Er wurde schleunigst aus vorhandenen Teilen zusammengeschustert – und definierte über Nacht den Standard des Arbeitsplatz-Rechners. Am 12. August feiert der PC seinen 35. Geburtstag
IBM PC 5150 mit Drucker, Monitor und Tastatur: Vor 12. August 1981, vor 35 Jahren, erschien der Ur-PC erstmals auf dem Markt.
(Bild: IBM)
Streng genommen war der Erfolg des Geräts, das vor 35 Jahren den Computermarkt aufräumte, von vorne bis hinten ein glücklicher Unfall. IBM hatte bereits seit den 50er Jahren Großrechner produziert, aber die Entwicklung des Computermarkts für Büro- und Heimanwender gewaltig unterschätzt. Doch ab Mitte der 70er Jahre änderte sich die Computerlandschaft grundlegend.
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Während Nixdorf mit seinem Terminal-Systemen mittelständische Betriebe bediente und nicht nur in Europa, sondern auch in den USA zunehmende Verbreitung fand, fanden auch Heimanwender durch die Systeme von Apple, Commodore oder Tandy ab 1977 Zugang zu eigenen Kleincomputern. Gerade durch letztere geriet IBM immer mehr ins Hintertreffen.
Zwar hatte das Unternehmen für größere Firmenkunden mit dem IBM5100 bereits einen Schreibtischcomputer im Portfolio, doch konnte dieser preislich bei weitem nicht mit den günstigen und einsteigerfreundlichen Systemen von Apple, Commodore & Co. mithalten.
IBM-Entwickler Philip Don Estridge erhielt daher mit seinem 12-köpfigen Team im August 1980 die schwierige Aufgabe, innerhalb eines Jahres ein Heimcomputersystem zu entwickeln, um in dem rapide wachsenden und bereits von Dutzenden konkurrierenden Herstellern heiß umkämpften Kleincomputermarkt mitzumischen.
Bis zum kommenden April 1981 sollte ein vorstellbares System fertig sein. Marktbeobachter waren hinsichtlich dieser Ankündigungen skeptisch. „IBM einen PC herausbringen zu lassen ist, als würde man einem Elefanten Stepptanzen beibringen,“ soll ein Analyst hierzu geäußert haben.
Um die Entwicklungszeit kurz zu halten, beschlossen Estridge und sein Team, möglichst wenig selbst zu entwickeln. Statt dessen griffen sie überwiegend auf bereits „Off-the-Shelf“ verfügbare Komponenten von Drittherstellern. Die Architektur blieb weitgehend offen, um möglichst schnell und unkompliziert Peripheriegeräte nachrüsten zu können.
Ein Kleincomputer aus verfügbaren Einzelteilen
Detaillierte Ansicht der einzelnen Komponenten
(Bild: Vogel Business Media)
Als Prozessor wählte man einen „Intel 8088“, da das Team von Don Estridge mit der CPU bereits von einem früheren IBM-System für Firmenkunden, dem Datamaster, her vertraut war. Der Chip war intern zwar ein 16-Bit-Prozessor, er verfügte jedoch nur über einen 8 Bit breiten Datenbus. Das bedeutete unter anderem, dass für die übrige Elektronik preiswertere 8-Bit-Komponenten verwendet werden konnten. Gleichzeitig konnte IBM sich auf dem Markt damit brüsten, anders als Apple oder Commodore bereits einen PC mit 16-Bit-Prozessor anbieten zu können.
Getaktet wurde die CPU des Ur-PCs auf 4,77 Megahertz. Das Grundmodell des IBM PC war wahlweise entweder mit 16 oder 64 KByte Hauptspeicher ausgestattet. In der Praxis fand das 16 KByte-Modell allerdings kaum Zuspruch.
Der „IBM PC 5250“ verfügte über fünf ISA-Erweiterungs-Slots für Steckkarten, etwa eine CGA-Grafikkarte oder einen Diskcontroller. Auf dem Mainboard befand sich ein simpler PC-Speaker, der über Piepgeräusche Meldungen abgeben konnte. Über zwei DIN-Anschlüsse konnten Tastatur und ein Kassettenspeicher angeschlossen werden. Zudem war der IBM-PC mit einem oder zwei 5¼-Zoll-Diskettenlaufwerken erhältlich – für einen Bürorechner ein relatives Novum, da in diesem Umfeld zu jener Zeit noch überwiegend 8-Zoll-Disketten Anwendung fanden.
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Als Betriebssystem war das bereits recht etablierte CP/M angedacht. Da aber der Legende nach OS-Entwickler Gary Kildall beim Segelfliegen war und daher IBM’s Telefonanruf verpasste, ging der Zuschlag für das Projekt an Microsoft, die versprachen, in kürzester Zeit ein Betriebssystem zu liefern. Microsoft kaufte, um selbst die versprochene Frist einhalten zu können, für 50.000 Dollar die Rechte am bereits existierenden „86-DOS“ ein und benannte es flugs in PC Dos um. Das Betriebssystem und ein äußerst lukrativer Vertrag mit IBM sollten den Grundstein für den späteren Siegeszug des Softwareunternehmens auf dem Computermarkt sorgen.
Das ROM des IBM PC 5150 war dagegen die einzige wesentliche Eigenentwicklung von Big Blue: in den 40 KByte Read-Only Memory steckten das IBM-Basic sowie das BIOS, welches dafür sorgte, dass das Betriebssystem nur indirekt über BIOS-Aufrufe auf die Hardware zugreifen konnte.
Stand: 08.12.2025
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Siegeszug der Klon-Rechner
MS-Dos 1.0: Mit dem exklusiven Vertrag zur Lieferung eines Betriebssystems für den IBM-PC leitete die junge Softwareschmiede Microsoft ihren Siegeszug ein.
(Bild: Microsoft)
Es dauerte allerdings nicht lange, bis es Drittanbietern gelang, das BIOS mittels Reverse Engineering zu klonen. Da der Grundaufbau des Rechners mit dem Intel 8088 über einen leicht zugänglichen Standardchip erfolgte, war es anderen Unternehmen – speziell Drittherstellern aus Fernost – ein leichtes, günstige, so genannte IBM-kompatible PCs zu entwickeln und herzustellen. Plötzlich existierte im Kleincomputermarkt, der sich zuvor durch konkurrierende, nicht hard- oder sotwarekompatible Konkurrenten ausgezeichnet hatte, eine Art Standard-Architektur mit untereinander verwendbarer Peripherie und einem einheitlichen Betriebssystem. Von letzterem profitierte insbesondere Microsoft: der vorteilhafte Vertrag mit IBM erlaubte den Softwareherstellern aus Redmond, mit MS-DOS eine eigene Variante des PC-OS anzubieten, das auch auf den IBM-kompatiblen Klonen lief.
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IBM-PCs, oder günstigere IBM-PC-Klone, wurden bis Mitte der 80er zum de-facto Bürorechnerstandard; nicht-kompatible Systeme waren zunehmend nur noch im Heimanwendermarkt zu finden und hielten schließlich in den 90er Jahren nur noch einen verschwindend geringen Anteil in der Anwenderbasis.
1984 konnte IBM mit der Einführung der „AT“-Architektur noch einmal neue Akzente auf dem Computermarkt setzen. Doch in der Folgezeit gingen dem Unternehmen die Anteile wieder verloren. IBM versuchte, den geschaffenen PC-Markt durch proprietäre Eigenentwicklungen auf sich zu konzentrieren und vom Rest der Konkurrenz abzuschotten. Doch während Eigenentwicklungen wie „OS/2“ oder die Micro Channel Architektur keinen großen Zuspruch fanden, setzte die Konkurrenz wie Klon-PC-Entwickler Compaq, Chiphersteller Intel, Prozessorhersteller AMD oder Betriebssystementwickler Microsoft stetig neue Akzente und ließen PC- Markt gedeihen.
Zwar sind nominell die heutigen Standard-PCs im Grunde genommen immer noch kompatibel zum Ur-PC IBM PC 5150. Doch inzwischen ist diese Art von Rechner umgangssprachlich nur noch als PC bekannt - der Zusatz „IBM-kompatibel“ ist effektiv in Vergessenheit geraten.
Hinweis: Der Artikel erschien zunächst auf dem Portal der "Elektronik Praxis".