Kommentar einer Insiderin Frauen sind in Rechenzentren wichtiger denn je

Ein Gastbeitrag von Dorén Fischer* 4 min Lesedauer

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Mit Innovation verbinden viele Menschen futuristische Software, Durchbrüche in der KI oder Smart-Home-Technologie. Seltener denken sie dabei das Rückgrat solcher Innovationen: Rechenzentren, die still und leise die digitale Transformation vorantreiben. Und warum sind die eigentlich eine Männerdomäne?

Die Equinix-Rechenzentren in Frankfurt sollen begrünt sein, hier eine Simulation aus dem Jahr 2021; doch das versteht Autorin Dorén Fischer nicht unter 'weiblicher Note'.... (Bild:  Equinix)
Die Equinix-Rechenzentren in Frankfurt sollen begrünt sein, hier eine Simulation aus dem Jahr 2021; doch das versteht Autorin Dorén Fischer nicht unter 'weiblicher Note'....
(Bild: Equinix)

Rechenzentren ermöglichen alles von Streaming und Cloud-Speicher bis hin zu Finanztransaktionen und vernetzter Mobilität. Sie berühren damit nahezu jeden Aspekt unseres digitalen Alltags.

Es ist höchste Zeit, dass wir nicht nur diese wichtige Branche ins Rampenlicht rücken, sondern auch die Menschen, die sie am Laufen halten. Das gilt insbesondere für Frauen in technischen Berufen, die in diesen wichtigen Positionen nach wie vor unterrepräsentiert sind.

Mit über 25 Jahren Erfahrung in der strategischen Betriebsplanung und IT-Führung habe ich große Teams geleitet und durchgehend systemkritische Umgebungen auf der ganzen Welt verwaltet. Heute leite ich fünf große Rechenzentren auf dem Equinix Campus West in Frankfurt. Das ist eine Aufgabe, die operative Expertise mit einem Sinn für das große Ganze verbindet: den Aufbau einer nachhaltigen, integrativen Infrastruktur, die sowohl Unternehmen als auch der Gesellschaft dient.

Geschlechtervielfalt ist in der digitalen Infrastruktur wichtig

Vielfältige Teams sind innovativer, widerstandsfähiger und besser für komplexe Herausforderungen gerüstet. Dies gilt insbesondere für technische Umgebungen, die operative Präzision, Flexibilität und systemisches Denken erfordern. Für Equinix und mich persönlich ist Vielfalt nicht nur eine Frage der Fairness, sondern eine strategische Priorität.

Equinix hat Inklusion und Zugehörigkeit zum Teil seiner globalen Unternehmensstrategie gemacht. Programme wie das „Equinix Women Leaders Network“, „Women Connect“ und unsere „Women in Operations Community“ bieten Frauen in allen Positionen und Karrierestufen die Möglichkeit, sich zu vernetzen, weiterzuentwickeln und Führungspositionen zu übernehmen.

Dorén Fischer ist unter anderem für das Frankfurter Rechenzentrum „Fra4“ zuständig. (Bild:  Equinix)
Dorén Fischer ist unter anderem für das Frankfurter Rechenzentrum „Fra4“ zuständig.
(Bild: Equinix)

Zum Beispiel ist die im April gestartete Initiative „Women in Operations“ in EMEA ist eine Arbeitsgruppe ohne Hierarchien, in der Kolleginnen aus verschiedenen Ländern zusammenkommen, um sich über lokale Initiativen und Entwicklungen auszutauschen und praktische Tools zu entwickeln. Beispielsweise haben wir Workshops zum Impostor-Syndrom, zu Feedback-Fähigkeiten und zur Gehaltsverhandlung organisiert.

Die Jugend-Ansprache

In Deutschland gehen wir noch einen Schritt weiter: Jede neue Mitarbeiterin im operativen Bereich wird in den ersten 90 Tagen von einem Mentor/ einer Mentorin begleitet. Das ist eine einfache und effektive Methode, um vom ersten Tag an Zugehörigkeit und Orientierung zu fördern.

Außerdem arbeiten wir aktiv mit Schulen und Universitäten zusammen, veranstalten „Girls' Day“- und „Education Day“-Events und bieten Praktika und Ausbildungsplätze an, um Neugier aber auch Selbstvertrauen junger Frauen zu wecken. Bei diesen Programmen geht es nicht um Image, sondern um Orientierung. Wir möchten, dass junge Menschen Rechenzentren nicht als etwas Abstraktes betrachten, sondern als reale Orte, an denen sie wachsen und sich einbringen können.

Wir haben viel erreicht, aber es gibt noch Hürden. Selbst in zukunftsorientierten Unternehmen können Frauen in technischen Berufen mit (subtilen) Vorurteilen konfrontiert werden und eingeschränkte Entwicklungsmöglichkeiten haben.

Subtile und weniger subtile Vorurteile

Ich bin schon immer davon überzeugt, dass Menschen Veränderungen bewirken können. Durch Schulungen, Mentoring und die Schaffung realer Führungsmöglichkeiten können wir Karrieren nachhaltig verändern.

Ich bin in einem kleinen Dorf aufgewachsen und habe meine Karriere mit einer technischen Ausbildung begonnen. Damals war ich oft die einzige Frau im Raum – unterschätzt, herausgefordert und nicht immer ernst genommen, selbst von Professoren. Mit 22 zog ich in die Stadt, unterschrieb meinen ersten Arbeitsvertrag und stieg in die IT-Branche ein. Ich wusste schon früh, dass ich aufgrund der dynamischen Entwicklung, der technischen Tiefe und der langfristigen Relevanz in der Rechenzentrumsbranche arbeiten wollte.

Mein erster Job war in der Computerindustrie. Von dort wechselte ich in Rechenzentren. Ich hatte das Glück, von Menschen umgeben zu sein, die an mich glaubten und mir früh Verantwortung gaben. Dieses Vertrauen prägt meinen Führungsstil bis heute. Heute versuche ich, genau das weiterzugeben, indem ich andere dabei unterstütze, ihre Stimme zu finden, sie ermutige, zu führen, und ihnen dabei zur Seite stehe.

Die Strukturen um uns herum

Das geht über Mentoring hinaus. Es bedeutet, die Organisation der Arbeit mit digitaler Infrastruktur neu zu strukturieren.

Wir müssen normalisieren, dass Frauen technische Teams leiten. Modelle müssen Flexibilität ermöglichen, insbesondere für Menschen mit Betreuungsaufgaben. Tools und Sicherheitsausrüstung müssen für alle funktionieren, nicht nur standardmäßig für den durchschnittlichen männlichen Nutzer. Das sind keine optionalen Extras, sondern strukturelle Voraussetzungen für langfristige Inklusion.

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Effektive Führung in der digitalen Infrastruktur erfordert mehr als nur technisches Wissen. Sie erfordert ein Verständnis für Menschen. Es geht um Vertrauen, Empowerment und Verantwortlichkeit. Diese Fähigkeiten sind nicht geschlechtsspezifisch und sollten auch nicht als solche behandelt werden. Wenn wir echte Fortschritte erzielen wollen, müssen wir aufhören, Frauen in der Infrastruktur als Ausnahme zu betrachten, und anfangen, sie als unverzichtbar anzuerkennen.

*Die Autorin
Dorén Fischer ist Director IBX Operations Campus West (FR4/5/6/7/8) bei Equinix. Sie sagt: Bei Equinix anzufangen, fühlte sich an wie nach Hause zu kommen – als hätte ich endlich den Ort gefunden, an dem ich wirklich etwas bewegen kann. Jetzt möchte ich anderen helfen, dieses Gefühl ebenfalls zu entwickeln.
Eine Zukunft, in der mehr Frauen digitale Infrastruktur aufbauen und verantworten, ist stärker, intelligenter und integrativer für alle.

Bildquelle: Equinix/Linkedin

Von Dorén Fischer, Director, IBX Operations Campus West (FR4/5/6/7/8), Equinix

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