Repräsentative Bitkom-Umfrage Für fast die Hälfte der Unternehmen sind IT-Berufe immer noch männlich!

Von Paula Breukel 3 min Lesedauer

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Frauen bleiben in IT- und Digitalberufen deutlich unterrepräsentiert. Viele Unternehmen sehen die Ursachen in eigenen Strukturen, Stereotypen und fehlender Unterstützung beim Ein- und Wiedereinstieg.

Stereotype bleiben bestehen und Frauen sind weiterhin in der IT-Branche unterrepräsentiert. (Bild: ©  Gorodenkoff - stock.adobe.com)
Stereotype bleiben bestehen und Frauen sind weiterhin in der IT-Branche unterrepräsentiert.
(Bild: © Gorodenkoff - stock.adobe.com)

In Deutschland bleiben Frauen in IT- und Digitalberufen deutlich unterrepräsentiert. In einer repräsentativen Bitkom-Befragung unter mehr als 600 Unternehmen sagen 43 Prozent, Männer seien für IT- und Digitalberufe ‚besser geeignet‘. 48 Prozent der Unternehmen vertreten die Ansicht, IT- und Digitalberufe würden Frauen abschrecken.

Gleichzeitig ordnen viele Unternehmen Gleichstellung als wirtschaftliches Thema ein. 78 Prozent stimmen der Aussage zu, ohne Frauen verspiele die Wirtschaft ihre Zukunft. 65 Prozent sehen das IT-Fachkräfteproblem ohne Frauen als nicht lösbar. In der internen Wahrnehmung gelten gemischte Teams zudem als Vorteil für Betriebsklima sowie Produktivität und Kreativität.

Immer noch deutlich weniger Frauen in IT-Teams als Männer

Neun von zehn befragte Unternehmen (89 Prozent) sagen, dass weniger als die Hälfte der Stellen in IT- und Digitalteams mit Frauen besetzt sind. Kein Unternehmen gibt an, dort mehr Frauen als Männer zu beschäftigen. Nur 9 Prozent sprechen von einem annähernd ausgeglichenen Verhältnis.

Warum strukturelle Hürden im Jahr 2026 noch bestehen, wenn es um ein ausgewogenes Verhältnis von Frauen und Männern in IT-Teams geht.(Bild:  Bitkom Research 2026)
Warum strukturelle Hürden im Jahr 2026 noch bestehen, wenn es um ein ausgewogenes Verhältnis von Frauen und Männern in IT-Teams geht.
(Bild: Bitkom Research 2026)

Hemmnisse verorten Unternehmen bei sich im Umfeld

Als Bremsfaktor nennen Unternhemen sowohl interne Strukturen als auch externe Rahmenbedingungen: Die Hälfte der Befragten sehen Hürden beim Wiedereinstieg, etwa fehlende Weiterbildung während der Elternzeit. Dicht gefolgt von der unzureichenden Sensibilisierung von Führungskräften mit Personalverantwortung (48 Prozent) und männlich geprägten Rollenbildern im Unternehmen (47 Prozent). Immerhin vier von zehn Unternehmen sprechen von einer ‚gläsernen Decke‘, also einer strukturellen Benachteiligung bei gleicher Qualifikation.

Auch politische Faktoren tauchen in der Ursachenliste auf. 55 Prozent sehen Hürden beim Quereinstieg. 48 Prozent nennen Defizite bei der Betreuungsinfrastruktur. 40 Prozent verorten Probleme in einer klischee-behafteten Berufsorientierung.

Der Wunsch nach einem höheren Frauenanteil ist weit verbreitet. Die Bitkom-Umfrage fragte daher, wie die Unternehmen das Ziel erreichen wollen, dass mehr Frauen in den IT-Teams arbeiten:

  • Vier Prozent der Unternehmen geben an, sich interne Ziele gesetzt und bereits erreicht zu haben;
  • Neun Prozent nennen definierte Ziele mit Zeitplan;
  • Ein Viertel berichtet von allgemeinen Zielen;
  • Gleichzeitig sagt mehr als ein Drittel, dass es keine Ziele gibt und das Thema intern keine Rolle spielt. Als Gründe nennen diese Unternehmen vor allem zu wenige qualifizierte Bewerberinnen sowie andere Prioritäten.

Bei Recruiting-Maßnahmen melden 79 Prozent, mindestens eine Maßnahme einzusetzen. Am häufigsten nennen Unternehmen Kooperationen mit Hochschulen und Schulen, spezielle Einstiegsprogramme wie Traineeships, auf Frauen zugeschnittene Werbe- und Social-Media-Kampagnen sowie Präsenz auf frauenspezifischen Karriere-Events.

Verantwortung wird geteilt, politische Erwartungen steigen

Mehr als zwei Drittel der Unternehmen stimmen zu, dass die Wirtschaft selbst den Frauenanteil in IT- und Digitalberufen erhöhen muss. Parallel formulieren Unternehmen klare Erwartungen an die Politik. Kein befragtes Unternehmen sagt, es brauche keine weiteren politischen Maßnahmen. 2025 teilten laut Bitkom noch fünf Prozent diese Einschätzung.

Besonders häufig fordern Unternehmen mehr Investitionen in Betreuungsinfrastruktur, dies nennen 71 Prozent. 59 Prozent verlangen Maßnahmen entlang der Bildungskette, etwa die Förderung des IT-Interesses von Mädchen und jungen Frauen. 57 Prozent sprechen sich für öffentliche Kampagnen oder Role-Model-Programme aus.

Bitkom äußert den Befund: Unternehmen reklamieren Verantwortung und verweisen auf Rahmenbedingungen, die aus ihrer Sicht über einzelne Arbeitgeber hinausreichen, von Bildungszugängen bis zu Vereinbarkeit.

Methodik

Grundlage der Angaben ist eine Umfrage, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom umsetzte. Bitkom Research befragte dafür 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten in Deutschland telefonisch. Die Umfrage ist repräsentativ. Die Interviews erfolgten mit Personen aus der Führungsebene sowie mit Entscheiderinnen und Entscheidern und Personalverantwortlichen. Der Erhebungszeitraum lag zwischen Kalenderwoche 50 2025 und Kalenderwoche 6 2026.

Gläserne Decke, Stereotype & Karrierehürden

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