Digital Realty errichtet in Frankfurt-Fechenheim elf Rechenzentren für 200 Megawatt Leistung, fünf davon mitten im denkmalgeschützten ehemaligen Neckermann-Hauptquartier. Volker Ludwig, SVP und Managing Director für Deutschland, Österreich und die Schweiz bei Digital Realty, berichtet, wie die digitale Kleinstadt mit eigener Stromtrasse, Wärmepumpen und Abwärmeleitung entsteht.
Insgesamt 11 Rechenzentren mit einer Gesamtrechenzentrumsfläche von rund 90.000 Quadratmetern von Digital Realty sollen auf dem Gelände Platz finden. Drei sind bereits in Betrieb, erkennbar an den Rückkühlern auf den Dächern, eins davon im 256 Meter langen und 62 Meter breiten sogenannten Eiermann-Gebäude.
(Bild: Digital Realty)
„Das ist wie eine kleine Stadt, was wir da bauen“, zieht Ludwig einen Vergleich. „Das muss man sich schon vorstellen“. Und wirklich klein ist die künftige Digitalstadt auch nicht: Auf dem Gelände der ehemaligen Neckermann-Zentrale errichtet der Großanbieter von Co-Location-Kapazitäten Digital Realty gerade einen Campus aus elf Rechenzentren auf 90.000 Quadratmetern, Das entspricht etwa zwölf Fußballfeldern. Dazu koordiniert Digital Realty 83 ausführende Unternehmen mit über 500 Bauarbeitern in Spitzenzeiten.
Eine besondere Herausforderung: das denkmalgeschützte, 257 Meter lange Versand- und Bürohaus, das 1958 bis 1961 nach dem Projekt des Architekten Egon Eiermann errichtet wurde. Hier soll hinter Eiermanns markanten – und nun revitalisierten – Großfenstern, Gebäude-Umgängen und Außentreppen, so Ludwig, „das erste denkmalgeschützte Großrechenzentrum“ in Deutschland entstehen.
Genauer gesagt werden ganze fünf Rechenzentren Platz im Denkmalgebäude finden. Sechs freistehende Neubauten entstehen zugleich an der Südseite des Areals. Drei der elf Rechenzentren (eines davon im Eiermann-Gebäude) sind bereits in Betrieb und auch bereits mit Kunden gefüllt.
Am 14. Juli haben sich Volker Ludwig, SVP und Managing Director DACH bei Digital Realty, und Ulrike Ostler, Chefredakteurin DataCenter-Insider, im virtuellen Studie getroffen.
(Bild: uo/Vogel IT-Medien GmbH)
Erschienen ist die Folge #53 der DataCenter Diaries: „Es sollen 11 Rechenzentren und zwei Denkmalshutzprojekte, 2 Umspannwerke und Wäremepumpen sein: Das Mammutprojekt von Digital Realty - Volker Ludwig bleibt cool“ . In der Folge diskutieren Volker Ludwig und Ulrike Ostler eingehend die Erfahrungen von Digital Realty bei der Planung und Errichtung des 'Digitalparks Fechenheim'.
Zudem im Podcast:
Wie koordiniert man 83 Bauunternehmen zugleich?
Wie gewährleistet Digital Realty die Sicherheit der Baustelle und der laufenden Rechenzentren?
Aber auch: Nimmt der Wettbewerb zwischen Co-Location-Anbietern in Frankfurt zu?
Wo expandiert Digital Realty weiter in Deutschland?
Und welche Kunden jenseits der Hyperscaler bestimmen das Co-ocation-Wachstum?
Zu den Rechenzentrumsgebäuden von Digital Realty in Frankfurt-Ferchenheim auf dem ehemaligen Neckermann-Gelände gehört auch die Umgestaltung des von Egon Eiermann entworfenen Gebäudes. Die Außenhaut ist erhalten. Neu ist der Aufsatz, der die Rückkühler für die geplanten fünf Rechenzentren im Inneren verdeckt.
(Bild: Digital Realty)
Rund zwölf Meter Geschossfläche hinter der Fassade wurden so in Abstimmung mit dem Denkmalschutz erhalten, für Ludwig eine weitere „wichtige Form der Nachhaltigkeit“. Hier werden Büroflächen, Lagerräume und Teile der Datacenter-Versorgung untergebracht. Hinter der Hülle wurden dann sorgfältig die fünf Rechenzentren errichtet – als autarke Gebäude, aber mit dem Bestandsbau verbunden.
Aus diesem Grund bargen insbesondere verschiedene Geschosshöhen bauliche Herausforderungen, während in einigen Bereichen die Deckenlast schon während der Bauarbeiten erhöht oder zuvor unbekannte Asbestreste beseitigt werden mussten. „Wer mal zu Hause renoviert hat, weiß, welche Überraschungen man erst sieht, wenn man schon beim Arbeiten ist“, lächelt der Digital Realty-SVP.
Selbstgebaute Stromtrasse ist effizienter
Eine ebenbürtige Aufgabe: die Verlegung angemessener Netzanschlussleitungen für die geplanten 200 Megawatt IT-Leistung in den Rechenzentren des Digitalparks Fechenheim. Eine 16 Kilometer lange Trasse hat dafür Digital Realty ab dem Umspannwerk in der Stadt Karben zum Digitalpark gebaut – in Eigenregie, wie Ludwig betont.
„Seinerzeit haben Prognosen der lokalen Energieversorger eine viel spätere Stromlieferung vorgesehen. Um den Business Case wirtschaftlicher zu machen, haben wir dann diese Stromtrasse selbst von Karben nach Frankfurt gebaut“, verdeutlicht Ludwig.
Die Rechenzentren werden mit Strom versorgt aus zwei Umspannwerken auf dem Gelände in Ferchenheim sowie mit eigens verlegten Stromkabeln. Sie liegen in einem Graben, entlang einem der bereits in Betrieb genommenen Rechenzentren, der einem Tunnelbau gleicht. Die Aufnahme entstand im Oktober 2023 vom Dach des Eiermann-Gebäudes aus.
(Bild: uo/ Vogel IT-Medien GmbH)
Den Betrieb der Leitungen mit 300 Megavoltampere elektrischer Scheinleistung wird allerdings ein Netzbetreiber im Rahmen einer Partnerschaft übernehmen. Bei zwei lokalen Umspannwerken, neuen Straßen, den für Wartungsarbeiten groß genug dimensionierten Tunneln mit Glasfaser- und Stromleitungen zwischen den Rechenzentren und anderen Bestandteilen der Infrastruktur erscheint Ludwigs Metapher einer autarken Stadt durchaus stimmig.
Eigene Wärmepumpen für die Abwärmenutzung
Teil dieser Digitalstadt werden auch mehrere Großwärmepumpen sein, welche Digital Realty ebenfalls selbst errichtet hat. In einer ersten Phase sollen die Rechenzentren 2,5 Megawatt Wärme über eine eigene Leitung zur Heizung eines Möbelhauses sowie mehrerer Büro- und Lagerflächen in der gewerblich genutzten zweiten Hälfte des Neckermann-Areals liefern. Da dabei kein öffentlicher Grund gekreuzt wird, muss sich Digital Realty auch nicht um Regulierungen für Wärmelieferanten sorgen.
Stand: 08.12.2025
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Ludwig ist zugleich auch gegenüber einer künftigen Abwärme-Abgabe an das von Mainova betriebene Fernwärmenetz Frankfurts aufgeschlossen. Bislang reicht dieses allerdings nicht bis Fechenheim. Mainova hat momentan den Anschluss des nahegelegenen Biomassekraftwerks Fechenheim an das Wärmenetz ausgeschrieben, ist aber laut Ludwig noch in Gesprächen über die Abwärmenutzung an verschiedenen Digital Realty-Standorten in Frankfurt.
Mit drei bereits in Betrieb genommenen Rechenzentren sowie der umfassenden Strom- und Abwärme-Infrastruktur ist der Digital Realty-SVP aber schon heute „sehr stolz auf das, was wir bereits erreicht haben. Es haben uns auch viele gesagt, wie schwierig das alles ist und dass sie es nicht gemacht hätten“.
Wäre die ganze Komplexität des Projektes schon im Voraus klar gewesen, hätte Digital Realty es nochmal angegangen? „Ich mag Herausforderungen“, betont Ludwig, „und wenn wir fertig sind, finden wir uns die nächste. Da bin ich mir sicher.“