Borderstep Studie: „Rechenzentren in Bayern 2025“ Auch Bayern baut Rechenzentrumskapazitäten aus

Von Paula Breukel 4 min Lesedauer

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Bayern baut Rechenzentrumskapazitäten aus, liegt aber bei installierten Kapazitäten weiterhin hinter Hessen und Berlin. Die Borderstep-Studie zeigt, dass On-Premises-Anlagen dominieren, Co-Location vor allem in München wächst und KI- und HPC-Kapazitäten erst knapp 20 Prozent ausmachen. Engpässe bei Strom und Netzanschlüssen prägen die Investitionsplanung.

Frankfurt am Main gilt als der Rechenzentrumsstandort in Deutschland und Europa. Aber wie verändern KI und HPC die Rechenzentrumslandschaft in Deutschland?(Bild: ©  Annika - stock.adobe.com)
Frankfurt am Main gilt als der Rechenzentrumsstandort in Deutschland und Europa. Aber wie verändern KI und HPC die Rechenzentrumslandschaft in Deutschland?
(Bild: © Annika - stock.adobe.com)

Bayern steht im Schatten von Hessen und Berlin, was die Ansiedlung von Rechenzentren angeht. Die aktuelle Marktanalyse „Rechenzentren in Bayern 2025“, die das Borderstep Institut gemeinsam mit Grass Consulting vorgelegt hat, zeigt aber auch einen Aufwärtstrend.

Bayern verfügt über rund 370 Rechenzentren mit einer IT-Anschlussleistung von mehr als 100 Kilowatt und etwa 9.000 kleinere Installationen. Die Gesamtkapazität aller Rechenzentren und IT-Installationen erreicht rund 420 Megawatt (MW). Knapp 80 MW des Wachstums entfallen auf Co-Location-Rechenzentren. Der Bereich Forschung, insbesondere KI- und High Performance Computing, macht rund 20 Prozent der Kapazitäten aus.

Im Bundesländervergleich liegt Bayern mit 420 MW damit bei der installierten Kapazität weit hinter Hessen mit 1.131 MW. Bei den angekündigten Kapazitäten fällt der Abstand noch deutlicher aus.

KI und HPC im Fokus

Eine strukturelle Besonderheit Bayerns liegt im Bereich Künstliche Intelligenz und High-Performance-Computing. Über 20 Prozent der bayerischen Rechenzentrumskapazitäten entfallen auf KI- und HPC-Anwendungen. Das ist nach Angaben der Studie der höchste Anteil prozentuale Ansatz bundesweit.

Forschungseinrichtungen treiben den Ausbau von KI- und HPC-Kapazitäten: Das Leibniz-Rechenzentrum in Garching und die Max-Planck-Gesellschaft betreiben leistungsstarke Cluster, die schrittweise ausgebaut werden. Hinzu kommt mit dem KI-Rechenzentrum „Alpha One" von Aleph Alpha in Bayreuth der bisher größte kommerzielle KI-Rechencluster in Europa. In München haben Telekom, Polarise und Nvidia eine eine KI-Fabrik eröffnet.

Darüber hinaus hat Bayern sich als Standort für eine von bis zu fünf geplanten EU-Gigafactories für KI beworben: Als Standort ist Schweinfurt im Gespräch.

Was Bayern weiterhin fehlt, ist die Präsenz internationaler Hyperscaler als direkte Investoren. Microsoft hat ein Großengagement im Rheinischen Revier angekündigt, in Brandenburg ist die „AWS Sovereign Cloud“ in Betrieb gegangen. In Bayern gibt es solche Dimensionen bislang nicht. Es sei denn, die EU-Gigafactory käme nach Schweinfurt.

Bis 2030 prognostiziert die Studie, dass KI- und HPC-Installationen auf rund 250 MW anwachsen, etwa 45 Prozent der gesamten bayerischen Kapazität ausmachen und die Investitionsdynamik im Colocation-Segment deutlich steigern. Doch dieser Wert setzt voraus, dass Planungs- und Bauzeiten, Netzanschlusskapazitäten und Lieferzeiten für IT-Equipment wie erwartet verlaufen. Doch angesichts aktueller Engpässe ist das nicht garantiert.

Strom wird zur strategischen Frage

Entwicklung des Energiebedarfs der Rechenzentren und kleineren IT-Installationen in Bayern in den Jahren 2010 bis 2025.(Bild:  Borderstep)
Entwicklung des Energiebedarfs der Rechenzentren und kleineren IT-Installationen in Bayern in den Jahren 2010 bis 2025.
(Bild: Borderstep)

Mit dem Kapazitätswachstum steigt auch der Energiehunger. Der Stromverbrauch aller bayerischen Rechenzentren und kleineren IT-Installationen wird 2025 auf rund 3,1 Terawattstunden geschätzt, und zwar trotz Effizienzsteigerungen bei Kühlung, Servern und Gebäudetechnik. Die wachsende Nachfrage ist höher als potenzielle Einsparungen. Knapp werdende Netzanschlüsse rücken die Verfügbarkeit von Anschlussleistung in den Fokus, insbesondere bei Großrechenzentren im zweistelligen Megawattbereich.

Als Reaktion gewinnen Onsite-Stromversorgungskonzepte an Bedeutung, darunter Photovoltaik, Gasturbinen, Blockheizkraftwerke oder Brennstoffzellen. Sie dienen zur Überbrückung von Verzögerungen beim Netzanschluss. Der internationale Verglich zeigt, dass ergänzende Stromerzeugung in Irland und den USA zunehmend Standard wird.

Ab 2024 schreibt das Energie-Effizienzgesetz vor, dass Rechenzentren 50 Prozent und ab 2027 100 Prozent des Strombedarfs bilanziell aus erneuerbaren Quellen decken. Die Vorgaben werden an die EU-Gesetzgebung angepasst.

In München und Nürnberg gibt es mit dem „Mucon-X“ und dem „N-IX“ Peering-Points für den Internet-Datenaustausch.

Die Industrie setzt auf On-Premises-Rechenzentren

Der Anteil von Colocation-Rechenzentren im Verhältnis zu allen Rechenzentren in Deutschland: Der untere, graue Balken setzt sich aus allen anderen Kapazitäten zusammen, bei denen nicht das Colocation-Modell genutzt wird. Dies sind insbesondere On-Premise-Rechenzentren.(Bild:  Borderstep Berechnungen (2025))
Der Anteil von Colocation-Rechenzentren im Verhältnis zu allen Rechenzentren in Deutschland: Der untere, graue Balken setzt sich aus allen anderen Kapazitäten zusammen, bei denen nicht das Colocation-Modell genutzt wird. Dies sind insbesondere On-Premise-Rechenzentren.
(Bild: Borderstep Berechnungen (2025))

Historisch ist der bayerische Markt stark durch On-Premises-Rechenzentren geprägt. Unternehmen, Behörden und Forschungseinrichtungen betreiben etwa die Hälfte der Gesamtkapazität auf eigenen Flächen. Der Co-Location-Anteil liegt in Bayern derzeit bei rund 35 Prozent.

In Bayern liegt der größte Anteil der installierten Kapazitäten mit 35 Prozent bei unter 100 kW. Hierbei handelt es sich um On-Premise-Rechenzentren.(Bild:  Borderstep/Grass)
In Bayern liegt der größte Anteil der installierten Kapazitäten mit 35 Prozent bei unter 100 kW. Hierbei handelt es sich um On-Premise-Rechenzentren.
(Bild: Borderstep/Grass)

Der bayerische Datacenter-Hotpot ist München und steigt mit laufenden Projekten voraussichtlich auf knapp 70 Prozent der bayerischen Co-Location-Rechenzentrumskapzität. Gefolgt von Nürnberg und Mittelfranken, hier sind sich über 20 Prozent der Co-Location-Rechenzentren angesiedelt. Doch auch Nordbayern gewinnt zunehmend durch die Expansion des Frankfurter Rechenzentrumsmarkts an Aufschwung.

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Prognose: 550 Megawatt bis 2030... vorausgesetzt die Energie spielt mit

Die Rechenzentrumskapazitäten - sowohl die installierten als auch die angekündigten - in der Übersicht.(Bild:  Hintemann & Hinterholzer)
Die Rechenzentrumskapazitäten - sowohl die installierten als auch die angekündigten - in der Übersicht.
(Bild: Hintemann & Hinterholzer)

Bis 2030 rechnet die Studie mit einem Anstieg der installierten Kapazität auf rund 550 Megawatt. Das entspricht einem jährlichen Wachstum von knapp sechs Prozent! Das Co-Location-Segment soll mit zwölf Prozent jährlich deutlich schneller zulegen. Die reale Ausbaukapazität der errichteten Rechenzentren wird dabei höher liegen als die tatsächlich installierten IT-Geräte, weil Planung und tatsächliche Inbetriebnahme zeitversetzt erfolgen.

Die Prognose trägt einen ausdrücklichen Vorbehalt: Sie basiert auf realistischen Annahmen zu Bauzeiten, Lieferfristen und Netzanschlüssen. Werden Netzkapazitäten knapper oder KI-Investitionen stärker als erwartet, könnten die Wachstumspfade in beide Richtungen abweichen.

Über die Studie: „Rechenzentren in Bayern 2025 – Aktuelle Marktentwicklungen“

Die Studie entstand unter Leitung des Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit in Zusammenarbeit mit Grass Consulting.

Verantwortlich für die Analyse der Marktdynamik des bayerischen Rechenzentrumsmarktes sind die Autoren Ralph Hintemann und Simon Hinterholzer vom Borderstep Institut gemeinsam mit Monika Graß von Grass Consulting.

Methodisch basiert die Untersuchung auf drei Säulen: einer umfassenden Desk-Research-Analyse aktueller Marktdaten, Studien und Fachberichte zum Rechenzentrumsmarkt mit Bayern-Fokus; fünf Experteninterviews mit Vertreterinnen und Vertretern der Branche, darunter Unternehmen mit laufenden Großprojekten im Freistaat; sowie einer Modellierung auf Basis des seit mehr als zehn Jahren gepflegten Strukturmodells der deutschen und europäischen Rechenzentrumslandschaft, das jährlich aktualisiert wird und Kapazitäten, Investitionen sowie Energiebedarfe nach Größenklassen und Betriebstypen abbildet.

Finanziell unterstützte ein Unternehmen der Energiebranche die Studie. Laut Herausgeber erfolgte keine inhaltliche Einflussnahme.

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