Interview mit dem Geschäftsführer der Frankfurter Wirtschaftsförderung zur Zukunft der Rechenzentren in der Stadt„An oberster Stelle steht das Gebot, den bilateralen Dialog zu pflegen.“
Kürzlich befragte DataCenter-Insider im Energiereferat der Stadt Frankfurt am Main nach Rechenzentren und deren Zukunft in der Stadt(s.u.). Heute legt Oliver Schwebel, Geschäftsführer der Frankfurter Wirtschaftsförderung und gleichzeitig Mitglied im Vorstand des Digital Hub Frankfurt Rhein Main e.V., die wirtschaftlichen Aspekte der Entwicklung in dem Sektor dar. Schwebel stellt sich exakt den Fragen, die bereits zuvor an das Energiereferat gegangen sind.
Blick auf das Bankenviertel in Frankfurt am Main. Die Banken nutzen aber längst auch Co-Location- und Cloud-Angebote, also firmenfremde Datacenter. Als Rechenzentrumsstandort galt die Mainmetropole bisher als europäische Hauptstadt.
(Bild: Wirtschaftsförderung Frankfurt GmbH)
Ist für Frankfurt am Main in puncto Umweltschutz in Zukunft Ähnliches wie in den Niederlanden zu befürchten?
Oliver Schwebel: Eine ähnliche Entwicklung wie in Amsterdam halten wir hier in Frankfurt am Main von Seiten der Wirtschaftsförderung für sehr unwahrscheinlich und auch nicht für sinnvoll. Ein direkter Vergleich beider Städte hinsichtlich ihrer Einstellung zu Rechenzentren ist darüber hinaus nicht sehr hilfreich. Die Stadt Frankfurt am Main hat bereits seit 2012 der Branche ihre Aufmerksamkeit gewidmet und hat allein schon durch eine aktive Unterstützung der Gründung des Digital Hub Frankfurt Rhein Main e.V. diesem Bereich eine besondere Stimme verliehen.
Wir haben somit frühzeitig an einem sehr engen Dialog mit allen Akteuren im Umfeld der Rechenzentren gearbeitet. Gleichzeitig hat die Gründung des Digital Hub Frankfurt Rhein Main e.V. auch der Politik bewusst gemacht, dass sich Frankfurt zu einem Standort von Weltrang der Digitalwirtschaft entwickelt.
Wir beherbergen den weltgrößten Internet-Knoten nach Datendurchsatz, wir beherbergen alle weltweit führenden Betreiber von Rechenzentren, und nicht nur 30.000 Menschen direkt in der Rhein-Main-Region verdienen in dem Sektor Geld, sondern weitere Millionen von Arbeitsplätzen hängen von den in Frankfurt betriebenen Rechenzentren, den dort gespeicherten Daten sowie der dort vorgehaltenen Rechenleistung der Cloud ab.
Noch einmal zu Amsterdam. Laut Einschätzung einschlägiger Berater, ist trotz gestiegener Auflagen für die Rechenzentrumsbranche derzeit für Deutschlands bedeutendsten Rechenzentrumsstandort Frankfurt am Main kein solch drastischer Schritt zu erwarten, oder?
Oliver Schwebel: Ein so drastischer Schritt wie in Amsterdam – ein Baustopp für neue Rechenzentren – wäre für Frankfurt der falsche Weg. Wir arbeiten in Frankfurt proaktiv an neuen Konzepten für die Branche. In diesem Kontext ist zum Beispiel die Ausweisung designierter Bereiche für die Entwicklung von Rechenzentren ein wichtiger Punkt.
Damit kommen wir auch den Herausforderungen der Energieversorgung sowie dem Flächenwettbewerb entgegen. Wichtig ist für uns klarzustellen: Wer Arbeitsplätze will, die durch moderne Technik in der digitalen Welt von morgen garantiert werden, der kann die modernen Komponenten dieser digitalen Wirtschaft nicht gleichzeitig verbannen. Das ist kontraproduktiv, schädigt den Standort massiv und weit über Frankfurt hinaus gefährdet es die Schaffung moderner Arbeitsplätze.
Eine gesamte Branche mit planungsrechtlichen Auflagen zu überfluten, die eine wirtschaftliche Initiative und finanzielles Engagement im Keim ersticken, ist ebenfalls ein für die Schaffung von Arbeitsplätzen und dem Ausbau der digitalen Infrastruktur negativer Prozess. Die vergangenen Tage und Wochen haben gezeigt, wie wichtig die digitale Erreichbarkeit von Arbeitskräften in unserem Wirtschaftssystem ist und wie effektiv mit diesen Technologien der Zusammenbruch ganzer Betriebe verhindert werden kann.
Um dies noch einmal zu verdeutlichen: Bei der Datacenter-Branche handelt es sich mittlerweile um einen systemrelevanten Bereich für unsere Gesellschaft. Einschränkungen, wie in den Niederlanden, setzen ein mehr als irreführendes Signal.
Kann man das Stadtgebiet überhaupt noch vom Umland beziehungsweise der Region Rhein-Main trennen?
Oliver Schwebel: Wir sehen seit geraumer Zeit eine zunehmende Verstärkung der wirtschaftlichen Aktivitäten auf dem Stadtgebiet und in der Region. Dies gilt auch für die Rechenzentrumsbranche. Mehrere der großen Betreiber der Branche haben sowohl auf dem Gebiet der Stadt Frankfurt am Main Produktionsstätten, als auch in der Region.
Stadt und Region wachsen stärker zusammen und unterstützen sich gegenseitig durch die Ergänzung der jeweiligen Stärken von Stadt einerseits und Region andererseits. Stadt und Region sind ein gemeinsames Ökosystem.
Was kann eine Stadt wie Frankfurt am Main von Amsterdam und anderswo lernen?
Oliver Schwebel: Wichtig ist, in einem ständigen Dialog mit allen Akteuren der Branche zu stehen. Frankfurt beobachtet die Entwicklungen anderer europäischen Metropolen sehr genau, dazu gehören auch die Entwicklungen in der digitalen Wirtschaft an den jeweiligen Standorten. Aber an oberster Stelle steht das Gebot, den bilateralen Dialog zu pflegen.
Ein weiterer Punkt ist die harmonische Einbindung von Rechenzentren in ihrer Umgebung. Dies könnte für eine höhere Akzeptanz von Rechenzentren vor Ort sorgen.
Wie kann es in Deutschland in punkto Energie-Effizienz konkret weitergehen?
Oliver Schwebe ist Geschäftsführer der Frankfurter Wirtschaftsförderung und gleichzeitig Mitglied im Vorstand des Digital Hub Frankfurt Rhein Main e.V.
Oliver Schwebel: Energie-Effizienz war und ist schon immer eine der wichtigsten Fragen der Rechenzentren hier am Standort. Entgegen der oft verbreiteten Aussagen, es würde nichts für die Energie-Effizienz getan, belegt ein einfacher Hinweis, dass das Gegenteil der Fall ist.
Stand: 08.12.2025
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Die enorm hohen Energiekosten in Deutschland müssen schon aus betriebswirtschaftlicher Sicht zu einer absolut optimierten Energie-Effizienz in den Rechenzentren führen. Jedes Rechenzentrum in Deutschland arbeitet deswegen daran, die Energie-Effizienz permanent noch weiter zu steigern und die neuesten Techniken einzusetzen.
Die oft zitierte Nutzung der Abwärme von Rechenzentren ist nur ein Aspekt, der aktuell offensiv von den Rechenzentren angegangen wird. Die kontinuierliche Weiterentwicklung der Abwärmenutzung in Nahwärmesystemen oder neue Kühltechnologien wie adiabatische Kühlsysteme stehen für diese Anstrengungen nur beispielhaft.