Xen Enterprise 4.0 macht VMware ernsthaft Konkurrenz Xensource bringt offene Virtualisierungsplattform mit Hochverfügbarkeit auf den Markt

Redakteur: Ulrich Roderer

Das schnell wachsende Startup Xensource hat die neuen Version 4.0 seiner Virtualisierungsplattform „Xen Enterprise“ unternehmenstauglich gemacht: Die Lösung bietet nunmehr wichtige Funktionen wie Ausfallsicherheit für den produktiven Einsatz und setzt auf eine offene Architektur.

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( Archiv: Vogel Business Media )

Die aktuelle Version kommt mit einem Set offener Programmierschnittstellen daher. „Wir wollen die Kunden nicht wie unser Mitbewerber auf einer neuen proprietären Plattform einsperren, sondern verfolgen das Konzept offener Partnerschaften mit den besten Produkten“, preist Simon Crosby, Chief Technology Officer (CTO) von Xensource, sein Produkt.

Gemäß diesem Anspruch wird Xensource als erstes Paket die Veritas-Lösung „Storage Foundation“ von Symantec als OEM-Version integrieren. Sie soll im vierten Quartal verfügbar sein sowie die Version XenEnterpriseHA und die Zertifizierung mit Netbackup.

Eine zentrale Stelle der 4.0-Version nimmt zudem das neue Verwaltungs- und Management-Konzept „Resource Pools“ ein. Damit können Administratoren Server und Speicher zu Gruppen zusammenfassen. Für diese Gruppen lassen sich dann spezifische Konfigurationen einrichten. Dazu zählen die gemeinsame Verwendung von Komponenten, Sicherheitsmechanismen wie Authentifikation und Autorisierung, Erstellen und Auswerten von Statistiken, gemeinsame Konfigurationsschablonen und konsolidierte Ansichten von Servern und Storage-Ressourcen über die Pools hinweg. Bis zu 16 Host-Rechner lassen sich zu einem Pool zusammenfassen.

Dezentrale Verwaltung

Der Clou an den Ressourcen-Pools aber dürfte sein, dass es sich nicht um eine monolithische zentrale Konsole handelt, sondern um eine verteilte Anwendung. „Jeder Pool hat einen eigenen Manager, aber die Management-Informationen sind repliziert, so dass jeder Host sofort die Funktion eines Managers übernehmen kann“, erläutert Crosby.

Damit ermöglicht Xensource einen ausfallsicheren Betrieb. Sollte eine Management-Konsole ausfallen, wird ein neuer Host automatisch durch den Pool Manager konfiguriert, der zudem die entsprechenden Ressourcen zuweist. Die Management-Console ist ein Windows-Dotnet-Client, der von jeder Workstation aus aufbar ist.

Zur Ausfallsicherung und Flexibilität trägt außerdem erheblich bei, dass Xensource Enterprise nun mit „Xenmotion“ auch eine Live-Migration von virtuellen Maschinen zur Verfügung stellen kann. Allerdings müssen sich die Host-Maschinen in einem gemeinsamen Pool befinden. Das Verschieben ist dann aber laut Crosby fast unterbrechungsfrei über gesicherte Verbindungen möglich.

Zu den Annehmlichkeiten, die das 4.0-Release mit sich bringt, gehört schließlich ein echter 64 Bit Hypervisor, der bis zu 128 Gigabyte Speicher pro Host verwalten kann.

Das Standardpaket von Xen Enterprise, Version 4.0, kostet 1.599 Dollar pro jährlicher Subskription für einen Dual-Socket-Server, die Dauerlizenz 2.499 Dollar. Das Midrange-Paket „Xen Server v4“ kommt ohne Xenmotion und Resource Pools und kostet ab 494 Dollar für die jährliche Lizenz bzw. 750 für die Dauerlizenz.

Der Kampf um Kernel

Sowohl mit dem Open-Source-Projekt Xen als auch mit der Firma Xensource untrennbarbar verknüpft ist das Konzept der Paravirtualisierung. Im Vergleich zur Hardwarevirtualisierung bringt dieses Verfahren deutliche Performance-Vorteile, erfordert aber Modifikationen am jeweiligen Betriebssystemkern. Das bedingt zweierlei:

Erstens verfolgen in der Zwischenzeit fast alle Anbieter den Ansatz der Paravirtualisierung, doch zugleich herrscht ein Kampf um die Schnittstellen beziehungsweise Zugänge zu den Betriebssystemen. Doch weder Microsoft noch der Virtualisierungs-Marktführer VMware dürften ein großes Interesse daran haben, ihre Vormachtstellung aufzugeben.

Dennoch hat sich Xensource gut positioniert. Im Sommer 2006 kündigten Xensource und Microsoft eine Partnerschaft an mit dem Ziel, die nächste Version des „Windows Server 2008“ kompatibel zum Xen-fähigen Linux-Kerneln zu machen. Ziel des Projekts ist es, Linux-Gastsysteme mit Xen-Hypervisor auf dem Windows Server 2008 lauffähig zu machen.

Nachdem Microsoft und Novell im Frühjahr 2007 eine Kooperation beschlossen haben, soll Suse Linux, das die Xen-Virtualisierung nutzt, ebenfalls in die Lage versetzt werden, Windows Server 2008 paravirtualisiert zu betreiben. Jochen Katz, Product Solution Manager Windows Server Microsoft Deutschland, bestätigt, dass „Microsoft und Xensource eng an der Interoperabilität ihrer Virtualisierungslösungen zusammenarbeiten.“

Darüber hinaus aber wird Microsoft sein bestehendes Virtualisierungs-Portfolio weiter ausbauen. Dieses besteht aus einer Server-Virtualisierung (Windows Server 2008 und Virtual Server 2005 R2), einer Desktop-Virtualisierung (Virtual PC), einer Applikations-Virtualisierung (Softgrid) und einer Präsentations-Virtualisierung (Terminal Services). Microsoft will sich zudem mit einer eigenen Management-Umgebung wie dem „System Center Virtual Machine Manager“ vom Wettbewerb differenzieren, der virtuelle und physikalische Umgebungen gleichzeitig verwalten kann. „Damit werden Kunden Investitionen in redundante Management-Lösungen erspart. Denn langfristig besteht die Virtualisierungs-Strategie von Microsoft darin, Kunden eine vollständige dynamische IT bereitzustellen“, betont Katz.

IP-Insider und DataCenter-Insider haben aktuell einen Webcast mit Simon Crosby aufgezeichnet, in dem er Fragen zur neuen Version und zum Thema Virtualsierung beantwortet. Folgen Sie dem nachstehenden Link.

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