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Eucalyptus – vom Saulus zum Paulus Wie man Open-Source-Business nicht machen sollte

| Autor / Redakteur: Ludger Schmitz* / Elke Witmer-Goßner

Die Business-Strategie, neben einer Open-Source-Version eine proprietäre „Enterprise“-Variante zu vertreiben, kann gefährlich sein – wie das Beispiel Eucalyptus zeigt. In diesen Tagen erscheint Eucalyptus 3.1, eine unscheinbare Versionsnummer, hinter der sich aber ein dramatischer Schnitt in der Produktpolitik des Anbieters versteckt.

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Das Geschäftsmodell, Software auf Open-Source-Basis mit Closed-Source-Erweiterungen anzubieten, führte schon viele Unternehmen in die Sackgasse.
Das Geschäftsmodell, Software auf Open-Source-Basis mit Closed-Source-Erweiterungen anzubieten, führte schon viele Unternehmen in die Sackgasse.

Und das sind keine sensationellen technischen Neuerungen. Eucalyptus ist ein Produkt, mit dem sich Private Clouds für Infrastructure-as-a-Service (IaaS) aufbauen lassen. Deren APIs sind dabei offen und kompatibel zu Amazon Web Services (AWS) wie EC2 für Rechenpower und S3 für Speicher. Damit können Anwender eine hausinterne Cloud aufbauen, die sich mit den gleichen Mitteln adressieren und managen lässt wie die AWS. Man kann also unkompliziert für Spitzenlasten auf AWS ausweichen oder dort laufende Anwendungen ins eigene Haus zurückholen.

Dass diese Eigenschaft für viele Anwender attraktiv sein dürfte, haben auch Risikokapitalgeber erkannt. Insgesamt hat Eucalyptus bisher 55 Millionen Dollar Venture Capital erhalten, davon 30 Millionen allein in einer Runde in diesem Frühjahr. Dabei war das Unternehmen in Open-Source-Kreisen schon auf dem absteigenden Ast. So war Eucalyptus früher die Grundlage für das Cloud-Angebot des Linux-Distributors Ubuntu – und wurde durch OpenStack ersetzt. Auch in verschiedenen Open-Cloud-Initiativen stand Eucalyptus als Open Source zunächst hoch im Kurs, fiel aber in den letzten zwei Jahren wieder unter den Tisch.

Falsche Produktpolitik

Das hatte einen Grund: Mit der Version 2 führte das Unternehmen eine kostenpflichtige „Enterprise Edition“ ein. Sie enthielt einige Non-Open-Source-Features, die gerade große Unternehmen benötigen: Konnektoren für Storage Area Networks (SANs) und Managementsysteme proprietärer virtueller Maschinen. Diese wurden firmenintern als Erweiterungsmodule betrachtet, die nach und nach in die quelloffene „Community“-Variante von Eucalyptus einfließen sollten.

Dieses Business-Modell einer Open-Source-Basis mit Closed-Source-Erweiterungen ist insbesondere bei US-amerikanischen Open-Source-Anbietern sehr beliebt. Es wird oft als Open-Core- oder Hybrid-Strategie bezeichnet und zieht auffällig viel Risikokapital an. Beispiele für Firmen mit dieser Ausrichtung sind unter anderem SugarCRM, Talend, Alfresco, Pentaho und Jaspersoft. Im Herbst 2009 hatte SugarCRM-Chef Larry Augustin, nebenbei ein kapitalkräftiger Open-Source-Investor, in einem Interview mit dem Autor dieses Beitrags erklärt: „Nach meiner Beobachtung bewegen sich die Firmen mit Hybrid-Strategie schon wieder zu einem offenerem Modell. Denn der offene Kern ihrer Produkte wird immer größer.“

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