Interview mit MdB Dieter Janecek zum Rechenzentrummarkt „Eine Senkung der Stromsteuer ist keine Lösung“
Dieter Janecek ist Mitglied des Deutschen Bundestages und wirtschaftspolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Er sitzt in den Ausschüssen für „Wirtschaft und Energie“ sowie für „Digitale Agenda“. Auf der Kongressmesse „Future Thinking“ hielt er die Laudatio zur Verleihung des Deutschen Rechenzentrumspreis in der Kategorie 5: „Neu gebaute Energie- und ressourceneffiziente Rechenzentren“.
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Auf seiner Website erläutert Janecek, dass sich der Arbeitsbereich im Ausschuss für Wirtschaft und Energie mit den Zuständigkeiten des gleichnamigen Ministeriums deckt. Es ist mit 46 Mitgliedern der größte Ausschuss des Deutschen Bundestages und für alle Aspekte der Energiewende und die damit verbundenen Fragen des Klimaschutzes sowie für das Thema Energie-Einsparung zuständig. Schwerpunkte sind die Regelung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), der Netzausbau und die Energie-Effizienz. Rechenzentren haben ständig damit zu tun, ebenso wie mit den Schwerpunkten des Ausschusses „Digitale Agenda“.
Mit diesem hat der Bundestag zum ersten Mal ein ständiges parlamentarisches Gremium, das sich den „netzpolitischen Themen“ widmet. Es geht fachübergreifend um die verschiedenen Aspekte der Digitalisierung und Vernetzung, insbesondere um die Chancen, und bei Janecek auch für den Klimaschutz und Energie-Effizienz unter der Wahrung der Bürgerrechte als Grundvoraussetzung.
Was hat Sie an dem Deutschen Rechenzentrumspreis und der Kongressmesse fasziniert?

Dieter Janecek: Ganz klar, für mich war das schon Neuland, wenngleich ich mich mit einigen Aspekten, für die Rechenzentren stehen, bereits beschäftigt habe: der Bereitstellung von Daten und neue Energietechnik. Dass ich den Preis in der Kategorie „Neu gebaute Energie- und ressourceneffiziente Rechenzentren“ vergeben durfte, fand ich gut. Hier habe ich mich wiedergefunden, weil es darum ging, wie effizienter mit Energie umgegangen werden kann.
Aber: Ich finde mich in die Thematiken ein. So habe ich etwa das Leibniz-Rechenzentrum der Bayerischen Akademie der Wissenschaften auf dem Garchinger Forschungscampus besucht, „CooLMUC-2“, in dem mit warmem Wasser gekühlt wird und die Firma Thomas-Krenn AG, in Freyung. Deren Technik „Hot-Fluid-Computing“ scheint sehr vielversprechend zu sein.

Sie sind ordentliches Mitglied im Digitalausschuss – Rechenzentren kommen derzeit nicht einmal als Begriff in der Digitalen Agenda vor.
Dieter Janecek: Das stimmt. Das Thema ist unterbelichtet.
Welche Rolle sollten denn Datacenter am Standort Deutschland spielen?
Dieter Janecek: Nun ja, eigentlich können Rechenzentren überall auf der Welt stehen, doch aus einem Sicherheitsdenken, aus Vertrauensgründen wollen die Kunden sie lieber in Deutschland. Zugleich haben wir hierzulande die Chance zu zeigen, dass wir in Bezug auf die Rechenzentrumstechnik die Fortschrittlichsten sein können. Der Raum Frankfurt ist ein Beweis dafür, dass das funktioniert.

Im Vergleich zum Ausland, auch im Vergleich zu unseren europäischen Nachbarn, ist der Strompreis unglaublich hoch. Da Rechenzentren große Stromfresser sind, Tendenz steigend, der Strompreis, insbesondere durch die EEG-Umlage, ebenfalls steigt, funktioniert eine Ansiedlung in und ein Binden des Zukunftsmarkts an den Standort Deutschland nur, solange die Wirtschaft insgesamt brummt.
Dieter Janecek: Es geht um eine langfristige Planung. In einigen Jahren wird der Energiepreis wieder sinken. Schon jetzt sind die Erzeugerpreise sensationell günstig und der Preisanstieg moderat. Selbst die EEG-Umlage steigt kaum. Im Moment bewegen wir uns auf einem stabilen Plateau.
Was heißt „in einigen Jahren“?
Dieter Janecek: Mitte der 20er Jahre. Ab 2020 laufen nämlich die jetzt noch geltenden Verträge mit den Stromversorgern aus, die den Ausstieg aus Atomkraft und fossiler Energie verteuern.
Allerdings wird jetzt in den Bau und Ausbau von Rechenzentren investiert, vor allem von großen Investoren, Providern und Betreibern aus den USA und Asien - und für diese Investitionen steht Deutschland im Wettbewerb mit anderen Ländern.

Dieter Janecek: Ein Senken der Stromsteuer ist keine Lösung der Problematik und trifft auch nicht die deutsche Stärke; Deutschland hat nun einmal keine unendlichen Ressourcen für Wasserkraft wie Schweden und Island beispielsweise.
Hierzulande jedoch ist die Innovationskraft hoch – konzeptionell sowie in der Umsetzung von Energie-Effizienz, zum Beispiel bei der Kühlung. Hier ließen sich eventuell noch mehr Anreize schaffen, auch bei der Nutzung von Eigenstrom und der Abwärme.
Haben Sie bereits gezielte Maßnahmen oder gar Techniken im Blick?
Dieter Janecek: Techniken? Nein. Das muss der Markt regeln. Doch eventuell muss der Forschung und Entwicklung ein anderer Rahmen gegeben werden. Wir Grüne setzen uns insbesondere für die Forschungsförderung im Mittelstand ein.
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