Nicht: Lage, Lage, Lage, sondern: Zweck, Zweck, Zweck Vom Grundstück zum Rechenzentrum

Ein Gastbeitrag von Peter auf dem Graben* 3 min Lesedauer

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Sie haben ein Grundstück mit idealer Anbindung? Die Energieversorgung ist gesichert und eine Glasfaserleitung liegt quasi vor der Haustür? Herzlichen Glückwunsch, das sind fantastische Voraussetzungen für den Einstieg in den Rechenzentrumsmarkt. Viele unserer Beratungsanfragen beginnen genau an diesem Punkt.

Damit aus einer potentiellen Rechenzentrumsansiedlung etwas Substantielles entstehen kann, müssen die Bauwilligen wissen, welchen Rechenzentrumstyp sie wollen beziehungsweise welchen Zweck dieser erfüllen soll. (Bild:  Midjourney / KI-generiert)
Damit aus einer potentiellen Rechenzentrumsansiedlung etwas Substantielles entstehen kann, müssen die Bauwilligen wissen, welchen Rechenzentrumstyp sie wollen beziehungsweise welchen Zweck dieser erfüllen soll.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)

Doch so entscheidend diese Kriterien sind, sind sie doch nur ein kleiner Teil der Anforderungen. Die eigentlichen Herausforderungen für ein profitables Rechenzentrum liegen an anderer Stelle.

Ein Rechenzentrum ist kein Selbstläufer!

Stellen Sie sich ein hochmodernes Kraftwerk vor, das nur mit 15 Prozent seiner Leistung läuft oder einen Formel-1-Motor, der nur im Stadtverkehr bewegt wird. Ineffizient, teuer und am eigentlichen Zweck vorbei. Genau das passiert mit einem Rechenzentrum, das nicht mit seiner geplanten Auslastung betrieben wird. Das gibt es zum Beispiel

  • ungenutzte Ressourcen: Kühlsysteme, Stromverteilung und Notstromaggregate sind für einen bestimmten Nennlastbereich ausgelegt. Je weiter sie darunter Laufen, desto ineffizienter werden sie.
  • und der PUE-Wert gerät aus dem Ruder: Das Verhältnis der benötigten Energie für den Datacenter-Betrieb und der Energie für die IT-Systeme verschlechtert sich. Nicht nur, das zu viel in den Rechenzentrumsneubau investiert wurde, auch die Betriebskosten fallen im Verhältnis höher aus und macht jeden Nachhaltigkeitsanspruch zunichte.

Welches Geschäftsmodell ist das Ziel?

Spätestens hier wird klar, ein Rechenzentrum ist ein hochkomplexes, hoch technologisiertes Spezialgebäude, welches exakt auf den zukünftigen Bedarf zugeschnitten sein muss. Um ein Rechenzentrum konstant im profitablen Nennlastbereich zu betreiben, braucht es eine Strategie. Skalierbare, modulare Bauweisen können hierbei helfen, das Risiko zu minimieren, aber sie können eine fundamentale Fehlplanung nicht kompensieren.

Richten Sie den Fokus daher auf die entscheidende Frage: Welches Geschäftsmodell wollen Sie betreiben? Die Möglichkeiten sind vielfältig und reichen von etablierten Hauptgeschäftsmodellen bis hin zu spezialisierten Nischen, zum Beispiel:

  • Co-Location-Provider: Sie vermieten sichere Flächen, Strom und Kühlung. Ihre Kunden bringen ihre eigene Hardware mit.
  • Managed Hoster: Sie bieten ein „Rundum-sorglos-Paket“ und betreiben die Server und Anwendungen für Ihre Kunden.
  • Cloud-Provider (IaaS/PaaS): Sie stellen flexible, virtualisierte Ressourcen auf Abruf bereit; maximale Skalierbarkeit ist Ihr Verkaufsargument.
  • HPC-Provider (HPCaaS): Sie bedienen die extrem anspruchsvolle Nische des High-Performance-Computing für Forschung, KI und Industrie.
  • Edge-Computing-Provider: Sie setzen auf viele kleine Standorte nah am Nutzer, um minimale Latenzzeiten zu garantieren.

Die Geschäfts- und Betriebsstrategie

Jedes dieser Modelle stellt völlig andere Anforderungen, Das gilt nicht nur für den Standort. Ihre Geschäftsstrategie muss die DNA Ihres Vorhabens definieren. Da gibt es etwa:

  • Kundensegmente: Wen genau wollen Sie ansprechen? Banken, Gamer, KI-Start-ups?
  • Wertversprechen: Welchen einzigartigen Nutzen bieten Sie? Höchste Sicherheit, Nachhaltigkeit, unschlagbaren Preis?
  • Vertrieb und Kanäle: Wie erreichen Sie Ihre Zielkunden?
  • Ressourcen & Wissen: Welche Kompetenzen haben Sie im Haus? Wo benötigen Sie strategische Partnerschaften?

Aus dieser Geschäftsstrategie leitet sich die Betriebsstrategie ab – die detaillierte Blaupause, die beschreibt, wie Sie Ihre Ziele erreichen. Sie muss festlegen, wie das Rechenzentrum betrieben, überwacht und gewartet wird, um das Versprechen an den Kunden zu erfüllen.

*Der Autor
Peter auf dem Graben ist Senior Data Center Consultant bei der DC-CE RZ-Beratung GmbH & Co. KG. Sein Fazit lautet: Denken Sie vom Ende her!
Ein Rechenzentrum ist ein Hochtechnologie-Spezialgebäude, das immer für einen bestimmten Zweck konzipiert wird. Das Betriebskonzept ist daher kein Detail, das man später klärt. Es muss am Anfang jeder Planung stehen; denn eines ist sicher: Ein Rechenzentrum, das am Reißbrett falsch geplant wurde, lässt sich im laufenden Betrieb kaum noch heilen. Größere Korrekturen sind, wenn überhaupt möglich, mit immensem Aufwand und Kosten verbunden.
Bevor Sie also den ersten Bagger bestellen, investieren Sie in die wichtigste Ressource von allen:eine durchdachte, mit den zur Verfügung stehenden Mitteln umsetzbare und rundum plausible Strategie.

Bildquelle: DC-CE RZ-Beratung GmbH & Co. KG

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