Der Hosting-Markt in Deutschland

„Mehrwertdienste erzielen EBITDA-Margen über 50 Prozent“

| Autor / Redakteur: Ariane Rüdiger / Ulrike Ostler

Interview mit Gerhard Sundt, Beiratsmitglied des HSP-Summit, über das Drunter und Drüber, das Mit- und Gegeneinander in der Hosting-Szene.
Interview mit Gerhard Sundt, Beiratsmitglied des HSP-Summit, über das Drunter und Drüber, das Mit- und Gegeneinander in der Hosting-Szene. (Bild: © chungking/ Fotolia.vom)

Aufkäufe und Konsolidierungsgerüchte kennzeichnen derzeit den deutschen Hosting-Markt genau wie ein sprunghaft steigendes Service-Angebot. Über die wichtigsten Markttrends und aussichtsreiche Geschäftsmodelle sprach Ariane Rüdiger für Datacenter-Insider mit Gerhard Sundt, Beiratsmitglied des HSP-Summit und langjährigem Kenner der deutschen und internationalen Hosting-Szene.

Welches sind Ihrer Meinung nach derzeit die wichtigsten Trends auf dem deutschen Hosting Markt?

Gerhard Sundt: Ich betrachte Trends meist aus der Sicht der Anwender – sie wollen mehr und mehr On-Demand-Dienstleistungen, es geht hin zu On-Demand-Everything. Deutschland hinkt diesbezüglich zwar etwas hinterher, was auch an dem bislang nicht flächendeckenden Breitbandausbau liegt. Aber das wird sich dank der angekündigten Investitionen wohl ändern.

Der On-Demand-Bedarf bedeutet für IT-Organisationen häufig, dass sie mit dem sprunghaften Lastverhalten, das daraus resultiert, nicht zurechtkommen. Die Infrastrukturen sind einfach nicht flexibel genug. Deshalb gibt es einen allgemeinen Trend zum Outsourcing.

Outsourcing definiert als was?

Gerhard Sundt: Gemeint sind hier die unterschiedlichen Formen von Cloud – von der Infrastruktur, die man über AWS bezieht, über Office-Lösungen wie Microsoft 365 bis hin zu spezifischen Anwendungen wie Salesforce-CRM. Dazu kommt Prozess-Oursourcing. Ganz generell kann man sagen, dass die Kunden immer dann zu Outsourcing greifen, wenn ihnen die Komplexität der eigenen Infrastruktur zu hoch wird – das ist nahezu branchenunspezifisch.

Wie sieht es mit SAP-Services aus?

Gerhard Sundt: Hier gibt es zwar einige Angebote, aber sie sind nicht unbedingt große Renner. Das liegt daran, dass SAP häufig das Kerngeschäft eines Unternehmens berührt und da der Drang zur Auslagerung nicht so groß ist. Der Markt wächst pro Jahr rund 15 Prozent, in erfolgreicheren Segmenten sind es bis zu 30 Prozent.

Welche Segmente wären das?

Gerhard Sundt: Zum Beispiel Collaboration-Services, die auch grenzüberschreitend verfügbar sind wie Box oder Dropbox.

Andererseits hört man immer wieder von Aufkäufen, Strato und Host Europe sind zwei wichtige Beispiele.

Gerhard Sundt: Der Hosting-Markt ist gespalten: Der Konsolidierungstrend betrifft vor allem Commodity Services wie E-Mail, Domains oder Websites, bei denen sich Anbieter nur durch den Preis differenzieren und Geschäft über die Masse gemacht wird. Wer im Massensegment agiert, versucht, die Marge durch möglichst wenig persönlichen Service zu erhöhen. Beispielsweise gibt es bei AWS zwar Chats und gute Informations- und Hilfeseiten, aber keine persönliche 1:1-Beratung – das rechnet sich einfach nicht.

Bei Mehrwertdiensten ist das völlig anders. Hier gibt es durchaus großes Wachstum und dabei EBITDA-Margen von über 50 Prozent. Das funktioniert nur, wenn es kaum Konkurrenz in einem Segment gibt.

Gerhard Sundt ist Beiratsmitglied des HSP-Summit und langjähriger Kenner der deutschen und internationalen Hosting-Szene.
Gerhard Sundt ist Beiratsmitglied des HSP-Summit und langjähriger Kenner der deutschen und internationalen Hosting-Szene. (Bild: Gerhard Sundt)

Was unterscheidet die Sieger von den Verlierern und in welchem Segment würden Sie heute gründen?

Gerhard Sundt: Die Sieger kennen den Bedarf ihrer Kunden sehr genau. Wer erfolgreich sein will, sollte zudem die Kosten der Kundenakquise schnellstmöglich wieder einspielen und viel freien Cash Flow produzieren. Dazu braucht man vor allem ein gutes Vertriebsteams, das viele Zusatz-Services verkauft und Services im Portfolio, die hohe Erträge bringen und dabei wenig Kapitalkosten erzeugen.

Auf dem Hosting und Service Provider Summit am 18. und 19. Mai 2017, werden wir einige solche Unternehmen präsentieren. Wenn ich selbst gründen würde, würde ich wahrscheinlich aufgrund meiner beruflichen Vorerfahrung ein SaaS-Angebot für selbst gestaltbare Dashboards entwickeln, das die Prozesse in der hybriden IT-Infrastruktur transparent macht. Da klafft heute eine Lücke im Markt – die Provider schreiben sich ihre Wunschlösung für solche Zwecke derzeit selbst.

Die Europäische Datenschutzverordnung ist verabschiedet und tritt im Mai 2018 in Kraft. Wie, glauben Sie, wird sie den deutschen Hosting-Markt verändern?

Gerhard Sundt: Wir werden einen Trend, der dazu führt, dass Daten im Gesetzesraum bleiben, und es werden sich entsprechende Angebote entwickeln. Allerdings warne ich vor überhöhten Hoffnungen: Es werden Schutzlücken bleiben.

Die Provider werden sich nach besten Kräften bemühen, alle Zertifizierungen zu erwerben, aber man wird hinsichtlich der Einhaltung der Vorgaben trotzdem Kompromisse machen, weil sonst alles zu kompliziert wird, und. Würde man versuchen, exakt nach dem Buchstaben des Gesetzes zu arbeiten, könnte es die Hoster den Skalierungsvorteil kosten.

Das Argument, dass die Skalierung des Geschäfts der Hoster nicht mehr funktioniert, wenn sie die Vorschriften einhalten, ist juristisch nicht sehr überzeugend.

Gerhard Sundt: Verstöße gegen die Regeln werden sich bei ausreichend zertifizierten Providern, die sich ansonsten die Usancen des Geschäftslebens halten, nur schwer nachweisen lassen. Hier schlummert viel Konfliktstoff. Es wird sicher viele Jahre dauern, bis sich im Datenschutzbereich in der EU eine vernünftige Rechtsprechung entwickelt hat.

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