr ist es sinnvoll, über ein erarbeitetes Sicherheits- und Verfügbarkeitskonzept wirtschaftlich vernünftige Lösungen zu definieren. Abschließend können bzw. sollten die Ergebnisse mit Vorgaben oder Richtlinien verglichen werden.

Ein Gefühl für das Preis-/Leistungsverhältnis entwickeln

Selbstverständlich sind natürlich gesetzliche Vorgaben zu berücksichtigen, die aber in der Regel (Ausnahme Personenschutz) sehr weich formuliert sind. Erst wenn der RZ-Bauherr ein Gefühl entwickelt, was Verfügbarkeit und Sicherheit für sein Unternehmen bedeutet, welche Investitionen damit verbunden sind und wie diese Qualität auch im laufenden Betrieb gehalten werden kann, vermag er ein maßgeschneidertes Rechenzentrum zu planen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass nicht integral gedacht wird und trotz hoher Investitionskosten falsche Entscheidungen getroffen werden.

Der teure Sprung von Tier 2 auf Tier 4

Folgendes Extrembeispiel zeigt, was ich meine: Ein Forschungsinstitute plant ein RZ mit 1000 m² und 5000 W/m². Die Kosten für einen ungeplanten Ausfall liegen bei etwa 500.000 bis 750.000 Euro.

Die Investitionskosten für die Anhebung der Verfügbarkeitsstufe 2 auf 3 liegen bei über 5.000.000 Euro und bei einer Anhebung von 2 auf 4 liegen sie bei über 8.000.000 Euro. Die Entscheidung die Stufe 2 zu bauen war in diesem Fall schnell getroffen.

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