Solaranlage, Wärmespeicher und Energiegenerator in einem Exowatt sammelt Sonnen­ener­gie, speichert und gibt sie 24/7 an Datacenter ab

Von Ulrike Ostler 3 min Lesedauer

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Das US-Unternehmen Exowatt hat modulare, schnell einsetzbare Energiesysteme entwickelt, die Sonnenenergie als Hochtemperaturwärme einfangen, speichern und bei Bedarf umwandeln. Mit dem Flaggschiff des Unternehmens, „P3“, adressiert der Hersteller insbesondere Rechenzentren.

Exowatt fängt Sonnenenergie als Hochtemperaturwärme ein; das ist nach Unternehmensangaben ein Ansatz, der effizient, skalierbar und bereit ist für die Anforderungen von Rechenzentren. (Bild:  Exowatt)
Exowatt fängt Sonnenenergie als Hochtemperaturwärme ein; das ist nach Unternehmensangaben ein Ansatz, der effizient, skalierbar und bereit ist für die Anforderungen von Rechenzentren.
(Bild: Exowatt)

Bis jetzt richtet sich das Angebot hauptsächlich an Kunden in den USA. Sie könnten die P3-Systeme von Exowatt mit oder ohne Anschluss an das Stromnetz installieren, so das Unternehmen. Durch den Einsatz der Systeme 'hinter dem Zähler', also ohne Netzanbindung, ließe sich die Wartezeiten auf den Netzanschluss vermeiden, die sich in einigen Teilen der USA auf mehrere Jahre ausgedehnt hätte. Die Datacenter-Betreiber erhielten so schneller den Strom.

Nach Angaben des Electric Power Research Institute vom vergangenen Jahr entfielen auf die US-Rechenzentrumsbranche im Jahr 2024 rund 21 Gigawatt (GW) an elektrischer Last, und bis 2030 könnten sie sogar 9 Prozent des gesamten Stroms im Netz verbrauchen, konservativ geschätzt wären es 4 Prozent.

Das ruft Investoren auf den Plan. So Beteiligt sich der Risikokapitalarm des Bankriesen HSBC sich zusammen mit einigen der prominentesten Investoren aus dem Silicon Valley und dem Schauspieler Leonardo DiCaprio an einer Finanzierungsrunde über 70 Millionen Dollar für Exowatt, hat das Unternehmen am 22. April dieses Jahres mitgeteilt. Es geht davon aus, dass die ersten Aufträge aus dem 90-Gigawatt-Stunden-Bestand noch in diesem Jahr ausgeliefert werden können.

„Exowatt P3“ wurde entwickelt, um den wachsenden Energiebedarf von KI und hochdichten Rechenumgebungen zu decken. (Bild:  Ecowatt)
„Exowatt P3“ wurde entwickelt, um den wachsenden Energiebedarf von KI und hochdichten Rechenumgebungen zu decken.
(Bild: Ecowatt)

Exowatt-CEO Hannan Happi, äußert: „“Die zusätzliche Finanzierung wird uns dabei helfen, die Kommerzialisierung und den Einsatz unserer Lösung für den Energiebedarf von Rechenzentren zu beschleunigen und unsere Produktionskapazitäten so schnell wie möglich zu erweitern, um die fast unstillbare Nachfrage unserer Kunden nach Energie zu befriedigen.“ Lorbeeren gibt es auch: So hat das Weltwirtschaftsforum Exowatt in die Liste der 100 Unternehmen aufgenommen, die im Jahr 2025 zur „Technology Pioneers Community“ zählen.

In der Kategorie „Next Generation Enegry“ gehört noch Sweetch Energy dazu. Hier geht es um 'sauberen' Strom aus osmotischer Energie , der rund um die Uhr erzeugt werden kann, also aus der Energie, die freigesetzt wird, wenn sich Süßwasser mit Salzwasser vermischt. Nach Angaben des Unternehmens hat die osmotische Energie, die in Deltas und Flussmündungen verfügbar ist, aber auch aus industriellen Ressourcen gewonnen werden kann, das Potenzial, mehr als 15 Prozent des weltweiten Strombedarfs zu decken.

Die Kunden können die P3-Systeme von Exowatt wie erwähnt mit oder ohne Netzanschluss installieren, so das Unternehmen. Denn viele Rechenzentren, die eine schnellere 'Time to Power' anstreben, wie die von Elon Musk geleitete Supercomputeranlage „XAI Colossus“ in Memphis, Tennessee, setzen Hunderte von Megawatt an gasbefeuerten Generatoren hinter dem Zähler ein, anstatt auf einen vollständigen Netzanschluss zu warten (siehe: „AI-Infrastruktur soll massiv wachsen; Trotz Klage investiert XAI zehn Milliarden in KI-Datacenter“.

Aber offensichtlich ist die Gaserzeugung vor Ort dort eine vergleichsweise teure Option, selbst für preisunempfindliche Kunden, argumentiert Happi in einem Interview für seine Solar-Batterie-Alternative. Die durchschnittlichen Kosten begännen bei 4 bis 5 Cent pro Kilowattstunde und könnten je nach Standort auf 8 US-Cent/kWh oder mehr ansteigen.

Die Kosten des Exowatt P3 lägen aber bei etwa 4 US-Cent/kWh, könnten aber auf 1 bis 2 US-Cent/kWh sinken, wenn die jährliche Produktion auf 100 GWh ansteigt, so Happi: „Das ist ein sehr erreichbares Ziel, soweit wir das beurteilen können, und das bei keiner verrückt hohen Produktionsrate.“

Exowatt kontrolliere seine Kosten zum Teil dadurch, dass es sich auf US-Vertragshersteller verlasse, anstatt von Grund auf eigene groß angelegte Produktionsanlagen zu errichten, relativ reichlich vorhandene Materialien für seine Produkte verwende und die Abhängigkeit von China in der Lieferkette minimiere, so Happi.

Die Funktionsweise

Das dreiteilige P3-System kombiniert einen Solarkollektor, eine thermische Batterie und eine Wärmekraftmaschine. Die optischen Linsen des Kollektors leiten die konzentrierte Sonnenenergie in ein firmeneigenes Energiespeichermaterial, das sie bei Bedarf als Strom oder Wärme abgeben kann, erläutert Exowatt auf der Website.

In Happis Worten, die wie er sagt, mit denen er das System einem Fünfjährigen erklären würde, funktioniert das System wie eine riesige Lupe, die einen Felsen sehr heiß macht. Dieser wird mit einer Decke bestückt, um ihn heiß zu halten, bis die Energie gebraucht werde. Seinen Aussagen zu Folge, sind diese Linsen von Exowatt viel effizienter als herkömmliche Sonnenkollektoren, und der Gesamtwirkungsgrad des Systems beträgt 35 Grad bis 40 Grad des anfänglichen Energie-Eingangs.

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Der Vorteil der direkten Speicherung: Die Technik kann rund um die Uhr Strom leifern, jedenfalls in Regionen mit ausreichender Sonneneinstrahlung. Im Gegensatz dazu hättenLithium-Ionen-Batterien - die am schnellsten wachsende Energiespeichertechnologie iheute - einen „Sweet-Spot“ von zwei bis vier Stunden pro Entladungszyklus.

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