Anfällig für Schönfärberei und Ungenauigkeiten PUE-Werte lassen weite Spielräume in der Erhebung und der Interpretation

Ein Gastbeitrag von Ulrich Terrahe* 2 min Lesedauer

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Man spricht von PUE, Power Usage Effectiveness, als der Kennzahl für Energie-Effizienz im Rechenzentrum. Sie ist seit Jahren in aller Munde, wird von Betreibern gerne zitiert und soll uns zeigen, wie "grün und effizient" unsere Rechenzentren sind. Doch Hand aufs Herz: Ist PUE so objektiv? Oder handelt es sich doch nur um einen 'weicher' Parameter,

Es gibt viel Nebel rund um die Erzeugung und in der Verwendung der Kennzahl PUE. Detektivarbeit ist gefragt. (Bild:  Midjourney / KI-generiert)
Es gibt viel Nebel rund um die Erzeugung und in der Verwendung der Kennzahl PUE. Detektivarbeit ist gefragt.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)

Die Berechnung eines PUE-Werts scheint simpel:

Gesamtenergieverbrauch des Rechenzentrums geteilt durch den Energieverbrauch der IT-Ausrüstung.

Doch die Realität ist komplizierter. Hier sind die Fallstricke, die aus dem PUE-Wert schnell eine grobe Schätzung machen, statt einer präzisen Kennzahl:

  • Fehlende Genauigkeit bei der Gesamtleistung: Gerade in gemischt genutzten Gebäuden, wo Rechenzentren sich die Energieversorgung mit Büros oder anderen Einrichtungen teilen, ist es mitunter extrem schwierig, den Gesamtenergieverbrauch des Rechenzentrums exakt abzugrenzen. Ohne separate Stromzähler bleibt die Kennzahl eine Schätzung.
    Oder aus der anderen Perspektive: Die schwierige Zuordnung kann dazu verleiten, elektrische Leistung dem Gebäude und nicht dem Rechenzentrum zuzuordnen.
  • Falsche Zuordnung von Subsystemen: Ein Klassiker! Subsysteme wie PDUs (Power Distribution Units) oder statische Netzumschaltersysteme (STS) werden fälschlicherweise der IT-Last zugerechnet, obwohl ihre Verluste eigentlich zum Gesamtverbrauch gehören. Auch Luftaufbereitungssysteme oder Heizungen werden gerne mal vergessen. Das verzerrt das Bild massiv.
  • Messung an unzugänglichen Punkten: Bei vielen Komponenten ist die direkte Messung schlicht unpraktisch oder zu teuer. Dann wird geschätzt. Und wo geschätzt wird, schleichen sich Ungenauigkeiten ein.
  • Einbeziehung unpassender Systeme: Alternative Energie-Erzeugungssysteme wie Wind- oder Solaranlagen, die am selben Standort sind, sollten nicht in die PUE-Berechnung einfließen, da dies die wahre Leistung des Rechenzentrums verschleiert.
  • Inkonsistente Datengrundlagen: Wenn jeder anders misst und berichtet, wie wollen wir dann vergleichen? Nach wie vor gibt es eine mangelnde Transparenz und Standardisierung in der Datenerhebung. Niemand bestätigt, dass planerisch (Design PUE) oder baulich (zur Inbetriebnahme) alles richtig gemacht wurde.
    Wenn der PUE-Wert aber nicht stimmt, beginnt das Hauen und Stechen bei der der Suche den Schuldigen!

Die Kennzahl PUE ist als Verbesserungs- und Bewertungskennzahl für die eigene Infrastruktur gedacht, nicht als Marketing- oder Vergleichswert zwischen unterschiedlichen Rechenzentren. Doch genau das passiert.

Werbung und Wahrheit

Hersteller behaupten, mit ihrem Produkt hält ein Datacenter-Betreiber den PUE-Wert ein. Rechenzentrumsbetreiber werben mit perfekten PUE-Werten ..., die sie selbst ermittelt haben. Wenn man 'zufällig' die Datacenter-Beleuchtung oder die Kameraheizungen nicht mitgezählt hat, ist es kaum von außen zu kontrollieren.

PUE-Werte sind ein nützliches Werkzeug für die interne, kontinuierliche Verbesserung. Aber lasst uns aufhören, ihn als absolutes Wahrheitskriterium für den Vergleich zwischen ungleichen Systemen zu verwenden!

Das ist unseriös und führt am Ende nur dazu, dass wir uns selbst in die Tasche lügen. Und er hat auf keinen Fall etwas in einem Gesetzestext zu suchen.

*Der Autor
Ulrich Terrahe ist Geschäftsführer der DC-CE RZ-Beratung GmbH & Co. KG, Frankfurt. Er sagt: Das ist unseriös und führt am Ende nur dazu, dass wir uns selbst in die Tasche lügen. Und ein PUE-Wert hat auf keinen Fall etwas in einem Gesetzestext zu suchen.

Bildquelle: DC-CE RZ-Beratung GmbH & Co. KG

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