Die RWE Supply & Trading GmbH (RWEST) optimiert neuerdings den Probebetrieb der Netzersatzanlagen des IT-Spezialisten Arvato Systems im Headquarter Gütersloh. Auf diese Weise entlasten die Ostwestfalen nicht nur die Umwelt, sie erzielen nebenbei auch attraktive Erträge.
Das „Data Center 3“ von Arvato Systems - links daneben, im Hintergrund, das flachere Gebäude beherbergt die Notstromaggregate.
(Bild: Arvato Systems)
Auch wenn - wie bei Arvato Systems - kontinuierlich umfangreiche Maßnahmen rund um das Thema Energie-Effizienz umgesetzt werden: Rechenzentren verbrauchen viel Strom. Und das wirkt sich nicht zuletzt auf die Menge der Treibhausgasemissionen aus und ist zudem teuer.
Was weniger bekannt ist: Die Notstromaggregate von Datacenter können optimiert und deutlich effizienter betrieben werden. Und nebenbei lassen sich zudem noch attraktive Erträge erzielen. Wie diese Win-Win-Situation konkret funktioniert, zeigt aktuell der IT-Spezialist und Rechenzentrumsbetreiber Arvato Systems mit Hilfe der RWE Supply & Trading GmbH (RWEST), der Energiehandelstochter der Essener RWE AG.
In Summe stellt die Kooperation zwischen Arvato Systems und RWEST eine aus ökologischer, betriebswirtschaftlicher, volkswirtschaftlicher und netzdienlicher Sicht äußerst sinnvolle Lösung dar. Diese kann ohne Frage als Blaupause für die Vermarktung weiterer Aggregate dienen.
Ganz konkret betreibt Arvato Systems am Headquarter Gütersloh Rechenzentren mit redundanter Netzanbindung. Für den Fall von Unterbrechungen beider Versorgungslinien der Stromversorgung aus dem öffentlichen Netz (hier setzt Arvato Systems ausschließlich auf Ökostrom) werden Notstromaggregate zur zusätzlichen Absicherung vorgehalten. Diese müssen mindestens einmal monatlich getestet werden, um deren ordnungsgemäße Funktionsfähigkeit nachzuweisen.
Kein sinnloses Verballern
Arvato Systems und RWEST haben vor kurzem eine Vereinbarung mit dem Ziel geschlossen, die Probeläufe eines Teils dieser Netzersatzanlagen fortan durch RWEST zeitlich zu flexibilisieren und zu optimieren. Gemeinsames Ziel: Das Potenzial der Notstromaggregate nutzen, indem sie nachhaltiger und wirtschaftlicher eingesetzt werden.
Klar ist: Da das Konzept von RWEST darauf basiert, dass die vorgegebenen Betriebslimits der Aggregate strikt eingehalten werden, bleiben die Anlagen weiterhin als Notstromaggregate im genehmigungsrechtlichen Sinne qualifiziert. Dank der Partnerschaft erreicht Arvato Systems – trotz extrem weniger Betriebsstunden der Anlagen – somit gleich drei Dinge:
Mit Hilfe der Expertise von RWEST leisten die Gütersloher einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit im deutschen Stromnetz.
Sie gestalten zudem den Betrieb der Aggregate umweltfreundlicher.
Und last but not least: Sie erzielen mit Hilfe der netzdienlichen Leistungen sogar Einnahmen.
Das funktioniert wie folgt:
Regelenergie
Die Aggregate werden durch Arvato Systems jederzeit betriebswarm vorgehalten, so dass diese bei Netzausfall innerhalb von 30 Sekunden gestartet und binnen weniger Minuten zur Übernahme der Netzersatzversorgung im Rechenzentrum genutzt werden können. Diese zuverlässige und schnelle Warmstart-Eigenschaft ist ohne Frage eine Besonderheit in der hiesigen Kraftwerkslandschaft, eine Eigenschaft, die auf dem Markt platziert werden kann.
Eine eine Serverreihe im Datacenter von Arvato Systems
(Bild: Arvato Systems)
Der Grund: Dank dieser Fähigkeit müssen weniger thermische Kraftwerke angeworfen/gedrosselt oder Pumpspeicherkraftwerks-Kapazitäten für den Fall vorgehalten werden, dass im deutschen Übertragungsnetz zu viel oder zu wenig Strom vorhanden ist und das Netz Unterstützung braucht. Der Einsatz solcher Anlagen ist mit hohen Erzeugungs- und Betriebskosten verbunden.
Deshalb ist die Leistungsvorhaltung von Anlagen wie bei Arvato Systems volkswirtschaftlich sinnvoller. Diese Betriebsbereitschaft wird über einen separaten Leistungspreis vergütet. Und dadurch erzielt Arvato Systems Einnahmen.
Spitzenlastkappung
Parallel zur Regelleistungsvorhaltung werden die Notstromaggregate auch dazu genutzt, den Strombezug des Netzbetreibers in ausgeprägten winterlichen Abendspitzen wirksam zu entlasten. Das Besondere: Weil es sich wie im Fall von Arvato Systems um Bestandsaggregate handelt, die vor dem 01. Januar 2023 in Betrieb genommen worden sind, besteht ein Anspruch auf so genannte „vermiedene Netzentgelte“ nach § 18 StromNEV.
Wenn die Aggregate zum Zeitpunkt der Jahreshöchstlast des Netzbetreibers einspeisen, reduzieren sie dessen Leistungsentgelt. Die eingesparten Kosten sind laut Norm an den dezentralen Einspeiser, also den Betreiber der Notstromaggregate, auszuzahlen. Mit einer guten Prognose genügen erwartungsgemäß 30 Stunden Betrieb pro Jahr, um dieses Entgelt für die dezentrale Einspeisevergütung zu realisieren.
Nachhaltiger Probebetrieb
Wie erwähnt, muss zum Nachweis der Funktionsfähigkeit der Notstromanlage diese regelmäßig zu Testzwecken laufen. Wird in diesem Probebetrieb genau dann Strom erzeugt, wenn das Elektrizitätsversorgungssystem ihn zur Netzentlastung oder -stützung benötigt, stellt dies aus volkswirtschaftlicher Sicht sowohl einen ressourceneffizienten als auch umweltverträglicheren Ansatz dar.
Schließlich werden unnötige Emissionen vermieden, was ein erklärtes Ziel des Unternehmens ist. Daher prüft Arvato Systems auch, inwieweit die beim Betrieb der Aggregate entstehenden CO2-Emissionen weiter gesenkt werden können, indem synthetische Kraftstoffe genutzt werden.
Stand: 08.12.2025
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Kein Einfluss auf Netzentgelt-Abrechnung oder die Verfügbarkeit
Zum Nachweis der Erfüllung von Anforderungen aus den technischen Anschlussregeln (VDE-AR-N 4110, Technische Anschlussregel Mittelspannung) gegenüber der Netz-Gesellschaft wird von einer Zertifizierungsstelle ein unabhängiges Anlagengutachten erstellt. Außerdem werden an den betreffenden Netzersatzanlagen registrierende Leistungsmessungen installiert, mit denen die erzeugte Leistung sowie Energie messtechnisch von der zeitgleichen Bezugslast der Arvato Systems abgegrenzt wird. Somit kommt es zu keinerlei Einfluss auf die Netzentgelt-Abrechnung des Rechenzentrums.
Als etablierte Fernwirktechnik kommt die „RWE-Flex2Market-Box“ zum Einsatz, welche über VPN und Medienbruch hochgradig abgesichert ist. Diese wird zur Ansteuerung aus dem Dispatch-Center der RWEST genutzt.
Die Sachverständigenorganisation TÜV Nord EnSys hat im Rahmen eines Gutachtens bestätigt, dass die Notstromversorgung des Rechenzentrums durch die optimierte Einsatzweise der Netzersatzanlagen nicht gefährdet wird. Damit bleibt auch die Zertifizierung des Rechenzentrums nach DIN EN 50600 vollumfänglich erhalten.
*Die Autoren* Claudius Beermann ist Asset Development Germany bei der RWE Supply & Trading GmbH
Bildquelle: RWE Supply & Trading GmbH
Markus Schwarz ist Manager Datacenter bei der Arvato Systems GmbH.