Das Ende der F-Gase Keine Angst! Datacenter brauchen natürliche Kältemittel

Ein Gastbeitrag von Kai Hartmann* 4 min Lesedauer

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Natürliche Kältemittel sind eine sichere Lösung – nachhaltig, zukunftssicher und wirtschaftlich. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für den Umstieg. Warum?

Rechenzentrumsbetreiber brauchen die Ersatzstoffe für F-Gase nicht zu fürchten. (Bild:  DC-CE RZ-Beratung GmbH & Co. KG)
Rechenzentrumsbetreiber brauchen die Ersatzstoffe für F-Gase nicht zu fürchten.
(Bild: DC-CE RZ-Beratung GmbH & Co. KG)

Rechenzentren brauchen rund um die Uhr eine zuverlässige und zukunftsfähige Kühlung. Gleichzeitig steigen die Anforderungen: Energie sparen, Klimaziele erfüllen und gesetzliche Vorgaben einhalten. Wer hier die falschen Entscheidungen trifft, riskiert steigende Kosten und Unsicherheit.

Denn die EU hat mit der so genannten F-Gase-Verordnung den Ausstieg aus vielen heute noch üblichen Kältemitteln beschlossen. Das betrifft auch Stoffe, die in Rechenzentren weit verbreitet sind:

  • R410A – bisher häufig in Klimageräten eingesetzt, hat ein hohes Treibhauspotenzial (GWP 2088) und darf ab 2025 in neuen Anlagen nicht mehr verwendet werden. Die Verfügbarkeit des Kältemittels für Wartung / Reparaturen sinkt stark.
  • R32 – galt lange als Übergangslösung, verliert aber durch die Quotenregelung schnell an Verfügbarkeit und wird spätestens ab 2030 kaum noch in Neuanlagen einsetzbar sein.
  • R513A, oft als Ersatz für R134a verwendet, aber ebenfalls nur mit kurzer Restlaufzeit. Nach 2030 ist ein faktisches Auslaufen zu erwarten.

Viele dieser Stoffe schädigen nicht nur die Ozonschicht, sondern hinterlassen langlebige Schadstoffe wie PFAS („Ewigkeitschemikalien“) oder TFA, die zusätzlich die Umwelt und Gesundheit belasten.

Die generellen Schritte der Verordnung

Ab 2025: Weniger Import der Kältemittel und damit geringere Bestände - das bedeutet steigende Preise, sinkende Verfügbarkeit und damit eine Gefahr für den Datacenter-Betrieb!

Ab 2027: Verbot neuer Anlagen mit F-Gasen, wenn es praktikable Alternativen gibt.

Ab 2030: Breite Verbotsphase für fast alle heute gängigen F-Gase.

Bis 2050: Vollständiger Ausstieg aus fluorierten Kältemitteln.

Für Betreiber von Anlagen, die auf Kältemittel angewisen sind, heißt das: Wer weiter auf synthetische Kältemittel setzt, muss mit hohen Kosten und Umstellungen rechnen, und gefährdet nicht zuletzt auch seinen Betrieb, wenn zum Beispiel im Havariefalle keine, oder ungenügend Kältemittel beschafft werden können.

Was bringt es, wenn eine Kältemaschine nach zwei Jahren obsolet wird, weil eine Havarie stattgefunden hat, und kein passendes Kältemittel beschafft werden kann? Schlimmstenfalls muss der Betreiber in einem solchen Fall in neue Maschinen investieren, welche mehrmonatige Lieferzeiten haben.

Die Vorteile natürlicher Kältemittel

Bewährte Alternativen sind Ammoniak R717, CO2 (Kohlendioxid) R744 und Propan R290. Sie bringen gleich mehrere Vorteile mit sich:

  • Sicher für die Zukunft: Keine Verbote, zudem unbegrenzte Verfügbarkeit.
  • Klimafreundlich: Nahezu kein Treibhauseffekt, GWP (Global Warming Potential) zwischen 0 und 3.
  • Keine gefährlichen Abbauprodukte wie PFAS und TFA.
  • Effizient: Ideal für den Dauerbetrieb von Rechenzentren.
  • Wirtschaftlich: Förderungen wie die BAFA-Zuschüsse reduzieren Investitionen, stabile Preise sorgen für Planungssicherheit.

Sorgen um die Sicherheit sind unbegründet mit moderner Technik und guter Planung, obwohl man oft hört: „Propan brennt doch“ oder „Ammoniak ist giftig“. Das stimmt, aber moderne Technik und strenge Regularien wie die EN378 machen den Umgang damit sicher:

  • Kleine Füllmengen, sowie gekapselte Systeme sorgen dafür, dass das Kältemittel da bleibt, wo es keinen Schaden anrichten kann, wenn es überhaupt zu einem Austritt kommt, da für brennbare / giftige Kältemittel strengere Vorschriften für den Bau der Geräte gelten.
  • Sensoren und automatische Sicherheitsvorkehrungen wie ex-geschützte Lüftungsanlagen sorgen für frühzeitige Warnungen und Belüftung, damit niemand gefährdet werden kann.
  • Seit Jahrzehnten bewährt in anderen Branchen, etwa in der Lebensmittelindustrie.
  • Mit professioneller Planung sind diese Risiken im Rechenzentrum bestens beherrschbar. Selbst Kältemaschinen / Wärmepumpen mit Propan oder Ammoniak können innerhalb von Gebäuden aufgestellt werden.

Förderungen und gesetzliche Vorgaben

Wer jetzt umstellt, profitiert gleich doppelt:

  • BAFA-Förderung: Zuschüsse für effiziente, umweltfreundliche Anlagen. Hier gilt der Zuschuss dann nicht nur auf die Kältemaschine / Wärmepumpe, sondern der ganze Anlagenbau wird mit gefördert!
  • Blauer Engel: Gütesiegel für nachhaltige Rechenzentren ist gut für Image und Wettbewerb. Nur möglich mit natürlichen Kältemitteln!
  • Energie-Effizienzgesetz (EnEfG) beziehungsweise neue Anforderungen an Effizienz und Abwärmenutzung: Natürliche Kältemittel helfen, diese Vorgaben zu erfüllen, da teils höhere Temperaturniveaus möglich sind.

Blick in die Zukunft

Die Kühlung von Rechenzentren entwickelt sich weiter:

  • Abwärmenutzung wird zum Standard: Serverwärme heizt Gebäude, statt in der Umwelt zu verpuffen, und kann gleichzeitig eine zusätzliche Einnahmequelle sein.
  • Nachhaltigkeit wird darstellbar und entscheidet, welches Rechenzentrum Kunden wählen.

Natürliche Kältemittel sind dabei mehr als Technik; sie sind ein strategischer Schritt für ein zukunftsfähiges Rechenzentrum. Und sie sind keine Notlösung, sondern eine echte Chance: umweltfreundlich, effizient, sicher und wirtschaftlich zu sein. Sie machen Rechenzentren fit für die Zukunft – technisch, regulatorisch und finanziell.

Im Download-Bereich unserer Homepage finden Leser unser F-Gase-Plakat „Kältemittelmatrix – Fristen & Verbote“, in dem verdichtet alle wesentlichen Vorgaben der EU-F-Gase-Verordnung auf einen Blick dargestellt sind, klar strukturiert nach Anlagentypen: unter anderem zulässige Kältemittel und GWP-Grenzwerte, Einsatz- und Inverkehrbringungsverbote, Leckagekontrollen sowie Ausnahmen.

*Der Autor
Kai Hartmann ist Planungsingenieur Kälte- und Klimatechnik bei der DC-CE RZ-Beratung GmbH & Co. KG. Er sagt: Datacenter-Betreiber, die früh handeln, sparen Kosten, sichern Fördergelder und erfüllen schon jetzt die Gesetze von morgen.

Bildquelle: DC-CE RZ-Beratung GmbH & Co. KG

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