Stereotype Rollenbilder sind stark verankert Vorurteile und KI bremsen Frauen in IT-Abteilungen aus

Quelle: dpa 3 min Lesedauer

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Trotz Fachkräftemangels halten viele Unternehmen Männer für besser geeignet in Tech-Berufen. Wie Vorurteile, aber auch künstliche Intelligenz (KI), den Frauen den Weg in die IT erschweren, zeigen zwei Studien.

Von Gleichberechtigung in IT-Berufen ist man trotz Fachkräftemangels noch weit entfernt – Vorurteile bis Misogynie bremsen Frauen aus.(Bild: ©  rawpixel.com - stock.adobe.com)
Von Gleichberechtigung in IT-Berufen ist man trotz Fachkräftemangels noch weit entfernt – Vorurteile bis Misogynie bremsen Frauen aus.
(Bild: © rawpixel.com - stock.adobe.com)

Obwohl die deutsche Wirtschaft den Fachkräftemangel in den IT-Abteilungen ohne weibliche Talente kaum lösen kann, halten sich in der Branche hartnäckig veraltete Stereotype. Eine Bitkom-Studie zeigt: Noch immer hält fast jedes zweite Unternehmen Männer für Tech-Berufe schlichtweg besser geeignet.

Das Vorurteil spiegeln sich auch in Zahlen der repräsentativen Befragung unter 603 Unternehmen wider: In keiner einzigen deutschen IT- oder Digitalabteilung arbeiten derzeit mehr Frauen als Männer. In 89 Prozent der Unternehmen stellen Frauen in diesen Fachbereichen weniger als die Hälfte der Belegschaft. Lediglich 9 Prozent berichten von einem annähernd ausgeglichenen Geschlechterverhältnis.

Der Trend aus der Bitkom-Umfrage wird bestätigt durch eine Studie des Beratungsunternehmens McKinsey. Demnach ist in Europa der Frauenanteil in Tech-Rollen in den vergangenen drei Jahren von 22 Prozent auf 19 Prozent gesunken. Dabei absolvieren immer mehr Frauen ein MINT-Studium (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik):

Sie stellen mittlerweile 33 Prozent der Bachelor- und 39 Prozent der Doktortitel. Dieses Talent kommt allerdings im Arbeitsmarkt nicht an.

KI killt Einstiegsjobs für Frauen

Dieser Trend ist auch darauf zurückzuführen, dass die Nachfrage nach Einstiegspositionen in den meisten Tech-Job-Bereichen abnimmt. Wachstum entsteht der McKinsey-Studie zufolge vor allem in KI-, Daten- und Analytics-Rollen, die bislang überwiegend von Männern besetzt sind. Der verstärkte Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Unternehmen scheint also auf den Arbeitsmarkt vor allem für die Frauen negative Auswirkungen zu haben.

„KI verändert die Nachfrage nach Tech-Rollen strukturell. Einstiegspfade werden enger, während Positionen wichtiger werden, in denen es um Daten, strategische Entscheidungen und die Kontrolle von KI-Systemen geht“, sagte Melanie Krawina, Co-Autorin der Studie und Associate Partnerin bei McKinsey in Wien.

Die Deutsche Wirtschaft ist unter den Nachzüglern

In der Bitkom-Umfrage bewertet die Wirtschaft die eigene Leistung bei der Frauenförderung kritisch. Zwei Drittel (67 Prozent) sehen Deutschland beim Thema Gleichstellung in IT-Berufen im internationalen Vergleich unter den Nachzüglern. Ganze 17 Prozent glauben gar, die deutsche Wirtschaft habe den Anschluss bereits komplett verpasst.

Die Studie des Digitalverbands Bitkom zeigt allerdings auch, dass in den Chefetagen durchaus ein Problembewusstsein vorhanden ist: 78 Prozent der Firmenvertreter stimmen zu, dass die Wirtschaft ohne Frauen ihre Zukunft verspielt. 65 Prozent sehen in ihnen den Schlüssel, um den IT-Fachkräftemangel zu lindern.

Auch die Vorteile gemischter Teams sind unumstritten: Neun von zehn Unternehmen loben das bessere Betriebsklima, acht von zehn bescheinigen gemischten Teams eine höhere Produktivität und Kreativität.

Vorurteile in zu vielen Unternehmen verankert

Trotz dieser Erkenntnis prägen Vorurteile den Einstellungsalltag: 43 Prozent der Unternehmen geben offen an, Männer seien für IT- und Digitalberufe einfach besser geeignet. Fast die Hälfte (48 Prozent) glaubt, dass solche Berufe Frauen abschrecken.

„Stereotype Rollenbilder sind noch in zu vielen Unternehmen verankert“, kritisierte Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst.

Als größte Bremsklötze für Frauenkarrieren in der IT identifizieren die Unternehmen Hürden beim Wiedereinstieg nach der Elternzeit (50 Prozent) sowie eine mangelnde Sensibilisierung der Führungskräfte (48 Prozent). Zudem klagen 39 Prozent der befragten Firmen über eine „gläserne Decke“, die Frauen trotz gleicher Qualifikation benachteiligt.

Ein weiteres Problem liegt im Betriebsklima selbst: In mehr als jedem dritten Unternehmen (35 Prozent) wird Frauenförderung von Teilen der männlichen Belegschaft als ungerecht empfunden. Generell halten 28 Prozent der Unternehmen Frauenförderung für nicht mehr notwendig.

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