Von intuitiven Taxi-Apps bis hin zur Alzheimer-Früherkennung: Künstliche Intelligenz hilft dabei, Barrieren im Online-Shopping, in der Mobilität und der Kommunikation zu überwinden – und erleichtert Senioren und Menschen mit Seheinschränkungen die digitale Teilhabe.
Von künstlicher Intelligenz unterstützte Technik kann die Lebensqualität vieler Menschen verbessern und ihnen eine gleichberechtigte Teilhabe an der digitalen Welt ermöglichen.
(Bild: Elena - stock.adobe.com)
Soziale Netzwerke, E-Mails und Videotelefonie: Digitale Dienste können die Selbstständigkeit und Lebensqualität bis ins hohe Alter fördern und sozialer Isolation vorbeugen. Gleichzeitig erleichtern sie auch Menschen mit körperlichen Einschränkungen die gesellschaftliche Teilhabe.
Doch die Komplexität des Internets schreckt insbesondere ältere Personen davon ab, online zu gehen: Im Rahmen einer Umfrage des Cybersecurity-Unternehmens Avast gaben 42 Prozent der über 55-Jährigen an, dass die Komplexität des Internets der Hauptgrund dafür ist, dass sie offline unterwegs sind. Hier sind Initiativen zur Barrierefreiheit gefragt, welche die Komplexität drastisch reduzieren. Dabei kommt es einerseits auf benutzerfreundliche Funktionen wie größere Schriftarten auf Websites und andererseits auf zielgruppenspezifische Anwendungen an.
Alzheimer-Früherkennung dank KI-App
Obwohl ältere Menschen oft noch zögern, die digitale Welt zu betreten, stellen sie die am schnellsten wachsende Gruppe im Internet dar. In Deutschland nutzt bereits jeder dritte Deutsche über 80 Jahre das Internet. Web-Portale und Apps bieten wertvolle Berührungspunkte, um mit der alternden Bevölkerung in Kontakt zu treten – beispielsweise in der Alzheimer-Forschung. Viele Menschen scheuen den Gang zum Arzt aufgrund von Schamgefühlen oder weil sie die ersten Anzeichen von Demenz nicht selbst bemerken.
Während Apps zur Früherkennung von Alzheimer in Deutschland und Europa noch in den Kinderschuhen stecken, sind sie in China bereits im Alltag von Senioren in einigen, überwiegend städtischen, Regionen angekommen. Per Handy-App können Senioren zum Beispiel kognitive Tests in Sprachform durchführen und den klassischen Uhrentest absolvieren - in nur etwa zehn Minuten. Die KI-gestützte App basiert auf multimodalen Lernalgorithmen zur Analyse von Sprache und Schrift und führt eine vorläufige Bewertung der Testergebnisse durch.
In einem zweiten Schritt leitet die App die vorläufigen Testergebnisse dann an einen medizinischen Experten weiter, der diese validiert. Innerhalb von sieben Tagen liegt die endgültige Bewertung vor. Personen, die anhand ihrer Testergebnisse als besonders gefährdet eingestuft werden, erhalten eine Push-Benachrichtigung mit der Empfehlung, sich an einen Arzt zu wenden. Das KI-basierte Alzheimer-Pre-Screening wurde in Zusammenarbeit mit Alibabas Forschungsinstitut DAMO Academy (Academy for Discovery, Adventure, Momentum and Outlook) entwickelt.
Barrierefreies Online-Shopping
Mit ein paar Klicks online bestellen, den Wocheneinkauf erledigen oder Multimedia-Angebote nutzen – das ist für die meisten Nutzer selbstverständlich. Doch für Senioren lassen sich viele Anwendungen nicht intuitiv nutzen. Entsprechend wichtig sind barrierefreie Funktionen, die ein inklusives Shopping- und Unterhaltungserlebnis ermöglichen.
Auf dem Online-Marktplatz Taobao erleichtern große Schriftzeichen und Sprachsteuerung die Bedienung. Die Bildbeschreibungen erstellt eine KI.
(Bild: Taobao)
In China vereinfacht zum Beispiel einer der größten Online-Marktplätze des Landes, Taobao, Älteren mit einem Senioren-Modus den Umgang mit der App. Dieser Modus bietet größere Schriften und Icons sowie eine einfachere Navigation und die Unterstützung für Sprachbefehle. Zum Einsatz kommt dabei die von Alibabas DAMO Academy entwickelte OCR-Technologie, um Menschen mit Sehbeeinträchtigungen die Bedienung zu erleichtern. Die KI-basierte Funktion macht Bildbeschriftungen für Screenreader zugänglich – und zwar von über 100 Millionen Bildern täglich. Eine enorme Erleichterung angesichts dessen, dass eine durchschnittliche Produktseite rund 40 Abbildungen enthält.
Braille-zu-Text-Übersetzung in Echtzeit
Nicht nur Senioren profitieren von visueller Barrierefreiheit: Insgesamt leben 285 Millionen Menschen weltweit mit einer Seheinschränkung, so die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Daher ist es wichtig, auch für diese Zielgruppe barrierefreie Lösungen im digitalen Raum anzubieten. Mit Screenreadern, E-Books und Diktierfunktionen haben erste barrierefreie Alternativen den Markt erobert.
Doch die Punktschrift Braille ist nach wie vor ein wichtiges Informationsvehikel für Menschen mit Sehbeeinträchtigung. Die Übersetzung von Braille ist hochkomplex. Bisherige Übersetzungsprogramme erfordern daher menschliche Expertise, um eine valide Übersetzung zu ermöglichen. Hier kann KI im Zusammenspiel mit Machine Learning eine entscheidende Rolle spielen.
Stand: 08.12.2025
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In einem Pilotprojekt erprobt die DAMO Academy ein KI-basiertes Programm, um Braille in Text zu übertragen. Eine Kombination von Optical Character Recognition (OCR) und Machine Learning ermöglicht die Übersetzung von Braille zu Text binnen weniger Sekunden. Dabei scannt ein kleines Gerät den Braille-Text, der mithilfe von KI-gestützter Bildverarbeitung in ein digitales Punktmuster umgewandelt wird. Dieses Muster wird dann in die romanisierte Schreibweise für Mandarin und anschließend mittels Natural Language Processing (NLP) in Schriftzeichen übersetzt. Dank leistungsstarker Algorithmen funktioniert die Übersetzung auch bei Braille-Grafiken, chemischen Formeln oder mathematischen Gleichungen.
Verbesserte Mobilität durch intuitive Taxi-Apps
Zugang zu Mobilität ist eine wichtige Säule der gesellschaftlichen Teilhabe. Doch in Regionen ohne ein engmaschiges Verkehrsnetz sind Personen ohne eigenes Fahrzeug auf alternative Beförderungsservices angewiesen, zum Beispiel das Ride Hailing mit Uber. Viele der einschlägigen Ride-Hailing-Apps sind jedoch für Senioren oder Menschen mit Sehbeeinträchtigung nicht benutzerfreundlich zu bedienen.
In China haben die chinesische Navigationsplattform Amap, eine Tochter von Alibaba Group, und die China Aging Development Foundation in Zusammenarbeit eine Ride-Hailing-Lösung entwickelt, die speziell auf die Bedürfnisse älterer Menschen zugeschnitten ist. In 20 chinesischen Städten wurden über 2.500 Ride-Hailing-Stationen in der Nähe von Wohngebäuden oder Bushaltestellen installiert. Diese Stationen sind mit gut sichtbaren QR-Codes ausgestattet. Senioren können einfach den QR-Code mit ihrem Smartphone scannen und werden dann zu einer Seite geleitet, auf der sie einen blinkenden Button drücken müssen. Die App erledigt den Rest, ohne dass umständlich durch Menüs navigiert werden muss.
Die Förderung der Barrierefreiheit durch KI kann die Lebensqualität vieler Menschen verbessern und ihnen eine gleichberechtigte Teilhabe an der digitalen Welt ermöglichen. Inklusive Lösungen können die Komplexität des Internets reduzieren, benutzerfreundliche Schnittstellen und Funktionen bereitstellen oder spezielle Anwendungen für bestimmte Zielgruppen entwickeln. Es lohnt sich, einen Blick auf bestehende Initiativen zu werfen, bei denen KI-Applikationen bereits den digitalen Alltag erleichtern.
* Über den Autor * Raymond Ma ist General Manager of Europe für Alibaba Cloud.