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Geschichte des Microsoft-Betriebssystems

Windows-Historie, Teil 4 – Die sechste Generation

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Windows 10: Windows „als Service“

Schenkt man den Worten von Microsoft-CEO Satya Nadella Glauben, wird Windows 10 „das letzte Windows“ sein. Das soll nicht heißen, dass es das Betriebssystem danach nicht mehr geben wird. Stattdessen soll Windows 10 die Basis für ein Betriebssystem sein, das fortan kontinuierlich gepflegt, aktualisiert und weiterentwickelt wird.

Offiziell solll Windows 10 "das letzte Windows" sein, was aber keinesfalls das Ende der Betriebssystemlinie bedeuten soll.
Offiziell solll Windows 10 "das letzte Windows" sein, was aber keinesfalls das Ende der Betriebssystemlinie bedeuten soll.
(Bild: Microsoft)

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Dazu gehören auch größer angelegte Kernel-Updates, ähnlich wie es bereits beim Upgrade von Windows 8 auf Version 8.1 der Fall war. Microsoft spricht in diesem Zusammenhang von einem „Windows as a service“.

Darüber hinaus sollen alle Besitzer eines Windows der 6. Generation, also Vista, 7, 8 und 8.1, ab dem 29. Juli ein Jahr lang in der Lage sein, ihr Betriebssystem kostenlos per Download auf Windows 10 – und damit Kernel-Version NT 6.4 – zu aktualisieren. Ansonsten liegen die Kaufpreise für eine Handelsversion von Windows 10 Home bei 135 Euro, eine Pro-Edition kostet 280 Euro. Ein Preismodell für die Enterprise-Fassung ist derzeit noch nicht bekannt.

Einen konkreten Grund, warum Microsoft auf Windows 8 gleich Windows 10 folgen lässt, hat das Unternehmen nicht genannt. Ein vorgeblicher Microsoft-Entwickler gab in einem Post auf „Reddit“ an, Tests hätten gezeigt, dass viele Treibersignaturen und Software-Codes älterer Produkte, die noch abwärtskompatibel für Windows 95 und Windows 98 entwickelt wurden, sich bei der Systemauswahl nur auf die Kurzform „Windows 9“ bezogen hätten.

Der Sprung im Namen diene also, um Konflikte im Bezug auf diese alten Betriebssysteme zu vermeiden. Eine Stellungnahme zu diesem Gerücht gibt es allerdings bislang nicht.

Screenshot aus der Insider Preview von Windows 10: Das Startmenü kehrt zurück, die aus Windows 8 bekannte "Kacheloberfläche" wird darin nun teilweise integriert.
Screenshot aus der Insider Preview von Windows 10: Das Startmenü kehrt zurück, die aus Windows 8 bekannte "Kacheloberfläche" wird darin nun teilweise integriert.
(Bild: Screenshot/Microsoft)
In Windows 10 werden Nutzer wieder direkt auf dem Desktop landen, das altbewährte Startmenü kehrt in abgewandelter Form wieder zurück. Unter der Schaltfläche befinden sich dabei nicht nur die altbekannten Systemeinstellungen, der Befehl zum Herunterfahren des Rechners oder die Liste der meistgenutzten Programme wieder. Die aus „Modern UI“ bekannte Kacheloberfläche wird ebenfalls in dieses Menü integriert. Das ständige Umschalten zwischen den beiden Nutzerinterfaces entfällt damit, ohne dass Anwender auf deren Vorzüge verzichten müssten.

Zu den weiteren Neuerungen zählt unter anderem der Sprachassistent „Cortana“. Die erweiterte Suchfunktion lässt sich auf Wunsch auch über Sprachbefehle nutzen. Cortana dient dabei als digitaler Assistent und kann sowohl lokale wie Internetsuchen durchführen, als auch den Nutzer bei der Bedienung bestimmter Anwendungen unterstützen.

Ebenfalls neu ist die Unterstützung virtueller Desktops, ein Feature, dass „Ubuntu“- und „MacOS-X“-Nutzern schon länger vertraut sein dürfte. Ab sofort ist es damit auch unter Windows möglich, unterschiedliche Arbeitsflächen anzulegen, die individuell sortiert sowie gestaltet werden können und die sich je nach Bedarf schnell auswechseln lassen.

Rente für Internet Explorer

Mit Windows 10 schickt Microsoft den altbewährten Browser „Internet Explorer“ in den Ruhestand – auch wenn dieser aus Kompatibilitätsgründen in einer „Legacy“-Ausgabe, Internet Explorer 11, noch vorhanden ist, wird er doch nicht mehr prominent platziert. Stattdessen führt Microsoft das neue Modell „Edge“ ein, das auf volle Konformität zu modernen Web-Standards wie HTML5 und CSS3 setzt und auf Plugins wie „Adobe Flash“ oder „Silverlight“ verzichten will.

Ebenfalls auffällig ist die schnelle Ladezeit des Systems, nur wenige Momente nach Einschalten des Rechners kann ein Anwender sich bereits anmelden und den Desktop nutzen – weitere Bestandteile des Betriebssystems werden in der Zwischenzeit im Hintergrund nachgeladen. Eine Nachrichtenzentrale, die sich in einer versteckbaren Spalte am rechten Bildschirmrand verbirgt, informiert zusätzlich den Nutzer über wichtige Updates und andere Systemnachrichten. Der Microsoft App Store wird zudem nun auch um Desktop-Anwendungen erweitert und hält damit nicht nur die Tablet-orientierte App-Auswahl bereit.

Allerdings werden Anwender beim Umstieg auf Windows 10 auch von einigen Funktionen Abschied nehmen müssen. So verschwindet nach dem Update das „Windows Media Center“ aus dem System, mitsamt der Eigenschaft, DVDs ohne zusätzlicher Software abspielen zu können. Nutzer von USB-Devices müssen nach dem Umstieg möglicherweise neue Gerätetreiber installieren.

Nutzungsbeschränkungen

Viel schwerwiegender allerdings: Nutzer, die von einer Home Edition ihres Betriebssystems auf Windows 10 aktualisieren, können künftig nicht mehr selbsttätig entscheiden, wann und in welchem Umfang sie Windows-Updates installieren möchten. Selbst Besitzern einer Professional-Fassung wird das nur im eingeschränkten Umfang möglich sein – die volle Kontrolle bleibt nur Besitzern einer vollen Enterprise-Lizenz erhalten.

Für Heimanwender mit geringen Ansprüchen dürfte dies relativ bedeutungslos sein. Die regelmäßige Aktualisierung dürfte hier für ein zusätzliches Maß an Sicherheit sorgen.

Für Firmenkunden kann diese Änderung allerdings ein massives Problem darstellen: Wenn sich ein Update des Systemkernels nicht verhindern oder verschieben lässt, dann sind Nutzer einer speziell auf diesen Kern abgestimmten Software automatisch gezwungen, diese mit jedem Systemupdate mit zu aktualisieren. Da hierdurch vermehrt Kunden auf teurere, funktionserweiterte Enterprise-Lizenzen umsteigen dürften, sehen Branchenbeobachter sehen in dieser Vorgehensweise eine Taktik Microsofts, selbst an den kostenlosen Upgrades doch noch zu verdienen.

Ein OS für alle Plattformen: Versionen von Windows 10 werden nicht nur für PCs und Tablets, sondern auch für Smartphones und SBCs wie dem Raspberry Pi erscheinen.
Ein OS für alle Plattformen: Versionen von Windows 10 werden nicht nur für PCs und Tablets, sondern auch für Smartphones und SBCs wie dem Raspberry Pi erscheinen.
(Bild: Microsoft)
Windows 10 soll plattformübergreifend erscheinen. Das Betriebssystem steht gleichermaßen für Tablets, Note- und Netbooks sowie Desktop-PCs zur Verfügung. Dabei soll das Desktop-Design responsiv reagieren, je nach dem, auf welcher Plattform das Betriebssystem verwendet wird.

Es wird außerdem eigene Versionen für „Windows Phone“ sowie mit „Windows 10 IoT“ eine abgespeckte Variante für Single-Board-Computer wie „Arduino“ oder das „Raspberry Pi“ geben. Mit der Entwickler-Suite „Visual Studio 2015“ sowie der Anwendungsumgebung „.NET 4.6“ ist es dabei möglich, Anwendungen plattformübergreifend zu entwickeln – ein Feature, dass im Grunde genommen schon seit den Zeiten des allerersten NT-Betriebssystems vermisst wurde.

Gestern hat Microsoft den Rollout des Systems begonnen. Das Update soll dabei gruppenweise ausgeliefert werden. Demnach werden zunächst die geschätzt etwa fünf Millionen Teilnehmer der Beta-Phase, die eine Insider Preview installiert haben, die volle Version des Betriebssystems bekommen.

Andere Nutzergruppen werden laut einer Mitteilung auf Microsofts Entwicklerblog erst im Verlauf der folgenden Tage ihr Upgrade erhalten. Diese Maßnahme ist wohl nötig, um die Server nicht durch zu viele gleichzeitige Zugriffe und den daraus resultierenden hohen Traffic zu überlasten. Ob in Zukunft noch ein weiteres bezahltes Servicemodell folgen soll, zu diesen Gerüchten schweigt Microsoft sich derzeit noch aus.

* Dieser Beitrag stammt von unserer Schwesterpublikation ELEKTRONIKPRAXIS.

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