Effizienz beginnt am Chip Direkte Flüssigkühlung kurz erklärt

Ein Gastbeitrag von Ulrike Ostler 2 min Lesedauer

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Rechenzentren stehen vor einer doppelten Herausforderung: steigender Leistungsbedarf bei gleichzeitig wachsendem Druck, Energieverbrauch und CO₂-Emissionen zu senken. Klassische Luftkühlungssysteme stoßen dabei zunehmend an physikalische und wirtschaftliche Grenzen. Eine der vielversprechendsten Technologien, um diese Probleme zu adressieren, ist die direkte Flüssigkühlung (Direct Liquid Cooling, DLC).

Bei der direkten Chipkühlung wird Kühlflüssigkeit, zumeist ein Wassergemisch, rund um sowie über die Chips geleitet. Notwenig ist dabei eine Kühlplatte mit hauchdünnen Kanälen. (Bild: ©  Lila Patel - stock.adobe.com / KI-generiert)
Bei der direkten Chipkühlung wird Kühlflüssigkeit, zumeist ein Wassergemisch, rund um sowie über die Chips geleitet. Notwenig ist dabei eine Kühlplatte mit hauchdünnen Kanälen.
(Bild: © Lila Patel - stock.adobe.com / KI-generiert)

Bei der direkten Flüssigkühlung zirkuliert das Kühlmedium, in der Regel ein nichtleitendes Fluid oder Wasser-Glykol-Gemisch, direkt über thermisch kritischen Komponenten wie CPUs, GPUs oder Spannungswandler. Das erfolgt zumeist über Cold Plates, die thermisch hochleitend mit den Chips verbunden sind.

So wird die entstehende Wärme unmittelbar an ihrer Quelle aufgenommen, ohne den Umweg über Luftkonvektion. Die Effizienz des Wärme-Übergangs liegt dabei deutlich über der von Luftkühlung, da Flüssigkeiten eine etwa 1.000-fach höhere Wärmekapazität besitzen. Das Ergebnis ist eine homogenere Temperaturverteilung im System und eine bessere Kontrolle über thermische Spitzenlasten, insbesondere in High-Density-Umgebungen.

Reduktion des Energiebedarfs und verbesserter PUE-Wert

In der Praxis entfällt ein erheblicher Teil des Energieverbrauchs eines Rechenzentrums auf Kühlung, noch immer bis zu 40 Prozent. Durch DLC lässt sich dieser Anteil signifikant reduzieren.

Während klassische Systeme Luft mit großer mechanischer Energie über den Raum transportieren müssen, können DLC-Systeme die gleiche oder bessere Kühlleistung mit deutlich geringerem Pumpenaufwand erzielen.

Dies führt zu einer Verbesserung des Power Usage Effectiveness (PUE), der Kennzahl für die Energie-Effizienz von Rechenzentren. Werte von nahezu 1,1 sind mit moderner Flüssigkühlung realistisch erreichbar, während luftbasierte Systeme häufig jenseits von 1,5 liegen.

High-Density-Fähigkeit und Skalierbarkeit

DLC bietet somit klare Vorteile in Umgebungen mit hoher Rechendichte, wie HPC-Clustern, KI-Trainingssystemen oder Edge-Rechenzentren. Da die Flüssigkeit gezielt auf Hotspots gelenkt werden kann, lassen sich Wärmelasten zielgenau managen. Selbst Komponenten mit Leistungsdichten jenseits von 500 Watt pro Chip sind zuverlässig betreibbar, ein Bereich, in dem klassische Luftsysteme längst an ihre Limits stoßen.

Hinzu kommt, dass wassergekühlte Systeme modular und skalierbar aufgebaut werden können. Bestehende Architekturen lassen sich oft durch nachrüstbare Kühlplatten oder zirkulierende Kreisläufe erweitern.

Wärmerückgewinnung und Nachhaltigkeit

Ein weiterer entscheidender Aspekt ist die Wärmerückgewinnung. Da die Kühlflüssigkeiten mit höheren Vorlauftemperaturen (typischerweise 45 bis 60 Grad) arbeiten, kann die abgeführte Wärme effizient in sekundären Systemen genutzt werden, beispielsweise zur Gebäudebeheizung oder zur Einspeisung in lokale Fernwärmenetze.

Verglichen mit herkömmlicher Luftkühlung ermöglicht DLC eine bis zu fünfmal höhere Rückgewinnungskapazität, da die thermischen Verluste und die Exergie-Effizienz optimiert werden. Dies steigert nicht nur Nachhaltigkeit, sondern verbessert auch die Gesamtbetriebskosten (TCO) durch eine Zweitverwertung der eingesetzten Energie.

Die direkte Flüssigkühlung verschiebt damit den Maßstab für Energie-Effizienz, Leistungsdichte und Nachhaltigkeit im Rechenzentrumsbetrieb. Sie erlaubt präzise Temperaturregelung, minimiert Infrastrukturverluste und erschließt gleichzeitig neue Potenziale für Energie-Rückgewinnung.

*Der Autor
Ulrich Terrahe ist Geschäftsführer der DC-CE RZ-Beratung GmbH & Co. KG, Frankfurt. Sein Fazit lautet: Wer Rechenzentren der nächsten Generation plant oder bestehende Infrastrukturen modernisieren will, kommt an DLC nicht vorbei. Die direkte Chipkühlung repräsentiert die Kerntechnologie einer nachhaltigen, leistungsfähigen IT-Infrastruktur.

Bildquelle: DC-CE RZ-Beratung GmbH & Co. KG

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