Co-Location Rechenzentrum in 15.000 Seelen Ort DataR baut in Norddeutschland ein nachhaltiges Datacenter

Von Marvin Djondo-Pacham 4 min Lesedauer

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Die Gemeinde Rellingen befindet sich nordwestlich von Hamburg und ist mit seinen drei Ortsteilen und knapp 15.000 Einwohnern recht überschaubar. Nun sorgt die Kleinstadt für Aufsehen; denn DataR plant dort den Bau eines Fünf-Megawatt-Rechenzentrums.

In der norddeutschen Gemeinde Rellingen entsteht ein Co-Location Rechenzentrum. Neben neuen Arbeitsplätze hofft Bürgermeister Marc Trampe auf die Nutzung der entstehenden Abwärme und hohe Gewerbesteuereinnahmen. (Bild:  DataR)
In der norddeutschen Gemeinde Rellingen entsteht ein Co-Location Rechenzentrum. Neben neuen Arbeitsplätze hofft Bürgermeister Marc Trampe auf die Nutzung der entstehenden Abwärme und hohe Gewerbesteuereinnahmen.
(Bild: DataR)

Zunächst hat es für die Fläche im Ortsteil Krupunder andere Pläne gegeben, holt Bürgermeister Marc Trampe aus: „Wir wollten dort einen Online-Möbelhändler ansiedeln“. Damals, 2019, stand zur Debatte eine Fläche von insgesamt fünf Hektar zu 80 Prozent mit 13 Meter hohen Hallen bebaut werden sollte.

Die Bürger gingen gegen dieses Vorhaben vor und gründeten eine Bürgerinitiative. Zu viel Verkehr und zu wenig Grünflächen waren die größten Sorgen. Die massiven Proteste gipfelten in 500 Menschen in einer Turnhalle, denen sich Trampe gegenüber sah - zwecklos, die Baupläne weiter zu verfolgen.

Zusammen mit den Bürgen haben Gemeinderat und Verwaltung überlegt, was nun mit der Fläche geschehen soll. Der neue Bebauungsplan sieht nun vor, dass nur ein Teil der fünf Hektar für Gewerbe genutzt wird und der Rest für die öffentliche Nutzung und Wohnraum herhalten soll. Es entstehen zum Beispiel eine Grundschule und ein Kindergarten - und ein Co-Location-Rechenzentrum in unmittelbarer Nähe.

Ein Ausschnitt einer Karte die Rellingen zeigt. Der rote Kreis markiert den Standort der Fläche, auf dem das Rechenzentrum gebaut wird.(Bild:  Marc Trampe / Google Maps)
Ein Ausschnitt einer Karte die Rellingen zeigt. Der rote Kreis markiert den Standort der Fläche, auf dem das Rechenzentrum gebaut wird.
(Bild: Marc Trampe / Google Maps)

Co-Location Rechenzentrum bringt hohe Gewerbesteuer

Der Bauherr des Rechenzentrums ist DataR. Das 'R' steht für Rellingen. Das Unternehmen hatte bereits nach einem passenden Ort für den Bau eines Datacenter gesucht.

Trampe ist nach kurzer Zeit von der Idee überzeugt gewesen: „Wir haben uns dann relativ schnell zusammengesetzt, kennengelernt und beide Seiten haben, glaube ich, gemerkt: Der Standort könnte für sie passen und das Gewerbe für uns. So sind wir dann gemeinsam in den weiteren Prozess 'reingegangen.“

Das Co-Location-Rechenzentrum soll auf einer Fläche von knapp einem Hektar entstehen, ein kleiner Bau, im Vergleich zu dem, was Hyperscaler heute planen. Da kann es schon 'mal bis zu 500 MW hochgehen.Insgesamt sollen in Rellingen rund 80 Millionen Euro in das Projekt investiert werden.

Im DataCenter-Diaries-Podcast #36 '„#36: Rellingen bekommt ein Rechenzentrum. Was sagt der Bürgermeister?“ geht Ulrike Ostler, Chefredakteurin von DataCenter-Insider im Gespräch mit Marc Trampe, Bürgermeister der Gemeinde Rellingen, auf den geplanten Bau eines Rechenzentrums in der Kleinstadt ein.

Die Podcast-Folge #36 von DataCenter Diaries findet sich auf Spotify, Apple Podcasts, Deezer und Amazon Musik.

„Wir haben hier ein kleines feines Projekt vor uns“, so der Bürgermeister. Zur Begründung: Das Rechenzentrum wird mit 30, 32 Grad Wärme abgeben, die dann der neuen Schule, der Sporthalle und dem Kindergarten zu Gute kommen soll.

Zwar steht weder fest, wie viel Prozent der Datacenter-Abwärme letztlich abgenommen werden kann - Trampe ist aber überzeugt, dass die gesetzlichen Vorgaben des Energie-Effizienzgesetztes eingehalten werden können, - noch wer das Wärmenetz und die Wärmepumpen zum Aufheizen der Temperatur betreiben wird. Aber die grüne Energie habe die Bürgerproteste verstummen lassen, soTrampe. Er verschweigt aber auch nicht, dass er mit hohen Gewerbesteuereinnahmen und neuen Arbeitsplätzen rechnet.

Energie-Effizienz durch Abwärmenutzung

Trampe erläutert: „Die Abwärme wird eine Temperatur von knapp 30 Grad erreichen. Das ist aber nicht genug, um ganze Gebäude zu beheizen. Aus diesem Grund werden Wärmepumpen eingesetzt.“

Nicht nur für Rellingen, die dortigen Bürger ,sondern auch für den Bürgermeister selbst sind Datacenter etwas Neues: „Als Bürgermeister ist man ja doch so ein Generalist, kann vieles aber eigentlich nichts richtig“, schmunzelt er und räumt ein, dass das Thema sehr komplex sei.

Allein schon die ganzen Vorschriften speziell für Rechenzentren seien neu für ihn gewesen. Schnuppern konnte er vorab aber auch: „Ich durfte mir auch ein Rechenzentrum angucken, damit ich ein Gefühl bekomme: Wie sieht diese Technik aus ... und, und, und. Das hat tatsächlich Begeisterung geweckt.“

Trampe wünscht sich mehr Mut in der Kommunalpolitik

Bereits Mitte 2026 soll das Rechenzentrum in Betrieb genommen werden, Bürgermeister Trampe rechnet jedoch eher mit einem Start Anfang 2027. Grund dafür sind auch die in Bauprojekten durchaus üblichen Herausforderungen, mit denen, auch wie üblich, die Beteiligten nicht rechnen. In diesem Fall ist man während der Grabungsarbeiten auf Grundwasser gestoßen. Jetzt wird dieses nach Absprache mit dem Wasserwirtschaftsamt abgepumpt - ein technisch aufwendiges Unterfangen.

Nichtsdestotrotz: Trampe schließt, er sei stolz auf das Projekt, das in seinem Ort verwirklicht werde und appelliert an seine Berufskollegen, überhaupt mehr Mut zu zeigen und neue Wege einzuschlagen, um Chancen zu ergreifen. „Ich glaube, wenn alle Partner einen gemeinsamen Geist entwickeln und auf Augenhöhe so ein Projekt umsetzen, dann kann so etwas auch an ungewöhnlichen Standorten gelingen.“ Er meint Rellingen.

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Kommentar des Autors

Projekte, wie das in Rellingen, zeigen, dass es durch aus möglich ist, sinnvolle Nachhaltigkeitsprojekte fern ab vom Greenwashing umzusetzen. Neben ein wenig Hirnschmalz und den richtigen Partnern ist dafür vor allem eine Sache notwendig: Mut.

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