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DeRZ - Deutsche Rechenzentren GmbH

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10.12.2020

Moderne IT-Infrastrukturen und Datensicherheit als Wettbewerbsgarant

Nicht erst seit der Pandemie ist jedem klar, dass der Healthcare-Sektor enorm wichtig für unsere Gesellschaft ist. Dennoch wurde vor allem durch die herausfordernde Situation der letzten Wochen und Monate deutlich, dass hier auch vieles im Argen liegt. Abgesehen von personellen Schwierigkeiten geht es um organisatorische Faktoren, Effizienz, Verfügbarkeit und Technologie. Dr. Dieter Schmitz weiß um den aktuellen Standard, zukünftige Anforderungen und Maßnahmen, welche die Situation deutlich anheben werden. Als langjähriger Experte im Gesundheitswesen ist er seit einiger Zeit Managing Partner der DeRZ Deutsche Rechenzentren GmbH und treibt die Symbiose von IT-Infrastruktur und dem Healthcare Sektor voran. Er stand der Redaktion Rede und Antwort.

Nicht erst seit der Pandemie ist jedem klar, dass der Healthcare-Sektor enorm wichtig für unsere Gesellschaft ist. Dennoch wurde vor allem durch die herausfordernde Situation der letzten Wochen und Monate deutlich, dass hier auch vieles im Argen liegt. Abgesehen von personellen Schwierigkeiten geht es um organisatorische Faktoren, Effizienz, Verfügbarkeit und Technologie. Dr. Dieter Schmitz weiß um den aktuellen Standard, zukünftige Anforderungen und Maßnahmen, welche die Situation deutlich anheben werden. Als langjähriger Experte im Gesundheitswesen ist er seit einiger Zeit Managing Partner der DeRZ Deutsche Rechenzentren GmbH und treibt die Symbiose von IT-Infrastruktur und dem Healthcare Sektor voran. Er stand der Redaktion Rede und Antwort.

 

Herr Dr. Schmitz, Themen wie Telematik oder Robotik sind im Healthcare-Bereich seit einiger Zeit relevant. Somit wird die Digitalisierung hier ja bereits vorangetrieben. Woran hapert es denn Ihrer Meinung nach noch?

 

Dr. Schmitz: Dass diese Prozesse angestoßen wurden ist richtig und natürlich auch wichtig. Wir verfügen in Deutschland bereits über tolle Projekte auf diesem Gebiet. Nun müssen wir schauen, dass die Umsetzung einwandfrei vonstattengeht und wir technologisch am Ball bleiben. Es reicht nicht aus, Stückwerk zu betreiben. Das Thema Digitalisierung muss ganzheitlich betrachtet werden und übergreifend wirken. Die Basis hierfür stellen effiziente, sichere und hochmoderne IT-Infrastrukturen dar, die als Grundpfeiler aller noch kommenden technologischen Errungenschaften im Gesundheitsbereich gesehen werden müssen. Das Datenaufkommen wird stetig wachsen. Das heißt, es bedarf Rechenzentren und schneller Datenübertragung, damit alles zuverlässig läuft und über gemeinsame Schnittstellen kommuniziert werden kann. Der Anspruch an die Medizin wächst. Während Technologien geschaffen werden, liegt die Infrastruktur, um diese zu bedienen, brach. Dies hat zum einen häufig finanzielle Gründe, liegt aber auch an der hohen Fluktuation der Fachkräfte und damit des wechselbedingten Know-hows. Dadurch kommt es zum Fehlen von kontinuierlichen und vor allem notwendigen Anpassungen in Wachstums-, Technologietransfer- und Investitionsphasen. Dabei ist der klinische Bereich digital und insbesondere IT-infrastrukturell gesehen weit hinter Unternehmen der Pharmabranche und der Medizintechnik anzusiedeln.

 

Existiert diese Basis für den digitalen Fortschritt denn nicht bereits? Global Player bieten schließlich Unmengen an Datenkapazität und Rechenleistung an.

 

Dr. Schmitz: Die Kapazitäten wären da. Aber die Bedingungen stimmen hier einfach nicht. Alleine aus Datenschutzgründen sind IT-Dienstleistungen mit Sitz im eigenen Land die beste Wahl. Hyperscaler Cloud-Anbieter unterliegen anderen rechtlichen Vorgaben und fühlen sich nicht immer den deutschen oder europäischen Datenschutz- und Sicherheitsgesetzgebungen verpflichtet. Große Dienstleistungsrechenzentren aus den USA unterliegen dem Patriot Act bzw. dem amerikanischen Cloud Act. Dadurch ergibt sich eine grundsätzliche Unvereinbarkeit mit der DSGVO, was zu Problemen in Bezug auf Datensicherheit, Vertraulichkeit und auch Haftungsproblemen des Managements führen kann. Ich möchte an dieser Stelle eine Lanze für den Standort Deutschland brechen. Wir konnten in der jüngsten Vergangenheit beobachten, welche Folgen beispielsweise ausgelagerte Produktionen wichtiger Güter haben können. Engpässe im Medizinbereich und technische Diskontinuitäten sind in Krisensituationen fatal. Im IT-Bereich verhält es sich ähnlich: eine optimal ausgebaute Infrastruktur ermöglicht uns eine schnellere sichere sowie zuverlässige Datenübertragung, Schutz vor Cyberattacken, die optimale Vernetzung unterschiedlicher Gesundheitsbereiche sowie die Möglichkeit, kurzfristig zu reagieren. Denn nur, wenn alle Daten gebündelt zur Verfügung stehen, können beispielsweise auch die Diagnostik und oft multidisziplinäre, sektorenübergreifende Therapie im Sinne des Patienten ganzheitlich erfolgen. Zudem sehe ich hier einen wichtigen Zukunftsmarkt und viele neue Arbeitsplätze und Berufsgruppen, wie beispielsweise ganz konkret die Medizininformatiker, die glänzende berufliche Aussichten haben.

 

Der Ausbau des technologischen Fortschritts ist natürlich sehr erstrebenswert. Dennoch stellt sich zugleich die Frage nach der Finanzierung. Mit dem Gesundheitssektor verbindet man nicht gerade einen Überfluss an Geldmitteln, sondern eher Krankenhausstandorte, die um ihre Existenz fürchten.

 

Dr. Schmitz: Das ist ein ganz entscheidender Punkt. Wir beobachten, dass die medizinische Versorgung im Wandel ist. Zunehmend werden aus strukturellen und finanziellen Gründen Klinikstandorte zusammengelegt, die Pflege zentralisiert oder medizinische Versorgungs- bzw. intersektorale Gesundheitszentren gegründet. Daraus ergeben sich aber auch Chancen – und das nicht nur die Qualität der Patientenversorgung betreffend. Die deutsche Krankenhausgesellschaft hat im B3S-Katalog den aktuellen Stand der Technik für Krankenhäuser definiert. Dieser wird für Häuser angesetzt, die zur kritischen Infrastruktur (KRITIS) zählen. Solche Kliniken sind sogar gesetzlich dazu verpflichtet, ihre IT-Systeme auf den aktuellen Stand zu bringen und vor allem sichere Strukturen zu schaffen. Nun haben KRITIS-Häuser ja einen Fördermittelanspruch auf Finanzmittel aus dem Krankenhausstrukturfonds. Ein Schwerpunkt liegt hier auf dem Ausbau der IT-Sicherheit und stellt somit einen hervorragenden Ansatzpunkt für einen Aufbruch in diesem Bereich dar. Der Krankenhausstrukturfonds II beinhaltet ein Gesamtvolumen von etwa vier Milliarden Euro. Meiner Meinung nach sollten jedoch auch Krankenhäuser bedacht werden, die unter der KRITIS-Schwelle liegen. Denn hier müssen wir uns gleichermaßen auf reibungslose Abläufe der IT-Systeme und somit eine sichere Vorhaltung und Auswertung sensibler Daten verlassen können - und dass nicht nur in Oberzentren, sondern auch im ländlichen Raum. Eventuell könnten betroffene Krankenhäuser Mittel aus dem aktuellen Covid-19 Konjunkturpaket nutzen. In diesem wurde die Unterstützung von Maßnahmen zum Ausbau der digitalen Infrastruktur und IT-Sicherheit ebenfalls berücksichtigt. Nun ist es an den Entscheidungsträgern - insbesondere den kaufmännischen Direktoren - sich mit den IT-Vorständen, -Leitern und -Administratoren sowie gegebenenfalls Ärzten zusammenzutun, um die künftigen Herausforderungen zu beleuchten und in die Tat umzusetzen.

 

Welche Vorteile ergeben sich durch den Aufbruch in Richtung digitale Zukunft?

 

Dr. Schmitz: Zunächst einmal profitieren die Patienten von den erweiterten Möglichkeiten im Bereich der Versorgung. Darüber hinaus ergeben sich ganz klar Wettbewerbsvorteile und Synergiepotentiale für bestehende und entstehende Kooperationen, sowie regionale Vernetzungen für die Kliniken. Eine moderne IT-Infrastruktur und Datensicherheit werden in Zukunft unabdingbar sein. Der aufgeklärte Patient ist zudem zunehmend der eigene Lotse. Man bedenke, dass die Digitalisierung in allen gesellschaftlichen und beruflichen Bereichen Einzug erhalten hat. Betrachtet man die Entwicklungen in der deutschen Industrie – Stichwort Industrie 4.0 – so kann sich der Healthcare Bereich hier ein Beispiel nehmen. Die Patienten haben die Wahl. Und diese wird sie im Zweifelsfall dorthin führen, wo sie sich am besten aufgehoben fühlen und alles Up-to-date ist – sei es die Diagnostik, die Behandlungsmethoden oder auch das fachübergreifende, interdisziplinäre After-Care Management. All das ist Sache einer zukunftsorientierten IT-Landschaft. Die Synergieeffekte zwischen IT und Gesundheitswesen liegen somit auf der Hand und der Startpunkt darf nun nicht verschlafen werden. Das betrifft nicht nur große Kliniken, die bereits auf Robotik, Telematik und künstliche Intelligenz setzen. Auch medizinische Versorgungszentren verzeichnen einen hohen Bedarf. Radiologische Praxen beispielsweise haben ein sehr großes Datenaufkommen, bei dessen Verarbeitung viel Luft nach oben ist und auch die sichere Kommunikation mit anderen Stellen optimiert werden muss. Im Zuge der Digitalisierung verbessert sich ganz einfach ausgedrückt die Qualität der Behandlung und medizinischer Abläufe. Sowohl hinsichtlich der Kommunikation, der Datensicherheit- und Erhebung als auch technologischer Methoden. Wer den Anschluss nun verpasst, wird in fünf bis zehn Jahren nicht mehr mithalten können.

 

Vielen Dank für das Gespräch!