Ist das ohne 2N zertifizierbar? Teil 2 Datacenter-Hochverfügbarkeit ohne Redundanzballast

Ein Gastbeitrag von Ulrich Föll* 2 min Lesedauer

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Ein Verzicht auf 2N-Systeme ruft in Deutschland häufig Skepsis hervor. Nicht selten begegnet man dem Argument: „Das lässt sich doch nicht zertifizieren!“ Dahinter steht oft die tief verwurzelte Haltung, Risiken durch technische Redundanz maximal abzusichern, auch bekannt, als die viel zitierte „German Angst“.

Bisher gilt Redundanz, also mindestens eine nomalige Absicherung der Verfügbrkeitsinfrastruktur durch doppelte Stromzuleitungen, zweifache Zuleitungswege, Sicherungen im und außerhalb des Whitespace ....  als das A- und O der Verfügbarkeit. Doch kostensparend ist das ganz und gar nicht. (Bild: ©  ullrich - stock.adobe.com)
Bisher gilt Redundanz, also mindestens eine nomalige Absicherung der Verfügbrkeitsinfrastruktur durch doppelte Stromzuleitungen, zweifache Zuleitungswege, Sicherungen im und außerhalb des Whitespace .... als das A- und O der Verfügbarkeit. Doch kostensparend ist das ganz und gar nicht.
(Bild: © ullrich - stock.adobe.com)

Die Rahmenbedingungen haben sich geändert. Moderne Rechenzentren stehen unter dem Druck, technische, wirtschaftliche und energetische Anforderungen gleichzeitig zu erfüllen. Das verlangt neue Wege. Und die sind zertifizierbar.

Technisch reif und planbar

Die Erfahrung zeigt: Systeme wie Hexagonal- oder N+1-Architekturen sind technisch ausgereift und weisen äußerst geringe Ausfallraten auf. Wartungszyklen sind etabliert, der präventive Austausch kritischer Komponenten, zum Beispiel ist Standard, was die Ausfallsicherheit auf das derzeitig hohe Niveau hebt.

Gleichzeitig geraten klassische Systeme an ihre Grenzen:

  • Die Leistungsdichte pro Rack steigt.
  • Der hohe Platzbedarf für 2N-Strukturen ist bei knappen Grundstücken nicht vertretbar.
  • Der PUE-Wert lässt sich nur durch hohe Auslastung verbessern, was mit 2N schwierig ist.
  • Die Wirtschaftlichkeit steht im Fokus insbesondere bei Multi-Megawatt-Standorten.

Zertifizierung auch ohne 2N

Die zentrale Frage lautet: Lässt sich mit N+1 oder Hexagonal-Systemen eine EN 50600 oder TSI-Zertifizierung erreichen? Die klare Antwort lautet: Ja, wenn richtig geplant.

Auch 2N-Alternativen lassen sich zertifizieren. (Bild:  DC-CE RZ-Beratung GmbH & Co. KG)
Auch 2N-Alternativen lassen sich zertifizieren.
(Bild: DC-CE RZ-Beratung GmbH & Co. KG)

Erfolgreiche Projekte zeigen, dass alternative Redundanzkonzepte zertifizierbar sind, sofern der Zertifizierer frühzeitig eingebunden wird. Bereits in der Designphase sollten die Anforderungen transparent abgestimmt und dokumentiert werden. Dann ist der Weg frei für:

  • zertifizierte Versorgungssicherheit ohne 100prozentige Redundanz,
  • modulare Erweiterbarkeit und
  • kosteneffiziente Umsetzung

Praxisbeispiele bestätigen es

Hexagonalsysteme, 3-aus-4-Konzepte oder IP-Bus-Architekturen sind bereits in zahlreichen Projekten nach gängigen Standards zertifiziert worden – national wie international. Die Erfahrung zeigt: Entscheidend ist nicht das Redundanzprinzip allein, sondern die dokumentierte Wirksamkeit im Fehlerfall und ein schlüssiges Designkonzept.

*Der Autor
Ulrich Föll ist Projektleiter Elektrotechnik bei der DE-CE RZ-Beratung GmbH & Co. KG. Sein Fazit lautet:Auch ohne klassische 2N-Architektur lässt sich Hochverfügbarkeit umsetzen und zertifizieren. Der Schlüssel liegt in der Kombination aus technischer Reife, strukturiertem Design und transparenter Kommunikation mit den Zertifizierungsstellen. Wer den Mut hat, neue Wege zu gehen, kann nicht nur wirtschaftlich profitieren, sondern auch nachhaltiger und flexibler bauen.

Bildquelle: DE-CE RZ-Beratung GmbH & Co. KG

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