Potenziale, Bremsbeläge, Bedenken und Empfehlungen für Datacenter in Weiß-Blau Borderstep-Studie: Der Rechenzentrumsmarkt in Bayern

Quelle: Pressemitteilung 6 min Lesedauer

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Bayern hat aktuell einen Anteil von circa 15 Prozent der Rechenzentrumskapazitäten in Deutschland. Die Grüne Fraktion im Bayerischen Landtag wurmt der geringe Prozentsatz offenbar, haben sie doch beim Borderstep Institut eine Studie in Auftrag gegeben, die die aktuelle Situation und das Potenzial aber auch die Risiken der Energie-intensiven Branche untersucht. Denn zugleich sorgen sie sich um die ökologische Verträglichkeit.

Datacenter in Bavaria - Status Quo und Zukunfsaussichten: die Grünen initiieren Studie des Borderstep Institut. (Bild:  frei lizenziert: Clker-Free-Vector-Images  /  Pixabay)
Datacenter in Bavaria - Status Quo und Zukunfsaussichten: die Grünen initiieren Studie des Borderstep Institut.
(Bild: frei lizenziert: Clker-Free-Vector-Images / Pixabay)

Die Ergebnisse der Studie „Rechenzentren in Bayern: Ökologische Nachhaltigkeit – zukunftsgerichtete Standortpolitik“ vom Borderstep Institut, die Ralph Hintemann, Simon Hinterholzer und Isabel Merz erstellt haben, zeigen, dass auch in Bayern der Rechenzentrumsmarkt deutlich wächst. Zwischen 2010 und 2022 sind die Kapazitäten in den bayerischen Rechenzentren um 70 Prozent angestiegen. Auch für die Zukunft sei ein weiteres Wachstum im Markt zu erwarten.

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Setzten sich die aktuellen Trends weiter fort, wüchsen die Kapazitäten bis zum Jahr 2030 um weitere 40 Prozent an. Wie weltweit und im Hot-Spot Rhein-Main sei das Marktwachstum im Wesentlichen durch die deutliche Ausweitung der Kapazitäten von Cloud-Rechenzentren begründet. Im bundesdeutschen Vergleich sei Bayern nach Hessen und Berlin aktuell einer der gefragtesten Rechenzentrumsstandorte in Deutschland.

Laut Studie gibt es eine Reihe von Bauprojekten für neue Rechenzentren; hier einige Beispiele:

  • So plant Hetzner Online ein Rechenzentrum mit einer Leistungsaufnahme von 50 Megawatt (MW) in Ellingen. Für das Rechenzentrum ist ein Grundstück von 50 Hektar vorgesehen, davon 35 ha für einen Solarpark und 15 ha für die Server-Hallen (Lai, 2022).
  • Der internationale Rechenzentrums-Dienstleister Equinix hat im Jahr 2022 in Aschheim ein Rechenzentrum in Betrieb genommen, das in der ersten Ausbaustufe eine maximale Leistungsaufnahme von 4 MW erlaubt. Etwa 825 Serverschränke können hier installiert werden. Voll ausgebaut könnten am Standort bis zu 4.700 Serverschränke stehen.
  • LEW Telnet will ab Mitte 2024 mit dem so genannten „LEW Green Data Center“ in Augsburg ein Rechenzentrum betreiben, in dem 600 Server-Racks Platz finden.
  • Auch der Freistaat Bayern plant den Neubau eines Rechenzentrums in Markt Schwaben. Außerdem entwickelt das Bayerische Staatsministerium für Digitales zusammen mit der Universität Passau ein innovatives, klimaneutrales Rechenzentrum auf dem Campus der Universität.

Darüber hinaus gibt es unternehmenseigene Rechenzentren. „Die interviewten bayerischen Expertinnen und Experten gingen davon aus, dass die Tendenz, eigene Rechenzentren zu betreiben, in Bayern sogar etwas höher ist als in den anderen Bundesländern“, heißt es in der Kurzstudie.

Die Studienmacher gehen insgesamt davon aus, dass es in Bayern knapp 500 Rechenzentren gibt, in denen mehr als 10 Racks installiert sind oder die über eine höhere Anschlussleistung als 40 Kilowatt (kW) verfügen. Der überwiegende Teil dieser Rechenzentren werde von Unternehmen, Behörden oder Forschungseinrichtungen für eigene Zwecke betrieben.Aber es gibt auch über hundert Dienstleistungs-Datacenter in Bayern. Die wichtigsten Standorte sind München und Nürnberg.

Wahlkampfthema: Rahmenbedingungen für eine Schlüsselbranche

Statement der Grünen-Fraktion im Bayerischen Landtag lautet: „Wir Grüne wollen, dass Datacenter auch in Bayern boomt!“

Die geäußerte Ansicht geht davon aus, dass durch die richtigen Maßnahmen die Staatsregierung sowohl den ökologischen Fußabdruck dieser wachsenden Branche senken sowie den Standort Bayern attraktiver gestalten könnte. Sie fordern

  • 1. die Entwicklung einer Landesstrategie 'Green IT', inklusive einem Maßnahmenplan zur ökologischen Modernisierung der landeseigenen Rechenzentren von Behörden und Forschungseinrichtungen und Vorgaben für eine ökologisch nachhaltige Vergabe und Beschaffung von digitaler Technik.
  • 2. die Errichtung eines 'Rechenzentrumsbüros Bayern', wodurch die Landkreise und Kommunen Unterstützung, Beratung und einen zentralen Ansprechpartner erhalten. Die Branche insgesamt und bayerische Unternehmen würden von einer solchen Stelle profitieren, die für Vernetzung zwischen den relevanten Akteur*innen sorgen würde. Unter anderem ließe sich die Abwärmenutzung durch eine solche Vernetzung voran bringen.
  • 3. Ausbau von Erneuerbaren Energien, insbesondere Photovoltaik und Wind, um die regionale Verfügbarkeit von Strom aus erneuerbaren Energiequellen zu erhöhen.

Die Standortbedingungen

Als Standortvorteile werden hier insbesondere in den geringen Risiken für Überschwemmungen und Erdbeben und in der leistungsfähigen Wirtschaft gesehen. Ein kleiner Nachteil sind in diesem Zusammenhang die im Vergleich zu den anderen Bundesländern etwas höheren Temperaturen, wodurch der Energiebedarf für die Kühlung steigt.

Mit dem Internet-Knoten DE-CIX Munich bietet Bayern einen guten Anschluss an das Internet. Gemessen am Daten-Traffic ist der Münchener Knoten mit einer aktuellen Peak-Leistung von etwa 180 Gigabit pro Sekunde (Gbit/s) der viertgrößte Internet-Knoten in Deutschland. Knapp vor München liegt Hamburg mit einer Peak-Leistung von etwa 200 Gbit/s. Berlin liegt mit einer Peak-Leistung von etwa 920 Gbit/s auf dem zweiten Platz. Unangefochten an der Spitze liegt der DC-CIX in Frankfurt mit einer aktuellen Peak-Leistung von 14.680 Gbit/s.

Alles in allem: Keine schlechten Bedingungen. Aber, dass große internationale Betreibende von Rechenzentren sich in Deutschland aktuell vor allem auf die Bundesländer Hessen und Berlin konzentrieren, hinken bayerische Standorte weiterhin nach und andernorts wachsen die Kapazitäten deutlich schneller als Bayern.

Die Bremsen

Schwächen in Bayern werden bei langwierigen Genehmigungsverfahren, hohen Strompreisen, Verfügbarkeit von Fachkräften und in der Versorgung mit regenerativen Energien gesehen. „Viele Verwaltungsverfahren sind noch papierbasiert“, heißt es in der Studie. Ein Rechenzentrumsbetreiber habe berichtet, dass sich die Genehmigung in einem Fall um fast vier Wochen verzögerte, weil der zuständige Beamte, der die Genehmigung noch abstempeln musste, aufgrund von Überstundenausgleich nicht im Büro war. In den Interviews wurde aber auch oft betont, dass in konkreten Projekten in Bayern meist eine sehr gute Unterstützung der kommunalen Verwaltung vorlag.

Der Strombedarf

Kein Telefonat, kein Google-Aufruf, kein "ChatGPT", keine Flugbuchung und keine Banktransaktion, kein Fernsehen, kein Handy-Chatten, kein Streaming, keine Versicherung, keine E-Mail, keine Rechnung ..... ohne Datacenter. So laufen Rechenzentren 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr und 90 Prozent der CO2-Emissionen von Rechenzentren werden durch den Betrieb verursacht.

Die Rechenzentrumsbranche ist also nicht nur eine Schlüsselbranche, eine grundlegende Infrastruktur für andere Branchen, sondern auch eine Energie-intensive Industrie. Das zeigt sich wie in Deutschland insgesamt und weltweit im Strombedarf der Rechenzentren – trotz erheblicher Effizienzsteigerungen in der Vergangenheit – im Anstieg des Energiebedarfs der Rechenzentren in Bayern einher. Zwischen 2010 und 2022 ist dieser um 40 Prozent auf 2.700 Gigawattstunden im Jahr gestiegen. Das sind etwa 3,5 Prozent des bayerischen Strombedarfs.

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Klar, dass der hohe Energiebedarfs hier wie überall nach klimafreundlicher Stromproduktion verlangt. Und auch die Nutzung der beim Rechnen anfallenden Hitze könnte die Klimabilanz von Rechenzentren positiv beeinflussen. Das aber findet in Bayern im Prinzip nicht statt.

Mögliche Maßnahmen

Um Bayern als Standort für Rechenzentren attraktiv zu halten und gleichzeitig sicherzustellen, dass der Bau und Betrieb von Rechenzentren in Bayern ökologisch nachhaltig erfolgt,haben die Studienmacher fünf Handlungsfelder identifiziert (siehe auch: Kasten):

  • Unterstützung der Landkreise und Kommunen bei Projekten zur Ansiedlung von Rechenzentren
  • und bei der Förderung eines nachhaltigen Betriebs von Rechenzentren
  • Unterstützung der Rechenzentrumsbranche durch die Verbesserung der Standortbedingungen
  • und durch die Anreize für den ökologisch nachhaltigen Bau und Betrieb von Rechenzentren
  • Förderung der Forschung und Entwicklung zum nachhaltigen Betrieb von Rechenzentren
  • Ausbau der Stromversorgung aus erneuerbaren Energien im Freistaat Bayern
  • Ökologische Modernisierung der landeseigenen IT und Ausrichtung der öffentlichen Beschaffung auf ökologische Nachhaltigkeit

Datacenter als Arbeitgeber

Zumeist werden Rechenzentren als autonom arbeitende, menschenleere IT-Räume dargestellt. Doch die Datacenter sind auch Arbeitgeber: „In den Rechenzentren in Bayern sind grob geschätzt 20.000 Arbeitskräfte beschäftigt. Diese Zahl umfasst auch die Arbeitskräfte, die in Unternehmen und Behörden für den Betrieb von Rechenzentren und kleineren IT-Installationen verantwortlich sind.“

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