Mega! Mega-groß, mega-teuer, Mega-Energiebedarf Ein Rechenzentrum mit 500 Megawatt?!

Von Ulrike Ostler 3 min Lesedauer

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Die Gerüchte verdichten sich: NTT Global Data Centers soll im Niersteiner „Rhein-Selz-Park“ ein Rechenzentrum bauen wollen. Angedacht sei eine Kapazität von 500 Megawatt. Bestätigt ist nichts.

Das KI-Bild, reine Erfindung, zeigt ein Rechenzentrum mitsamt zahlreicher Kühlanlagen und Strominfrastruktur; denn dafür müsste sich NTT Global Data Centers Nierstein einiges einfallen lassen. (Bild:  Komplett KI-generiert (ChatGPT))
Das KI-Bild, reine Erfindung, zeigt ein Rechenzentrum mitsamt zahlreicher Kühlanlagen und Strominfrastruktur; denn dafür müsste sich NTT Global Data Centers Nierstein einiges einfallen lassen.
(Bild: Komplett KI-generiert (ChatGPT))

Inzwischen berichtet der Südwestfunk (SWR), die „Allgemeine Zeitung“ und der „Merkurist Mainz“ über die Baupläne. Die letztgenannte Publikation mutmaßt eine Mindestinvestionssumme von 5 Milliarden Euro. Es handelt sich bei dem Gelände um eine ehemalige amerikanische Kaserne.

Um einmal Größenordnungen zu nennen: Man benötigte derzeit zwischen 100 und 250 Windenergie-Anlagen, um eine Leistung von 500 MW zu erzeugen, abhängig von der individuellen Kapazität der Windenergieanlagen, wenn man von einer Leistungskapazität zwischen 2 MW und 5 MW pro Anlage ausgeht.

Mit 500 MW, die Leistung eine kleinen Atomkraftwerks (300 bis 700 Megawatt) könnte man etwa 1.168.000 Haushalte versorgen, bei einem angenommenen Verbauch in einem typische deutschen Haushalt von 3.500 bis 4.000 Kilowattstunden (kWh) pro Jahr beziehungsweise bei einem Mittelwert von 3.750 kWh pro Jahr. Allerdings benötigen große Aluminiumhütten leicht 500 Megawatt oder mehr an Strom, um den Prozess der Elektrolyse von Aluminiumoxid zu betreiben.

Auch Stahlwerke brauchen erhebliche Mengen an Energie, insbesondere wenn sie auf elektrische Lichtbogenöfen angewiesen sind, die Strom verwenden, um Schrottmetall zu schmelzen. In der Größenordnung leigen auch Chemische Produktionsanlagen, insbesondere solche, die komplexe Prozesse zur Herstellung von Kunststoffen, Düngemitteln und anderen Chemikalien durchführen , und schließlich Ölraffinerien, die Rohöl zu Benzin, Diesel und anderen Produkten verarbeiten, sowohl in Form von Elektrizität als auch in Form von Prozesswärme.

500.000 Quadratmeter

Das Vorhaben von NTT Global Data Centers bestätigen könnten der Rechenzentrumsbetreiber selbst, die Rhein-Selz-Park-Investoren, etwa Wolfram Richter. Nach Angaben des SWR hatte der Mainzer Investor Richter 2014 das Ex-Kasernen-Gelände übernommen. Und seither habe es „Streit, Uneinigkeit und jede Menge Missverständnisse“ gegeben.

Doch alle hüllen sich bis jetzt weitgehend in Schweigen, wenngleich Jochen Schmitt, der Niersteiner Bürgermeister, am Mittwochabend bekannt gegeben hat, dass im Westteil des Geländes ein Rechenzentrum gebaut werde. Es handelt sich um eine 500.000 Quadratmeter große Fläche, die verkauft werden soll. darauf haben sich die Rhein-Selz-Park GmbH geeinigt. Ihr gehören Richter, dessen Frau sowie Vertreter der Stadt Nierstein und der Verbandsgemeinde Rhein-Selz an.

Der Investor, den man gefunden habe, müsse zusätzlich zum Kaufpreis Erschließungskosten tragen. Laut Ottmar Knußmann, der mit Richter für die Vermarktung des Rhein-Selz-Parks, das zurzeit größte Konversionsprojekt in Rheinland-Pfalz, verantwortlich ist, koste dies mehrere 100.000 Euro, so der SWR. Der Sender fügt hinzu: „Neben dem Bau einer Kläranlage müssten unter anderem auch weitere Stromleitungen gelegt werden, um den enormen Energiebedarf eines Rechenzentrum zu decken.“

Neugründung

Inwieweit NTT Global Data Centers bereits involviert ist und ob der Datacenter-Campus, der entsteht, ausschließlich von diesem Co-Location-Betreiber besiedelt wird, ist unbekannt. Allerdings gibt es die NTT Global Data Centers Nierstein GmbH bereits, nachzulesen etwa bei Creditreform. Als Firmenzweck ist angegeben: Gründung von Gesellschaften sowie der Erwerb, das Halten, die Verwaltung und die Veräußerung von Grundstücken und Beteiligungen an Gesellschaften, deren Gegenstand insbesondere der Betrieb und das Management von Rechenzentrumsflächen ist, jeweils im eigenen Namen und auf eigene Rechnung, nicht als Dienstleistung für Dritte.“

Die letzte Änderung im Handelsregister ist am 05.April 2024 erfolgt. Das Unternehmen mit Sitz in Hattersheim wird laut Eintrag derzeit von sieben Managern geführt. Es sei ein Gesellschafter an der Unternehmung beteiligt.

Wie die AZ berichtet, soll das Gelände innerhalb der kommenden zwei Jahre auf den Bau vorbereitet werden. Außerdem müsse die Stadt noch den Flächennutzungsplan ändern und einen Bebauungsplan erstellen.

Am 7. Juli muss der Niersteiner Stadtrat dem Projekt zunächst einmal zustimmen.

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