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Unter welchen Kriterien werden Sie denn die eingereichten Bewerbungen beurteilen?
Gerhard Bosch: Mich interessiert die konkrete Umsetzung der Planung sowie die Effizienz der Lösungen und wie sie in der Lage sind, höherer Energiedichten abzufangen. Gerade in der Regel- und Steuertechnik sind derzeit Innovationen zu finden.
Gibt es etwas, das Sie aus dem Rechenzentrum verbannen würden?
Gerhard Bosch: Batterien sind für mich beispielsweise ein hohes Risiko im Rechenzentrum und sollten nicht mehr eingesetzt werden, dafür gibt es Alternativen. Auch bei der Klimatisierung votiere ich für die indirekte freie Kühlung, nicht für die freie.
Der „indirekten Freien Kühlung“ liegt ein nahezu geniales Verfahren zugrunde, bei dem lediglich die Temperatur – eine abstrakte Kategorie – mittels einer mit Wasser gefüllten Rohrleitung aus der Atmosphäre herauszulösen und damit die Wärme aus den IT-Räumen abzuführen.
Bei der „direkten Freien Kühlung“ mittels Außenluft, die in die IT-Räume geblasen wird, besteht ein hohes Kontaminationsrisiko. Die Kosten der ergänzenden Kühlung bei hohen Temperaturen werden ebenso gerne übersehen wie die Aufwände, die notwendig sind, um die enormen Luftmengen zu bewegen.
Dafür sind besondere Gebäudeentwürfe zwingend, die zum Beispiel die unterirdische Anordnung von IT-Räumen ausschließen.
Auch die Nutzung von Grundwasser zur Kühlung die zur Aufheizung des Grundwassers führt, ist für mich keine akzeptable Lösung.
Sie sind von der Ausbildung her Architekt. Wie beurteilen Sie denn die Gebäudetechnik im Rechenzentrum heute?
Gerhard Bosch: Die Diskussion ist derzeit viel zu sehr auf den IT-Raum bezogen; entscheidend ist jedoch das Design der zum Betrieb der IT-Räume erforderlichen Gebäudetechnischen Anlagen. Dazu ist profundes Ingenieurwissen gefordert.
Als Architekten arbeiten wir an der Integration dieses Wissens in die Gebäudekonzepte, die beispielsweise ein gewähltes Verfügbarkeitskonzept erst zur vollen Wirkung gelangen lassen. Dabei ordnen wir in einem Rechenzentrum, das für Hochverfügbarkeit ausgelegt ist, identische Technikzentralen in separaten Bereichen des Gebäudes an und führen die Ver- und Entsorgungsleitungen auf unterschiedlichen Pfaden an die IT-Verbraucher heran.
Außerdem obliegt es uns, das Sicherheitskonzept im Gebäudeentwurf zu materialisieren, zum Beispiel durch Gliederung in Sicherheitszonen, robuste Abschnitte und die Organisation der Rettungswege.
Alle diese Themen sind den Kollegen mit Ingenieur-Hintergrund verborgen. Es war deshalb eine fehlsichtige Entscheidung von HP, 2007 die Ingenieurfirma EYP zu kaufen, die sich mit Energie-Effizienz und Kühlung beschäftigen, jedoch nicht im Datacenter-Design. Bei dieser Ingenieurssicht ist das Thema Rechenzentrum in seinem Kern einfach nicht verstanden.
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