Ulrich Terrahes Rechenzentrums-Blog Einhausung – „Warum denn das?“ – Teil 1
Das aktuelle Trendthema für Rechenzentren ist die Einhausung. Hierbei streiten sich die Befürworter der Kaltgangeinhausung mit den Befürwortern der Warmgangeinhausung, welches das bessere Konzept ist.
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Zunächst einmal möchte ich die Frage klären, warum überhaupt eingehaust werden sollte, welche Vorteile es bringt und ob es wieder eine der vielen trendigen Ideen der letzen Zeit ist?
Die Antwort gleich vorweg. Einhausungen machen Sinn, erhöhen die Energieeffizienz bzw. senken die Energiekosten und sind eine wirklich zu empfehlende Maßnahme.
Der Grund dafür liegt darin, dass die kalte Luft (Zuluft zu den Servern) von der warmen Luft (Luft die die Server ausblasen) baulich getrennt wird und somit die Voraussetzung geschaffen wird, die Klimatisierung in einem optimalen Betriebspunkt fahren zu können. In der Praxis heißt es, wenn eine Zulufttemperatur von 24 °C zugelassen ist, kann diese quasi mit 24 °C in den Kaltgang eingeblasen werden, denn die Zuluft kann sich definitiv mit der warmen mischen, was die kalte Luft nicht kann (selbstverständlich möglich, wenn eine tatsächlich konsequente bauliche Trennung vorliegt). Diese Präzision bekommt man niemals mit einer offenen Kaltgang- Warmganglösung hin.
Ein weiterer sich daraus ableitender Vorteil liegt darin, dass keine „wirkliche“ Druckdifferenz zwischen einem Doppelboden (ich weiß, ohne Doppelboden geht es auch) und den Servern gefahren werden muss.
Die Ventilatoren der Klimageräte (ich wähle mal dieses Wort als Überbegriff, da es eine Vielzahl von Lösungen gibt, die ich in dem kurzen Blog gar nicht alle aufzählen kann und ich bei dem Versuch auch garantiert dem einen oder anderen Vertriebsmann die Zornesröte ins Gesicht treibe, weil ich die geniale Lösung seines Produktes nicht annähernd richtig wieder gegeben habe) – also die Ventilatoren der Klimageräte sorgen nur noch dafür, dass das gleiche Luftvolumen nachgeführt wird, welches die Serverlüfter bzw. die gesamten Lüfter der IT-Technik fordern.
In einigen Praxisberichten zeigte sich, dass die Ventilatoren von Klimageräten in einem Rechenzentrum mit einer Einhausung nur noch etwa 1/10 der Energie verbrauchen, im Vergleich zu denen eines klassischen Rechenzentrums, welches mit einem konstanten Volumenstrom betrieben wird. Also 90 % Energieeinsparung bezogen auf den Stromverbrauch der Ventilatoren.
Ich weiß, ich begehe mit dieser Aussage eine Todsünde für einen seriösen Fachmann, weil ich völlig offen lasse, unter welchen Rahmenbedingungen diese Erfolge erzielt wurden. Aber mein Ziel ist es nur wachzurütteln und deutlich zu machen, dass in einer solchen Maßnahme sehr viel Potential liegt. Und ja, Sie haben recht, es ist im Einzelfall genau zu prüfen.
Die Effekte der Energiesenkung durch niedrigeren Energieverbrauch der Ventilatoren und Betrieb bei optimalen Betriebstemperaturen summieren sich soweit, dass es kaum eine andere Maßnahme gibt, die ein so kurzes Zeitfenster für den Return on Investment verspricht. Hier bin ich mit meinen Aussagen etwas vorsichtiger. Aber viele Hersteller versprechen hier ein ROI unter 2 Jahre (und mehr), was durchaus realistisch ist. Aber auch hier gilt, es ist im Einzelfall zu prüfen.
Der zweite Teil des Beitrags beschäftigt sich mit dem Aufbau und den baulichen Unterschieden der Einhausung - hier nachzulesen kommenden Montag.
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