In puncto Quantentechnologien führt Karlsruhe mit dem KIT bundesweit im bundesdeutschen Vergleich. Weltweit und in der EU findet sich das Cluster unter der Top 10. Es geht um enorme Rechenleistung, ultrapräzise Sensoren oder hochmoderne Verschlüsselung.
Diese optische Schnittstelle für einen Quantenspeicher wird ein essenzieller Bestandteil von künftigen Quantennetzwerken sein. Der erste Teil eines solchen Netzwerks wurde Anfang 2025 am KIT gebaut.
(Bild: Markus Breig, KIT)
Das ECIPE-Quantum-Projekt ( European Centre for International Economy) hat sich die Identifizierung von Innovationszentren in jedem Land vorgenommen, in denen bedeutende Fortschritte im Bereich der Quantenphysik erzielt werden, bezeichnet als Quantencluster. Der Einstufung vorausgeschickt hat ECIPE Grunsätzliches: Die Quantenforschung und -entwicklung erfordere eine hochspezialisierte, kapitalintensive Infrastruktur, die nicht ohne Weiteres dupliziert werden könne, heißt es da.
Der Talentpool sei ebenfalls äußerst knapp und konzentriere sich auf eine kleine Anzahl von Physik- und Ingenieursgruppen, was zu geografischen Engpässen führe. In Verbindung mit langen Vorlaufzeiten bis zur Marktreife und noch nicht ausgereiften Lieferketten bedeuteten diese Einschränkungen, dass echte Quanteninnovationen nur dort entstünden, wo bestimmte Fähigkeiten und Institutionen zusammenkämen.
Gleichzeitig erfordere die überwältigende Komplexität der Technologien eine umfassende interregionale Vernetzung zur Wissensintegration. Daher sei ein erfolgreicher Quanten-Cluster kein in sich geschlossener Knotenpunkt, sondern der effektivste Knotenpunkt in einem globalen und verteilten Netzwerk. Dies mache Quantencluster besonders wichtig für politische Maßnahmen, die auf eine stärkere Koordinierung zwischen Industrie, Forschung und Regierung sowohl auf lokaler als auch auf globaler Ebene abzielten.
Die Bewertungskriterien
Das ECIPE-Papier präsentiere eine erste strukturierte Rangliste von Quanten-Clustern. Die Einführung setzt hinzu: nicht, um Narrative der Überlegenheit zu verstärken, sondern um leistungsstarke Regionen aufzuzeigen und zu verdeutlichen, wo echte Fähigkeiten liegen und wo noch Lücken bestehen. Diese Analyse biete insofern eine klarere Grundlage für die Gestaltung gezielter politischer Maßnahmen in den Bereichen Investitionsförderung, Talententwicklung und Infrastrukturplanung.
Die Betrachtung der Quantenphysik aus der Perspektive von Clustern könne politischen Entscheidungsträgern helfen, so die Hoffnung, die externen, institutionellen und unternehmensbezogenen Faktoren zu verstehen, die die Wettbewerbsfähigkeit im Bereich der Quantenphysik beeinflussten, und ermögliche so integriertere Strategien und eine stärkere Zusammenarbeit zwischen den Interessengruppen.
Quanten- und Quanten-Quasi-Cluster
In diesem Bericht unterscheiden wir zwischen Quanten- und Quanten-Quasi-Cluster.
Ein Quanten-Cluster ist demnach ein geografisch konzentriertes Ökosystem aus Start-ups, Unternehmen, Universitäten, Forschungsinstituten und Regierungsbehörden, das folgende Mindestanforderungen erfüllt:
Startup-Finanzierung: Ein Cluster gilt als solcher, wenn er entweder mindestens zwei Startups mit einer offengelegten Gesamtfinanzierung von mindestens 10 Millionen Dollar oder mindestens ein Startup mit einer Finanzierung von mindestens 25 Millionen Dollar beherbergt.
Institutionelle Präsenz: Darüber hinaus muss ein Cluster mindestens fünf Institutionen – aus Forschung, Industrie oder Regierung – beherbergen, die aktiv an Quantenaktivitäten beteiligt sind.
Ein Quasi-Quanten-Cluster ist ein geografisches Gebiet, in dem Quantenaktivitäten zwar bereits Gestalt annehmen, aber noch nicht die kritische Masse erreicht haben, die erforderlich ist, um als ausgereifter, sich selbst tragender Innovationshub zu fungieren. In der Regel fehlt es ihm an einer ausreichenden Konzentration von Institutionen und/oder der Präsenz oder einer substanziellen Finanzierung eines Quanten-Startups. Daher zeigt es zwar frühes Potenzial, weist aber noch nicht die Dichte und Breite auf, die für einen voll entwickelten Quanten-Cluster charakteristisch sind.
Die Auswahl
Die für das Ranking zugrundeliegende Untersuchung identifiziert und bewertet 45 Quanten-Cluster weltweit (siehe: Tabelle) und 86 Quasi-Cluster im Bereich Quantenforschung. Letztere werden jedoch nicht detailliert ein gestuft, da ihnen noch die notwendigen Komponenten fehlen, Die 45 ausgewählten Regionen, so ECIPE, werden die Zukunft der globalen Quantenlandschaft am ehesten prägen.
Die Rangliste spiegelt den Durchschnitt der Bewertungen in drei Dimensionen wider, die jeweils aus drei zugrunde liegenden Indikatoren bestehen:
Dimension 1, Marktorientierung - Hier wird bewertet, inwieweit die Quantenaktivitäten eines Cluster auf die Kommerzialisierung ausgerichtet sind. Sie spiegelt den Umfang und die Intensität der Investitionen in Quantenunternehmen sowie den Grad der Beteiligung der Industrie an Quantenteams wider.
Dimension 2, Intensität der Zusammenarbeit. Hier wird gemessen, wie aktiv und strategisch ein Cluster Partnerschaften eingeht. Diese Dimension erfasst das Volumen der Kooperationen, die Offenheit für internationale Partnerschaften und die Rolle des Cluster als Verbindungsglied innerhalb des globalen Quantennetzwerks.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel IT-Medien GmbH, Max-Josef-Metzger-Straße 21, 86157 Augsburg, einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von Newslettern und Werbung nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung.
Dimension 3, Reife des Ökosystems. Hier werden die institutionellen Grundlagen und die Produktivität des lokalen Innovationsumfelds bewertet. Man misst, wie gut quantenaktive Institutionen integriert sind und in der Lage sind, langfristiges Quantenwachstum aufrechtzuerhalten.
Die Top 5, 10 und das obere Mittel
Basierend auf diesen drei Dimensionen führt Cambridge, Großbritannien, das globale Ranking an, dicht gefolgt von Greater Helsinki, Finnland, Oxford, Großbritannien, der San Francisco Bay Area, USA, und Greater Glasgow, Großbritannien. Zusammengefasst heißt es in dem Paper: „Die Top 5 spiegeln die anhaltende Dominanz etablierter akademischer und technologischer Ökosysteme in Großbritannien und den USA wider.“
Allgemeiner betrachtet entfallen zehn der 15 führenden Cluster auf den englischsprachigen Raum, darunter Zentren in Australien, Canberra, und Kanada, Toronto–Waterloo. Die EU ist mit zwei Clustern unter den ersten drei vertreten – Helsinki und Karlsruhe –, während Israel mit Tel Aviv, China mit Hefei und die Schweiz mit dem Großraum Genf–Bern jeweils einen Beitrag leisten.
Das mittlere Drittel der Rangliste ist geografisch vielfältiger. Hier finden sich starke europäische Ökosysteme wie Kopenhagen, Paris, die Randstad-Region und München sowie die chinesischen Cluster Peking und Shanghai. Diese Ökosysteme zeichnen sich durch eine rege wissenschaftliche Aktivität aus, liegen jedoch in Bezug auf die Kommerzialisierungsergebnisse im Allgemeinen hinter ihren anglophonen Pendants zurück.
Das untere Drittel
Das untere Drittel besteht aus weniger entwickelten Clustern, die noch dabei sind, institutionelle Kapazitäten, Markt-Pipelines und internationale Verbindungen aufzubauen. Chinesische Cluster wie Shenzhen–Hongkong–Guangzhou, Hangzhou und Suzhou sind in Bezug auf das institutionelle Engagement noch vergleichsweise weniger ausgereift.
Ebenso zeigen Cluster in Spanien und Berlin vielversprechende Forschungskapazitäten, sind jedoch hinsichtlich ihrer Größe und der Beteiligung der Industrie eingeschränkt. Aufstrebende Ökosysteme in Bangalore, Dubai und Seoul stellen wichtige Einstiegspunkte für Quantenforschung und Unternehmertum dar, arbeiten jedoch derzeit in kleinerem Maßstab als etabliertere Marktführer.
Top-Quantum-Cluster weltweit – Ranking und Ökosystembewertung
Rang
Quantum-Cluster
Land
Region
Markt- orientierung
Intensität der Zusammen- arbeit
Reifegrad des Ökosystems
1
Cambridge
UK
UK, Kanada und Australien
2−
11−
2
2
Greater Helsinki
Finland
EU
2−
15
4
3
Oxford
UK
UK, Kanada und Australien
8
5
3
4
San Francisco Bay Area
USA
USA
1
11−
8−
5
Greater Glasgow
UK
UK, Kanada und Australien
16−
4
5
6
Tel Aviv Metropolitan Area
Israel
überall auf der Welt
6
19
7
7
Karlsruhe
Germany
EU
20−
2−
6
8
Hefei
China
China
4−
6−
24−
9
Denver–Boulder Region
USA
USA
4−
28−
15−
10
Greater Geneva–Bern Area
Schwez
überall auf der Welt
12
6−
15−
11
Bristol–Bath Region
UK
UK, Kanada und Australien
20−
23−
1
12
Canberra
Australia
UK, Kanada und Australien
9
25−
11
12
Toronto–Waterloo Corridor
Kanada
UK, Kanada und Australien
10
31
8−
14
Greater Boston
USA
USA
11
32
14
14
London Commuter Belt
UK
UK, Kanada und Australien
16−
10
23
16
Greater Copenhagen
Dänemark
EU
26
6-
13
17
Greater Sydney
Australien
UK, Kanada und Australien
15
21
19
18
Greater Washingston
USA
USA
7
17
31
19
Metro Vancouver
Kanada
UK, Kanada und Australien
14
35
20
20
Greater Paris
Frankreich
EU
13
33
24*
21
Greater Austin
USA
USA
20-
27
27
22
München
Deutschland
EU
18
40
22
23
Ranstad-Region
Niederlande
EU
31
28-
15-
24
Grenoble
Frankreich
EU
23
42
18
25
Singapur
Singapur
überall auf der Welt
39
28-
10
Quelle: European Centre International Political Economy
Die Quantenforschung am KIT
Die Quantentechnologie-Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) deckt nach eigenen Angaben ein breites Spektrum ab – von der Grundlagenforschung an Quantenmaterialien bis hin zur Entwicklung und Realisierung anwendungsorientierter Systeme für Zukunftstechnologien. Zu den zentralen Themen gehören Quantenmaterialien und deren Integration in funktionale Bauelemente, darunter Quanten-Spintronik und molekulare Quanten-Spin-Systeme, supraleitende Quantenschaltkreise sowie hybride Quantenarchitekturen, die Spins, Photonen und supraleitende Schaltungen koppeln, und mit der die Forschenden Quantenschlüssel übertragen, testen und weiterentwickeln.
Zu den bedeutendsten Durchbrüchen der vergangenen Jahre zählt das Institut die Entdeckung einer neuen Klasse optisch adressierbarer molekularer Spins mit außergewöhnlicher optischer Kohärenz. Um das Potenzial dieser Systeme für die Quantenkommunikation zu demonstrieren, haben die Forschenden des KIT eine 20 Kilometer lange Glasfaserverbindung zwischen dem Campus Nord und dem Campus Süd des KIT eingerichtet, mit der die Forschenden Schlüssel übertragen, testen und weiterentwickeln.
Darüber hinaus wollen sie ein Quantennetzwerk aufbauen, das unter anderem die Verknüpfung von Quantencomputern ermöglicht. Parallel forschen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an der optischen Auslesung von Quantensystemen und der Kopplung molekularer Nanostrukturen mit Photonen – entscheidende Schritte auf dem Weg zu skalierbaren Quantenarchitekturen.
Die Bewertung durch ECIPE
Die Bewertung des ECIPE-Ranking hebt das KIT als „Top Research Collaborator“ hervor. In der Subkategorie „externe Zusammenarbeit“ belegt die Stadt weltweit den ersten Platz, in der Gesamtbetrachtung aller Kooperationen Rang drei.
Darüber hinaus bescheinigt die Studie dem Quanten-Cluster in Karlsruhe mit Platz zwei die Fähigkeit, Brücken zwischen ansonsten getrennten wissenschaftlichen und technologischen Gemeinschaften zu schlagen („bridging power“).