Open-Source-Verband zur Digitalen Agenda der Bundesregierung Zugang zum Sourcecode fördert die IT-Wirtschaft

Autor / Redakteur: Ludger Schmitz / Ulrike Ostler

Die Open Source Business Alliance möchte die Digitale Agenda der Bundesregierung von einer ambitionierten Open-Source-Strategie begleitet sehen. Die Begründung hebt wirtschaftliche Aspekte hervor, selbst wo es gesellschaftliche wie die Bildung betrifft.

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(Bild: Martin Siefke, pixelio.de)

Die Bundesregierung möchte mit der Digitalen Agenda Deutschland zum „digitalen Wachstumsmarkt Nr. 1 in Europa“ machen. Grundsätzlich begrüßt die Open Source Business Alliance (OSB Alliance) die Absicht, die heimische IT-Wirtschaft ebenso zu fördern wie die IT-Kompetenz der Bevölkerung. Allerdings ist der Verband von Open-Source-Interessierten IT-Anbietern, -Anwendern sowie Forschungs- und Bildungseinrichtungen der Ansicht, die Einzelziele ließen sich nur mit einer ausgeprägten Open-Source-Orientierung der Politik erreichen.

Freier Sourcecode reduziert Marktbarrieren

Diese IT-politische Zielrichtung begründet der Verband allerdings nicht mit Maximen, die sich einer politischen Richtung zuordnen ließen. Vielmehr argumentiert die OSB Alliance strikt wirtschaftlich. „Software mit frei zugänglichem und weiter verwendbarem Sourcecode ist die ideale Grundlage, um die Entwicklung von IT in Wirtschaft und öffentlichen Institutionen zu erleichtern und voran zu treiben.“

Dies betrifft insbesondere die in der Digitalen Agenda als bedeutsam hervorgehobenen Startups. Der Verband verweist darauf, dass die erfolgreichsten Startups der letzten Jahre allesamt weitgehend mit Open-Source-Software arbeiten. „Open-Source-Software erleichtert Startups den Markteinstieg, weil sie damit ohne Einschränkungen bestehende Programme verwenden und weiterentwickeln dürfen.“

Kein Internet of Things ohne eine gemeinsame, offene Basis

Auch das Zukunftsthema Internet of Things lasse sich nur auf der Basis von Open Source realisieren. „Das Internet der Dinge wird unwirtschaftlich, wenn die Anbieter nicht das Basis-Betriebssystem gemeinsam entwickeln.“ In diessem Kontext betont der Verband auch die Bedeutung von offenen Standards für die Interoperabilität und den Erfolg neuer Technologien.

Mit Steuergeldern entwickelte Software muss nach Ansicht der OSB Alliance Open Source sein. Denn das versetzt andere Bereiche der Gesellschaft in die Lage, diese Software zu nutzen und weiterzuentwickeln. Insbesondere aber hätten staatliche Institutionen etwas von dieser Ausrichtung. „Sie macht ihn als IT-Anwender unabhängiger von den Entscheidungen der Hersteller, ob und wie sie ihre Lösungen weiterentwickeln wollen, da er über den Sourcecode verfügt.“ Das würde dem Staat wieder „digitale Souveränität“ geben.

Nur Offenes lässt sich prüfen

Dieser Aspekt adressiert auch die seit den Snowden-Enthüllungen verbreitete Angst vor Hintertürchen in der Software und Industriespionage. Gegen mangelndes Vertrauen kann es kaum einen Erfolg bei der digitalen Modernisierung des Landes geben. Einer missbräuchlichen Nutzung von Software und den in ihr immer möglichen Fehlern „lässt sich nur mit Review-Prozessen begegnen“, so die OSB Alliance. „Die aber haben den uneingeschränkten Zugriff auf den Quellcode zur Voraussetzung.“

Das Wissen der IT zugänglich machen

Die digitale Agenda möchte, dass alle gesellschaftlichen Gruppen aktiv die Digitalisierung mitgestalten, und benennt als wesentliche Voraussetzung den Zugang zu Wissen. Die Open Source Business Alliance betont, dass „Open-Source-Software Barrieren abbaut, indem sie es ermöglicht, das im Quellcode liegende Wissen der IT zu analysieren, zu verändern und ohne Lizenzkosten zu nutzen“. Auch in diesem Punkt argumentiert der Verband wirtschaftlich: „Die freie Verwendung von Open Source in Lehre und Forschung verschafft ein Wissen, dass sich danach unmittelbar praktisch in Unternehmen einsetzen lässt.“

In Europa ins Hintertreffen geraten

Die Open Source Business Alliance verweist darauf, dass zahlreiche andere europäische Staaten gezielt die Nutzung von Open Source Software vorantreiben. „Deutschland befindet sich diesbezüglich bereits erheblich im Hintertreffen und wird den Anschluss verlieren, wenn nicht bald eine umfangreiche Open Source Strategie entwickelt und umgesetzt wird.“

Die mit vier Seiten außergewöhnlich umfangreiche Stellungnahme der Open Source Business Alliance lässt sich hier als PDF herunterladen: http://www.osb-alliance.de/fileadmin/Downloads/150612-OSBA_Stellungnahme_DigitAgenda.pdf

* Ludger Schmitz ist freiberuflicher Journalist in Kelheim.

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