Haushaltssanierung durch Rechenzentrumsinvestition AWS-Rechenzentrum soll Schöneck aus der Schuldenkrise führen

Von Paula Breukel 2 min Lesedauer

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Während Bund und EU über digitale Souveränität diskutieren, setzt eine kleine hessische Gemeinde auf einen US-Hyperscaler: Der Verkauf eines Gewerbegrundstücks an Amazon Web Services soll Schöneck entschulden und den Haushalt langfristig stabilisieren.

Innenansicht der „Spheres“ am Amazon-Hauptsitz in Seattle: Der Konzern schafft sich tropische Bürowelten und wächst weiter in den Himmel, während Kommunen wie Schöneck auf den Verkauf von Flächen an AWS setzen, um ihre Haushalte zu entlasten.(Bild:  Amazon)
Innenansicht der „Spheres“ am Amazon-Hauptsitz in Seattle: Der Konzern schafft sich tropische Bürowelten und wächst weiter in den Himmel, während Kommunen wie Schöneck auf den Verkauf von Flächen an AWS setzen, um ihre Haushalte zu entlasten.
(Bild: Amazon)

Schöneck im Main-Kinzig-Kreis liegt nordöstlich von Frankfurt, zählt gut 12.000 Einwohner, große Gewerbeansiedlungen gibt es bisher kaum, der finanzielle Spielraum der Kommune ist entsprechend begrenzt. Der Haushaltsvollzugbericht diesen Jahres zeigt, wie eng die Lage der Kommune tatsächlich ist.

Für 2025 rechnet Schöneck mit einem Jahresergebnis von minus 2,27 Millionen Euro. Erst vor wenigen Tagen wurde bekanntgegeben, dass der Main-Kinzig-Kreis und seine Kommunen zusammen mehr als 21 Millionen Euro Soforthilfe vom Land erhalten.

Milliardendeal mit Amazon Web Services soll Abhilfe schaffen

In diese Situation hinein fällt die Entscheidung für einen der größten Cloud-Anbieter der Welt. Amazon Web Services (AWS) erhält im Bieterverfahren der Gemeinde den Zuschlag für ein rund sieben Hektar großes Grundstück im Gewerbegebiet Kilianstädten Nord II. Dort plant das Unternehmen den Bau eines Rechenzentrums und kündigt Investitionen von mehr als einer Milliarde Euro an. Parallel verfolgt AWS ein weiteres Datacenter-Projekt im benachbarten Maintal.

Bürgermeisterin Carina Wacker von der CDU bestätigt, dass AWS als Investor ausgewählt wurde. Auf Wunsch des Unternehmens blieb der Name zunächst unter Verschluss, inzwischen liegt das Einverständnis zur Nennung vor. Die Erschließung des Areals ist angelegt, die Zufahrt über einen bestehenden Kreisel ist gesichert. Doch ein genauer Baubeginn steht noch nicht fest.

Verkaufserlös soll Schulden abbauen und Reserven bilden

Der Kaufpreis für das Areal spielt eine zentrale Rolle in der Finanzstrategie der Gemeinde. Wacker stellt in Aussicht, mit den Mitteln aus dem Grundstücksverkauf zunächst Schulden zu tilgen und den verbleibenden Millionenbetrag so anzulegen, dass Schöneck über einen Zeitraum von 30 bis 50 Jahren zusätzliche Erträge erzielt. Ziel ist eine stabile Haushaltslage, die auch künftige Investitionen in Infrastruktur ermöglicht.

Von den ursprünglich zehn Hektar, die für ein Rechenzentrumsprojekt vorgesehen waren, verbleiben drei Hektar für weitere Gewerbeansiedlungen. Die Bürgermeisterin hebt hervor, dass die Gemeinde für das Datacenter die notwendige Stromkapazität sichern konnte; andere Kommunen müssten auf solche Zusagen oft lange warten.

Energie, Windpark, aber begrenzte Abwärmenutzung

Schöneck verfügt bereits über Erfahrung mit energieintensiver Infrastruktur. Seit 2009 steht an der südlichen Peripherie des Ortsteils Kilianstädten ein Windpark. Zunächst mit sieben Anlagen, 2013 um zwei weitere ergänzt. Die jährliche Stromproduktion liegt bei rund 37 Gigawattstunden.

Für das Rechenzentrum hat die Gemeinde die elektrische Anschlussleistung frühzeitig gesichert. Eine Vorstudie des Energieversorgers EAM kommt jedoch zu dem Ergebnis, dass ein Nahwärmenetz zur Nutzung der Abwärme derzeit wirtschaftlich nicht trägt. Wacker hält eine spätere Lösung für möglich, wenn sich im Umfeld weitere Gewerbetreibende ansiedeln und zusätzliche Leitungen gebaut werden.

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