Geschichte des Microsoft-Betriebssystems

Windows-Historie, Teil 4 – Die sechste Generation

| Autor: Sebastian Gerstl

Windows 7: Dominanter Marktführer

Mit dem nächsten Nachfolger ließ sich Microsoft deutlich weniger Zeit: Bereits zwei Jahre nach Vista erschien „Windows 7“ auf dem Markt. Anders als die Namensgebung vermuten lässt handelte es sich diesmal aber nicht um eine komplett neue Kernel-Version, sondern „nur“ um den aktualisierten Vista-Kern NT 6.1.

Packshot von Windows 7 Professional: Beim Nachfolger zu Windows Vista nahm sich Microsoft die zahlreichen Kritikpunkte zu Herzen. Mit 61% Marktanteil ist das Betriebssystem derzeit (Juli 2015) deutlicher Marktführer im PC-Bereich, Nachfolger Windows 8.1 bringt es nur auf 13%.
Packshot von Windows 7 Professional: Beim Nachfolger zu Windows Vista nahm sich Microsoft die zahlreichen Kritikpunkte zu Herzen. Mit 61% Marktanteil ist das Betriebssystem derzeit (Juli 2015) deutlicher Marktführer im PC-Bereich, Nachfolger Windows 8.1 bringt es nur auf 13%. (Bild: Microsoft)

Mit der Namensgebung wollte Microsoft wohl in erster Linie von der Verwandtschaft zum wenig erfolgreichen Vorgänger ablenken. Offiziell begründete das Unternehmen den Schritt damit, mit Windows 7 die siebte Serie der Windows-Produktpalette gestartet zu haben.

Funktional ist Windows 7 mit seinem Vorgänger Vista in weiten Teilen identisch. Am auffälligsten ist noch die nochmals überarbeitete Taskleiste, auch „Superbar“ genannt, in der nun alle offenen Fenster eines Programms hinter einem gemeinsamen Symbol gruppiert sind.

Außerdem wurde in dem System von Beginn an die Unterstützung von Multi-Touch-Kontrollen integriert. Im Explorer sind nun vier sogenannte „Bibliotheken“ integriert, in denen Dateien je nach Art – Bilder, Dokumente, Musik oder Videos – unabhängig vom Speicherort gesammelt zusammengefasst werden können. Auch der Media Player wurde abermals erweitert, diesmal um einen .H264-Codec zum Abspielen von HD-Videos.

Screenshot von Windows 7. Microsoft konnte mit dem Nachfolger die Performance- und Stabilitätsprobleme umgehen und bot ein zusätzliches Maß an Komfortfunktionen und Sicherheit.
Screenshot von Windows 7. Microsoft konnte mit dem Nachfolger die Performance- und Stabilitätsprobleme umgehen und bot ein zusätzliches Maß an Komfortfunktionen und Sicherheit. (Bild: Screenshot/Microsoft)

Die Performance- und Stabilitätsprobleme, mit denen Vista zu Beginn stark kämpfen musste, sind in Windows 7 weitgehend ausgebügelt. Technische Neuerungen halten sich dabei in Grenzen.

Eine Neuerung ist die Eingabeaufforderung „Powershell“. Im Gegensatz zu den früheren DOS-Prompts erinnert sie nun mehr an die Terminal- oder Shell-Umgebungen aus Linux-Systemen und erlaubt somit auch Programmiervorgänge.

Ebenfalls aus Linux oder Mac OS X entlehnt ist die Möglichkeit, ISO-Images nun direkt ohne zusätzliches Programm auf CDs oder DVDs zu brennen. Die in Vista viel kritisierte Benutzerkontensteuerung ist nun einfacher zu bedienen und besser strukturiert. Dank deutlich verbesserter Spracherkennung und zusätzlichen Bedienungsoptionen wurde in Windows 7 zudem eine deutlich größere Barrierefreiheit als in bisherigen Ausgaben geschaffen.

Browserkrieg, die Zweite: Nach 2009 erteilten Vorgaben der EU-Kommission musste Microsoft bei der Installation von Windows 7 Nutzern die Möglichkeit zur Installation anderer Broswer als dem hauseigenen Internet Explorer geben. Nach Ablauf der Auflagen schaltete das Unternehmen diese Auswahlfunktion wieder ab.
Browserkrieg, die Zweite: Nach 2009 erteilten Vorgaben der EU-Kommission musste Microsoft bei der Installation von Windows 7 Nutzern die Möglichkeit zur Installation anderer Broswer als dem hauseigenen Internet Explorer geben. Nach Ablauf der Auflagen schaltete das Unternehmen diese Auswahlfunktion wieder ab. (Bild: Screenshot/browserchoice.eu (Archiv))

Im Gegensatz zum Vorgänger wurde Windows 7 vom Markt ausgesprochen gut aufgenommen: Nach Angaben von Microsoft setzte das Unternehmen im ersten Jahr nach Erscheinen bereits 240 Millionen Lizenzen ab, derzeit nutzen weltweit 3 von 5 Rechnern das Betriebssystem.

Neuer Browser-Konflikt

Ähnlich wie schon 1998 geriet Microsoft allerdings wieder wegen einer Browser-Angelegenheit in Schwierigkeiten mit Wettbewerbshütern, diesmal von Seiten der EU-Kommission: Da man weiterhin seinen Web-Browser "Internet Explorer" mit dem Betriebssystem bündelte, verfügten die Kartellwächter im Jahr 2009, dass das Unternehmen bei der Installation auch alternative Angebote auflisten müsste.

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Um dem zu entsprechen, richtete Microsoft das Web-Angebot browserchoice.eu ein, das bei der Installation des Betriebssystems für die Browser-Auswahl automatisch aufgerufen wurde. Als nach Erscheinen des Service Packs 1 für Windows 7 dieses Angebot zwischenzeitlich nicht mehr auftauchte, leitete die EU erneut ein formelles Kartellverfahren gegen Microsoft ein und verurteilte letztlich das Unternehmen zu einer Geldstrafe in Höhe von 561 Millionen Euro. Mit dem Auslaufen der EU-Auflagen schaffte Microsoft die Browser-Wahl unter Windows nach fünf Jahren im Dezember 2014 wieder ab.

Trotz der großen Verbreitung des Systems stellte Microsoft den Mainstream Support des Betriebssystems zum 13. Januar 2015 ein: Es wird keine größeren Feature- oder Service-Pack-Updates für Windows 7 mehr geben. Voraussichtlich bis zum 14. Januar 2020 sollen allerdings weiterhin noch Hotfixes und Sicherheits-Updates bereitgestellt werden.

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