Der SAP-Historiker Michael Zipf hat die Erfolgsgeschichte seines Unternehmens in einem Jubiläumsbuch zusammengefasst. Es ist ein Meisterwerk voller großer Geschichten und kleiner Anekdoten. Ich habe viel daraus gelernt.
Der SAP-Historiker Michael Zipf hat die Erfolgsgeschichte seines Unternehmens in einem Jubiläumsbuch umfassend beschrieben. Im Bild die SAP-Gründer Klaus Tschira, Hasso Plattner, Dietmar Hopp und Hans-Werner Hector (v.l.n.r.).
Als Jungredakteur bei Burda Media in München-Schwabing, sollte ich plötzlich über IT-Themen schreiben – E-Commerce, Unified Messaging und Elektronische Marktplätze. Und der Dauerbrenner: Das Jahr-2000-Problem. Es war zu befürchten, dass viele Computer den Sprung ins neue Jahrtausend nicht schaffen. In den apokalyptischen Szenarien stürzten Flugzeuge ab, blieben Fahrstühle stecken, standen Fabriken still, wurden Milliarden sensibler Daten einfach gelöscht und die Stromversorgung der Metropolen lahmgelegt. Wie wir wissen, lief alles glimpflich ab.
Dann ging es an die richtig großen Themen. Ich erhielt den Auftrag, für die Unternehmensberatung Plaut AG in Ismaning bei München über ein ambitioniertes „SAP R/3“-Projekt zu schreiben. Ich hatte einen Heidenrespekt vor der Aufgabe. Ich rief daher nach Hilfe beim Chefredakteur, aber der hatte keine Zeit. Er sagte nur: Du machst das schon!
Es war meine Feuertaufe, der Artikel gelang. Ich leckte Blut, schrieb von da an über Zukunftsthemen im Umfeld von Siemens, Microsoft und IBM. Ich recherchierte oft bis abends um acht Uhr und interviewte Technologie-Spezialisten und IT-Berater. Plötzlich machte es Spaß, über Software zu schreiben. Das war 1998, also vor einem Vierteljahrhundert.
50 Jahre
Doppelt so alt ist die SAP im vergangenen Jahr geworden. Das war Anlass genug, alle Geschichten aus dem Archiv zu holen und in ein dickes Jubiläumsbuch zu packen. Nun durfte ich dieses umfangreiche Album durchblättern, das der SAP-Historiker Michael Zipf federführend erstellt hat, zusammen mit zahlreichen Autoren.
Beeindruckt hat mich das Weltunternehmen aus Walldorf schon immer. Die Software-Industrie zählt zu den Zukunftsbranchen, die vermutlich auch in zehn Jahren noch ein deutliches Wachstum haben werden. SAP gehört zu den wertvollsten IT-Unternehmen der Welt und ist meist das einzige deutsche Unternehmen in diesen Rankings.
Dieses Buch erklärt das Faszinierende an SAP in vielen großen Geschichten, kleinen Facetten und menschlichen Anekdoten. Michael Zipf ist meiner Meinung nach mit seinem Buch ein echtes Meisterwerk gelungen! Bei der Lektüre dachte ich manchmal: SAP-Historiker – das muss doch ein schöner Job sein! Aber das Werk blickt nicht nur zurück, sondern auch voraus: auf die Vision einer Zukunft, in der sich der Erfindergeist kluger Köpfe mit der Intelligenz betriebswirtschaftlicher Software verbinden soll. Ich bin gespannt.
Ohne ICI hätte es keine SAP gegeben.
SAP-Gründer Dietmar Hopp über den ersten Kunden 1972
SAP, das war am Anfang der mühsame Weg von der Lochkarte zu einem Realtime-System, das Zugriffe von vielen Bildschirm-Arbeitsplätzen aus erlaubte – und das in Echtzeit. Hermann Meier, der EDV-Manager des Nylon-Faser-Werkes des globalen Chemiekonzerns Imperial Chemical Industries (ICI) in Östringen (Landkreis Karlsruhe) war der Türöffner. Er rief die damaligen IBM Manager Dietmar Hopp und Hasso Plattner zu Hilfe, um die Abläufe in Einkauf, Materialwirtschaft und Rechnungsprüfung zu verbessern.
Am 1. April 1972 gründeten Hopp und Plattner zusammen mit Klaus Tschira, Claus Wellenreuther und Hans-Werner Hector die Firma SAP. ICI hatte dem jungen Start-Up die Zusage über den ersten Auftrag im Wert von 638.000 Mark gegeben. „Damit konnten wir unsere Familien ernähren und noch zwei Mitarbeiter einstellen“, sagt Hopp im Buch-Artikel von Zipf.
Neun Monate später stellte ICI um, auf das neue Informations- und Abrechnungssystem der SAP. Dieses Programm war die Ausgangsbasis für die späteren, verbesserten R-Module (Realtime), die in den folgenden Jahren den Aufstieg der SAP zum Weltmarktführer für Unternehmenssoftware begründeten.
1993 triffr Bill Gates (li.) Hasso Plattner in München: Ein Kooperationsabkommen wird geschlossen, um das System R/3 auf Windows NT zu portieren.
Warum erzähle ich das alles? Es gibt eine starke Verbindung: CBS Corporate Business Solutions wurde von ehemaligen Beratern der SAP gegründet und arbeitet sehr eng mit der SAP-Produktentwicklung zusammen. Der Fokus auf SAP gehört zu unserem Markenkern.
Als SAP Gold Partner bedienen wir das komplette Produktportfolio der Walldorfer. Und starke Partner wie CBS führen 80 Prozent der Projekte durch. Laut IDC soll der von den SAP-Partnern erzielte Erlös im Jahr 2024 auf satte 260 Milliarden Dollar anwachsen. Das entspricht etwa dem Bruttosozialprodukt einer Nation wie Tschechien.
Stand: 08.12.2025
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Arbeitsteilung – ein kluger Schachzug von SAP, schon 1979. Erste wichtige Partner waren besagte Plaut AG und das berühmte EDV-Studio Ploenzke, die Anfang der 80er noch das Großrechnersystem R/2 bei den Kunden einrichteten. Auch mit diesem Unternehmen, das in Wiesbaden residierte, durfte ich später länger zusammenarbeiten, nachdem es bereits mit der US-Firma CSC verschmolzen war.
Inspiratoren und Wegbegleiter
Man lernt und erfährt beim Lesen so einiges: Über das Dreamteam Hopp-Plattner, den 2015 verstorbenen Mitgründer Klaus Tschira, der wirklich ein cooler, nahbarer und sehr humorvoller Typ gewesen sein muss und manchmal sogar spontan als Taxi-Chauffeur für gestrandete Mitarbeiter einsprang, und über das bahnbrechende „System F“ von Claus Wellenreuther.
Wir begegnen dem Indien-Kenner Harald Martin, dem USA-Pionier Heinz Roggenkemper, Silicon-Valley-Insider Thomas Arend, dem leidenschaftlichen „ABAP“-Papst Harald Kuck und den Steampunkern. Michael Zipf lässt auch Vordenker wie Christian Boos und Gunther Rothermel nicht aus, ebenso viele Mitarbeiter wie Shiny Victoria, Carmen Fernandez, Bodo Hesse und Simon Carpenter.
Und er widmet sich natürlich der langen Geschichte der globalen Firmenmesse „Sapphire“ als „Woodstock der IT-Industrie“. Sie gastierte sogar auch mal in Lissabon, Wien, Brisbane und Berlin. Und: Jetzt weiß ich auch endlich, wofür der Messe-Name „Sapphire“ ursprünglich steht: SAP Productive Highly Interactive R/2 Exchange.
Beeindruckende Zahlen
Viele imposante Zahlen sind es. Heute sind 99 der 100 größten Unternehmen SAP-Kunden. SAP verfügt über 405 Gebäude in 81 Ländern. Die Belegschaft stammt aus mehr als 150 Nationen. Zwischen 1992 und 1996 wuchs sie von 3.150 auf über 10.000.
Die skurrilste Zahl findet sich übrigens ganz hinten. Im Jahr 1986 hatte sich die SAP ihren ersten Großrechner angeschafft. Seine Speicherkapazität: 64 MB. Ich bin immer noch nicht ganz sicher, ob diese Zahl wirklich stimmt. Denn das würde ja heute nicht einmal reichen, um ein kleines Unternehmensvideo von Drei-Minuten-Länge zu archivieren.
* Erik Wegener ist Senior Communications Manager bei der Unternehmensberatung CBS Corporate Business Solutions.
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